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Zoff in AfD Meißen wegen Proschwitz

Landtagsabgeordneter Mario Beger aus Großenhain kritisiert Kollegen Thomas Kirste aus Meißen wegen des Neins zu den Gästehaus-Plänen von Prinz zur Lippe.

SZ-Informationen zufolge gibt es sehr viele Interessenten für das Proschwitzer Mühlenareal. Trotzdem möchte Winzerfamilie zur Lippe an ihrem Gästehausbau festhalten.
SZ-Informationen zufolge gibt es sehr viele Interessenten für das Proschwitzer Mühlenareal. Trotzdem möchte Winzerfamilie zur Lippe an ihrem Gästehausbau festhalten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Überraschende Post ist kürzlich im Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe eingeflattert. In einem der Redaktion vorliegenden zweiseitigen Schreiben geht der Großenhainer AfD-Landtagsparlamentarier Mario Beger hart ins Gericht, unter anderem mit seinen Meißner Parteifreunden. Wörtlich schreibt er an die Unternehmerfamilie: "Ich möchte Ihnen mein tiefstes Bedauern über die mehrheitlich ablehnende Entscheidung des Meißner Stadtrates zu Ihrem Bauvorhaben auf dem Meißner Bocksberg ausdrücken."

Der Satz bezieht sich auf eine Abstimmung vom 24. März. 13 der 25 anwesenden Stadträte bekundeten an diesem Abend bei einer namentlichen Abstimmung ihr Nein. Nur die anwesenden Mitglieder der CDU/Freie Bürger/FDP/ULM-Großfraktion sowie Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) sagten Ja zu dem Vorhaben von Sachsens größtem Privatwinzer, in der Nähe des Schlosses ein Gästehaus und einen Aussichtsturm zu errichten, um das Schloss besser als Tagungs- und Konferenzzentrum nutzen zu können sowie eine neue Attraktion für die Meißner und ihre Gäste zu schaffen.

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Großenhains AfD-Landtagsabgeordneter Mario Beger übt Kritik an Kollegen: "Mich bedrückt der Umstand, dass die Meißner Stadtratsfraktion meiner Partei ablehnungsentscheidend in Bezug auf Ihren Antrag war", schreibt er zum Nein für das Gästehaus an Unterneh
Großenhains AfD-Landtagsabgeordneter Mario Beger übt Kritik an Kollegen: "Mich bedrückt der Umstand, dass die Meißner Stadtratsfraktion meiner Partei ablehnungsentscheidend in Bezug auf Ihren Antrag war", schreibt er zum Nein für das Gästehaus an Unterneh © Archivfoto: Kristin Richter

Beger teilt in seinem Brief kräftig gegen seinen Landtagskollegen Thomas Kirste, der Vorsitzender der AfD-Stadtratsfraktion in der Porzellanstadt ist, sowie die Mitglieder der Fraktionen von Linkspartei und Bürger für Meißen/SPD aus. Ihr Abstimmungsverhalten sei "fadenscheinig begründet" und von "viel Ideologie getragen". Seines Erachtens stehe es der weiteren wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Entwicklung der Region Meißen entgegen und sende negative Signale an künftige Investoren.

In weiteren Absätzen spricht der Großenhainer Handwerksmeister die Meißner AfD-Politiker ganz direkt an. Er habe mit mehreren Kollegen im Vorfeld versucht, die Stadträte der Alternative für das Vorhaben des Weinguts zu gewinnen. "Leider fruchteten unsere Bemühungen nicht", so Beger. Die Entscheidung der AfD-Stadträte in Meißen steht aus seiner Sicht konträr zum Grundsatzprogramm der Partei. Darin heißt es: "Die AfD will ein investitions- und innovationsförderndes wirtschaftliches Umfeld. Wir wollen auf breiter Front deregulieren und Bürokratie abbauen." Eigentum und Eigenverantwortlichkeit seien die Leitlinien. Der Mittelstand solle gestärkt werden.

