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Praktikum beim Bestatter

Nele, Schülerin der 10. Klasse der Triebischtal-Oberschule, erzählt über ihr Praktikum im Städtischen Bestattungswesen Meißen.

Das Praktikum im Krematorium Meißen war für Nele eine interessante Erfahrung.
Das Praktikum im Krematorium Meißen war für Nele eine interessante Erfahrung. © Foto: Sophia Mosch

Viele Schulabsolventen stehen jährlich vor der großen Frage: „Wie geht’s nach der Schule für mich weiter?“ Des Öfteren heißt es dann „Irgendwas mit Medien“, „Eine Arbeit mit Kindern würde mir Spaß machen“ oder „Ich möchte Arzt werden“. Die Auswahl ist grenzenlos und die Ausbildungswege vielseitig. Ein Praktikum gibt dabei bereits den ersten Anstoß, ob ein bestimmter Beruf Traum oder vielleicht auch Albtraum ist. Die 16-jährige Nele hat sich für ein Praktikum im Städtischen Bestattungswesen Meißen entschieden – ein für Viele ungewöhnlicher Weg, der für sie umso interessanter ist. 

Warum hast du dich für ein Praktikum beim Bestatter entschieden?

Ich finde den Beruf Bestatter interessant. Erst habe ich gar nicht großartig über so einen Beruf nachgedacht. Aber vor ca. einem Jahr unterhielt ich mich mit meiner Patentante über das Thema Bestattung. Sie erzählte von einer speziellen, kreativ gestalteten Beerdigung, was ich als eine schöne Idee empfand. Auch mit der Schulklasse konnten wir letztes Jahr einen Einblick ins Krematorium nehmen, was mir gut gefiel. Das Thema hat schon immer meine Aufmerksamkeit erzielt. Zum Beispiel hat mich auch der Film „Liebe versetzt Särge“ von dem Beruf auf eine coole Art fasziniert, woraufhin ich mich darüber informiert habe.

Was sind deine Aufgaben als Praktikantin?

Hier im Krematorium Meißen bekommt man einen umfassenden Einblick und muss als Praktikant keinen Kaffee kochen. Es ist sehr abwechslungsreich und man kann nie wissen, was am nächsten Tag ansteht. Gestern durfte ich zum Beispiel bei der Abholung eines Verstorbenen im Krankenhaus dabei sein. Das war das erste Mal für mich, dass ich einen Toten gesehen habe. Wir haben die Person dann in den Sarg gelegt und in ein Tuch eingeschlagen.

Eine weitere Aufgabe ist auch das Einbrennen der Urnenfarbe. Denn in der Schmuckurne steckt eine weitere kleinere, in die die Asche hineinkommt. Diese gibt Aufschluss über das Krematorium, in dem der Verstorbene eingeäschert wurde. Für die blaue Farbe der Urne mit einer angebundenen Phoenix-Aschemarke als Wiedererkennungswert des Krematoriums bin ich verantwortlich. Auch am Beziehen der Särge mit Stoff habe ich mich bereits versucht. 

Was würdest du in deinem Praktikum gern noch machen wollen?

Die Leichen für die Bestattung vorbereiten, wie zum Beispiel schminken und anziehen. Das finde ich total interessant. Auch einen Friedwald würde ich gern noch besuchen – eine, wie ich finde, beeindruckende Bestattungsart.

Wie war es für dich, erstmals einen Toten zu sehen?

Es ist auf jeden Fall ein komisches Gefühl, aber für mich war es okay und spannend. Man stellt es sich schlimmer vor, als es ist. Bei einem Kind oder einem Verletzten wäre das für mich schlimmer gewesen. Ich habe hier jetzt schon mehrfach ein paar Füße gesehen, wenn die Särge leicht geöffnet werden oder auch in den Verbrennungsofen schauen dürfen. Heute Nachmittag findet die sogenannte 2. Leichenschau statt, die von einem Gerichtsmediziner durchgeführt wird. Dabei wird nach Anhaltspunkten für einen „nichtnatürlichen“ Tod gesucht. Auch dabei werde ich zusehen.

Hast du großen Respekt oder gar Angst vor dem Tod?

Ich habe keine Angst zu sterben. Ich sorge mich eher um meine Familie und Freunde. Das Praktikum nimmt einem zum Teil auch die Angst davor, da man hier sehr locker mit diesem Thema umgeht. Hier herrscht keine "Totenstimmung", was sehr hilfreich und wichtig ist.

Kannst du dir für dich den Beruf Bestatter vorstellen?

Ich könnte es mir schon vorstellen. Ich habe zwar noch nicht den vollen Einblick bekommen, aber das, was ich bisher gemacht habe, finde ich gut und interessant.

Was gefällt dir an dem Beruf gar nicht?

Besonders Angst habe ich davor, wenn Kinder sterben.

Welche Eigenschaften muss man deiner Meinung nach haben, um als Bestatter arbeiten zu können?

Man muss fröhlich sein. Sonst frisst das Thema dich auf oder du gibst das an die Leute weiter. Trotzdem ist das Mitgefühl mit den Hinterbliebenen ein großer Punkt für mich. Bei der Berufswahl spielt auch die körperliche Fitness eine Rolle, um die Särge tragen zu können.

Eine von Neles Aufgaben war es, die Urnen mit blauer Folie zu überziehen - der Wiedererkennungswert des Krematoriums Meißen.
Eine von Neles Aufgaben war es, die Urnen mit blauer Folie zu überziehen - der Wiedererkennungswert des Krematoriums Meißen. © Foto: Sophia Mosch
An die Urnen wird eine Aschemarke mit dem Feuervogel Phoenix gehangen. Auch diese stellte Nele eigenhändig her.
An die Urnen wird eine Aschemarke mit dem Feuervogel Phoenix gehangen. Auch diese stellte Nele eigenhändig her. © Foto: Sophia Mosch
Als Praktikant darf man in allen Bereichen des Krematoriums mitwirken, wenn man möchte - so auch im Vorbereitungsraum der Einäscherung.
Als Praktikant darf man in allen Bereichen des Krematoriums mitwirken, wenn man möchte - so auch im Vorbereitungsraum der Einäscherung. © Foto: Sophia Mosch
Jörg Schaldach, Geschäftsführer des Krematoriums, gibt Schülern gern Einblick in die Arbeit seines Teams.
Jörg Schaldach, Geschäftsführer des Krematoriums, gibt Schülern gern Einblick in die Arbeit seines Teams. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

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