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Meißen

Zur politischen Kultur in Meißen

In einem Gastbeitrag äußert Stadtrat Holger Schmidt (Großfraktion) Bedenken über den Ton in der Kommunalpolitik und macht Vorschläge.

Gibt Empfehlungen für eine bessere Umgangskultur im Stadtrat: Holger Schmidt (Großfraktion) möchte Neid, Lügen und Angst aus den Diskussionen und der Auseinandersetzung verbannen.
Gibt Empfehlungen für eine bessere Umgangskultur im Stadtrat: Holger Schmidt (Großfraktion) möchte Neid, Lügen und Angst aus den Diskussionen und der Auseinandersetzung verbannen. © privat

Meißen. Mit großer Sorge verfolge ich in der Politik den Umgang miteinander. Der Ton ist rauer geworden. Menschen, die eine andere Meinung haben, werden abgekanzelt, beschimpft, beleidigt und neuerdings sogar in ihrem Privatumfeld bedroht.

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In Meißen im Stadtrat ist es leider nicht viel besser. Ich vermisse interessiertes Zuhören, sachliche Diskussionen, Achtung und Respekt voreinander, wahrheitsgemäße Äußerungen, Akzeptanz der anderen Meinung und das Stehenlassen dieser.

Wenn Achtung fehlt und Neid regiert

Es ist schade, dass sich Menschen in der Öffentlichkeit bekriegen und den Anderen klein machen. Denn dann fühlen sie sich groß. Betrachten wir doch die Mitmenschen in unserer Umgebung lieber wie unseren besten Freund. Wie würde ich dann Kritik äußern, wie mit ihm umgehen, wie sage ich so jemand, wenn ich mal anderer Meinung bin?: Auf Augenhöhe. Mit Respekt. Aufbauende Worte und Worte der Wertschätzung wähle ich dann. Lassen Sie es uns auch im öffentlichen Bereich so handhaben.

Vor kurzem hat einer der Stadträte seine Maske fallen lassen. Nach langen Verhandlungen und Debatten hatte er gegen ein Projekt gestimmt. Auf die Frage, "Liegt es daran, dass Sie das Projekt dem Anderen nicht gönnen?", antwortete er: "Ja."

Vielleicht ist er sogar über seine Antwort selbst erschrocken. Doch was sagt das aus? Mit welcher Motivation agieren wir im Stadtrat und welche Motive bestimmen unser Handeln? Ich bitte daher jeden, sich diese Fragen immer wieder neu zu stellen.

Lüge ist nicht der richtige Weg

Zum Thema Lügen gibt es eine sehr schöne Geschichte über den griechischen Philosophen Sokrates. Ein Bekannter wollte ihm etwas über einen Freund erzählen. Sokrates bat ihn, zunächst die Geschichte durch drei Siebe zu sieben. Zuerst sollte der Bekannte die Wahrheit der Geschichte über Sokrates' Freund prüfen. Anschließend sollte er hinterfragen, ob er eine gute Nachricht erzählen wolle, und letztlich noch herausfinden, ob überhaupt die Notwendigkeit zum Weitertragen der Geschichte bestünde. Sokrates beschloss die Unterhaltung mit den Worten: "Wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!" Lassen Sie uns bitte nach diesen drei Sieben überall handeln!

Öffentliche Schuldzuweisungen verhärten die Fronten

Im Stadtrat müssen viele Entscheidungen getroffen werden, und im Nachhinein erweist sich eine solche schon mal als falsch. Dabei erlebe ich, dass es mehr darum geht, den Schuldigen zu suchen, und nicht eine Lösung zu finden und aus einer Fehlentscheidung zu lernen. Was wäre der bessere Weg?: Zuallererst das Vier-Augen-Gespräch. Hier besteht die Möglichkeit, in Ruhe die Angelegenheit zu überdenken und sich gegebenenfalls zu entschuldigen. Wird man vorgeführt, öffentlich beleidigt oder beschimpft, sind eher Abwehrhaltung oder Rückzug die Folge.

Wenn Fehler passiert sind, dann lassen Sie uns auf die Lösung schauen und einen Ausweg finden. Wenn eine solche Kultur entsteht, werden Sie erleben, dass sich mehr Entscheidungsfreudigkeit einstellt, ein positives Arbeitsklima, mehr Engagement bei der Arbeit und eine größere Bereitschaft, Verantwortung für Fehler zu übernehmen.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Ähnlich wie öffentliche Schuldzuweisungen kann Angst wirken. Wenn sie unser Handeln bestimmt, werden keine objektiven Entscheidungen mehr getroffen. Angst lähmt. Es werden dann gute Dinge verhindert, es wird falsch oder gar nicht gehandelt. Lassen Sie uns stattdessen die Dinge von allen Seiten beleuchten und anschließend im Sinne des größten Gemeinwohls eine rationale Entscheidung treffen.

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Abschließend möchte ich gern den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung meinen Dank aussprechen. Es ist kein leichter Job, und wir Bürger und Stadträte sollten sie größtmöglich unterstützen. Die Arbeit soll wieder Spaß machen, einen Sinn ergeben und Frucht bringen.

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