Der Meißner AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste sieht sich zu Unrecht wegen des Neins zum Proschwitzer Gästehaus angegriffen: "Unsere Stadtratsfraktion hat nach umfänglichen Recherchen im Interesse der Meißner Bürger und der Meißner Wirtschaft entschied
Der Meißner AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste sieht sich zu Unrecht wegen des Neins zum Proschwitzer Gästehaus angegriffen: "Unsere Stadtratsfraktion hat nach umfänglichen Recherchen im Interesse der Meißner Bürger und der Meißner Wirtschaft entschied © privat

Für den gescholtenen Thomas Kirste ist der Rempler durch seinen Parteifreund in dessen Funktion begründet. "Herr Beger hat hier möglicherweise als weinbaupolitischer Sprecher eine andere Sicht auf die Dinge, als lokal involvierte Stadträte", so der Meißner Landtagsabgeordnete. Die Stadtratsfraktion habe nach umfänglichen Recherchen im Interesse der Meißner Bürger und der Meißner Wirtschaft entschieden. Sowohl Winzer als auch andere Gastronomie- und Hotellerieunternehmen seien konsultiert worden und hätten einen zusätzlichen Konkurrenzdruck gesehen. Seine Fraktion habe einen Kompromissvorschlag gemacht. Die Anwohner hätten sich in einer Umfrage klar gegen das Bauvorhaben entschieden.

Die von Kirste angeführte Umfrage hatte Ende Februar und Anfang März für erhebliche Irritationen gesorgt. Das Unternehmerpaar Alexandra Prinzessin zur Lippe und Georg Prinz zur Lippe sah sich zu einer Richtigstellung gezwungen. "Gleich in mehrerlei Hinsicht" habe sich in den AfD-Bogen "der Fehlerteufel eingeschlichen", hieß es aus dem Weingut. Die Befragung beziehe sich auf zwei Bauvarianten, "die es gar nicht gibt".

Wie in dem Schreiben weiter zu lesen war, wolle man in der Öffentlichkeit richtigstellen, wie die Baupläne aussehen, welche aktuell dem Meißner Stadtrat vorliegen. Es gehe nicht – wie in der zu Kirstes Fragebogen angehängten Grafik dargestellt – um einen Hotelkomplex, sondern lediglich um ein Gästehaus zum Übernachten. Weder am Weinberg noch auf dem Parkplatz am Schloss sei zudem an eine Tiefgarage gedacht. Der Parkplatz war nie als Standort für das Gästehaus vorgesehen.

Alexandra Prinzessin zur Lippe und ihr Mann arbeiten nach der Ablehnung einer in ein LSG minimal eingreifenden Variante für ein Gästehaus in Proschwitz an Alternativen. "Über das Nein des Stadtrates sind wir weiter sehr wütend. Aber wir werden nicht aufge
Alexandra Prinzessin zur Lippe und ihr Mann arbeiten nach der Ablehnung einer in ein LSG minimal eingreifenden Variante für ein Gästehaus in Proschwitz an Alternativen. "Über das Nein des Stadtrates sind wir weiter sehr wütend. Aber wir werden nicht aufge © Claudia Hübschmann

Im Weingut Schloss Proschwitz läuft – ungeachtet der internen AfD-Querelen – ein Abwägungsprozess, wie es jetzt mit dem Bau des Gästehauses weitergehen könnte. Dies teilte Alexandra Prinzessin zur Lippe auf Nachfrage der Meißner Redaktion mit. Das Unternehmen werde unter allen Umständen an dem Vorhaben festhalten. Verschiedene Alternativen würden jetzt erwogen, welche sich unter den gegebenen rechtlichen Vorgaben und Aspekten der Wirtschaftlichkeit verwirklichen ließen.

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Möglicherweise läuft es jetzt auf einen Bau hinaus, den die Verhinderer noch weniger gutheißen würden, jedoch letztlich provoziert haben.

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