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„Projekt Sieben“ soll den Tierpark retten

Der Meißner Handwerker und Stadtrat Uwe Köhler hat eine Idee für die Zukunft des Geländes in Siebeneichen.

Von Harald Daßler
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In sieben Jahren gemeinsam mit sieben Stadtteilen: Uwe Köhler ist optimistisch, was die Zukunft des Tierparks Meißen angeht. Und er hat bereits erste Ideen, wie das städtische Gelände und weitere Flächen in Siebeneichen entwickelt werden können.
In sieben Jahren gemeinsam mit sieben Stadtteilen: Uwe Köhler ist optimistisch, was die Zukunft des Tierparks Meißen angeht. Und er hat bereits erste Ideen, wie das städtische Gelände und weitere Flächen in Siebeneichen entwickelt werden können. © Claudia Hübschmann

Meißen. Diese Debatte habe ihm keine Ruhe gelassen. So begründet Uwe Köhler, warum er sich am Ende dieses Jahres noch einmal zum Thema Tierpark zu Wort meldet. „Der Tierpark Meißen hat eine Zukunft“, sagt der bekannte Meißner Handwerker, der für die FDP im Stadtrat sitzt. Damit wendet er sich gegen den durch diese Debatte im Stadtrat vor 14 Tagen bei manchem Meißner vermittelten Eindruck, dass der Tierpark Meißen mit dem Jahreswechsel Geschichte ist.

Dass das Gelände am Hang in Siebeneichen mit dem Rückzug des langjährigen Tierparkleiters Heiko Drechsler und ohne Tiere nicht sofort an den Verein Lebenshilfe Meißen e. V. übergeben werden und der Tierpark weiter betrieben werden kann, sei klar, so Uwe Köhler. Aber: Statt dies zu beklagen, sieht er darin die Möglichkeit, eine Idee umzusetzen, die er „Projekt Sieben“ nennt. „Wenn wir den Tierpark im Zusammenhang mit dem Park Siebeneichen und angrenzenden Gelände bis hin zur Jugendwiese betrachten, könnten wir schrittweise ein Freizeitareal erschließen, dass über die Grenzen der Stadt hinaus für Aufsehen sorgt“, so der Stadtrat, der auch Mitglied der AG Tierpark ist.

Seine Vision sieht das Gelände für den Tierpark im unteren Bereich vor. In unmittelbarer Nachbarschaft sollte ein großer Abenteuerspielplatz entstehen, der Angebote für Kinder vieler Altersgruppen ebenso wie für Menschen mit Einschränkungen bereithält. Dies würde auch die Intention der Lebenshilfe Meißen e. V. ergänzen, die auch deshalb das Interesse am Tierpark Meißen bekundet hatte, weil sie im täglichen Umgang mit den Tieren auch Möglichkeiten für die Betreuung von gehandicapten Menschen sieht. Auch eine Sommerrodelbahn könnte hier entstehen.

Das Gelände bietet außerdem Möglichkeiten für neue Formen des Schulunterrichts – und damit meint Uwe Köhler nicht nur das „Grüne Klassenzimmer“ für den Sachkunde- und Biologieunterricht. So ließen sich im Park und Tierpark besondere Naturlehrpfade anlegen. „In einem Container könnten ganze Klassen Experimente für den Chemieunterricht durchführen“, so einer seiner Vorschläge. Denkbar sei aber auch, dass Baufahrzeuge die Hebelgesetze ganz praktisch demonstrieren, nennt er ein Beispiel für den Physik-Unterricht im Grünen. Dafür ließe sich am Hang ein Klassenzimmer im Freien nach dem Vorbild eines Amphitheaters schaffen.

Das würde sicher auch bei Schulen außerhalb der Stadtgrenzen Interesse erzeugen. Und diese Aussicht könnte bei der Suche nach Finanzquellen für die Umsetzung der Projekt-Sieben-Idee hilfreich sein. Dass es für den Wiederaufbau eines Tierparks derzeit keine Fördermöglichkeit gibt, heißt doch nicht, dass sich kein Programm für den Aufbau eines Aktiv-Geländes mit Angeboten für Bildung, Freizeit und Sport für viele Altersgruppen und Familien finden lässt. Da ist auch die Verwaltung gefordert.

Uwe Köhler macht keinen Hehl daraus, dass seine Idee nicht ganz neu ist: Im März 2019 hatte der Bauausschuss eine Vorzugvariante eines „Entwicklungskonzepts Siebeneichener Straße“ beschlossen. In das Gebiet könnte auch die Jugendwiese integriert werden. Mit Rücksicht auf ihre Lage im Überflutungsgebiet könnte sie als Sportstätte wiederbelebt werden – als Treffpunkt für Vereine der Stadt. Auf kleinen Feldern könnten Wettkämpfe stattfinden oder Bogensportler Möglichkeiten zum Trainieren finden.

An der Jugendwiese ließe sich auch ein Fähranleger einrichten, den es hier schon einmal gab. Würde der Anleger am gegenüber liegenden Ufer in der Nähe der ehemaligen Tankstelle wiederbelebt, könnte eine mit Akkus oder einem Gierseil betriebene Fähre kurze Wege zum Freizeitzentrum schaffen – und die Stadtteile Spaar, Zaschendorf, Cölln, Altstadt, Siebeneichen, Plossen und Lercha miteinander verbinden. Dies wäre übrigens eine Erklärung für den Namen „Projekt Sieben“.

Die andere könnte sich aus der zeitlichen Dimension ergeben: "Wenn wir in einzelnen Schritten denken und planen, könnte sich Meißen in den sieben Jahren von 2022 bis 2028 – unmittelbar vor dem Beginn des 1.100-jährigen Stadtjubiläums 2029 – ein schönes Geschenk selbst schaffen."

Als Handwerker und Unternehmer weiß Uwe Köhler natürlich, dass die besten Ideen nichts taugen, wenn nicht geklärt ist, wie sie zu finanzieren sind. Im Haushalt für das kommende Jahr, den die Stadträte während ihrer letzten Sitzung vor 14 Tagen beschlossen, sind 100.000 Euro für den Tierpark Meißen eingeplant – als Zuschuss für den neuen Betreiber. Mit diesem Geld ließen sich auch erste Voraussetzungen für den Neuanfang in Siebeneichen schaffen. Das könnten erste Planungen sein, oder die Anschaffung von Containern als Interimslösung für fehlende Aufenthaltsräume und Toiletten sowie den Ankauf von Tieren.

In den nächsten Jahren wird weiteres Geld gebraucht – für die Investitionen ebenso wie für den Betrieb des Tierparks. Das „Projekt Sieben“ sieht Uwe Köhler so angelegt, dass weiteres Geld dafür aus Förderprogrammen des Bundes und der EU fließen kann. Aber auch für Sponsoren ist es interessant. So könnten große Unternehmen – beispielsweise der Fahrzeug- oder Pharmaindustrie – als Namensgeber für Wege, Spielgeräte, Lerncontainer oder einzelner Gehege gewonnen werden.

Am 18. Januar 2022 will Uwe Köhler seine Projekt-Idee erläutern, wenn im Stadtentwicklungsausschuss das Thema Tierpark aufgerufen wird. Natürlich hofft er, möglichst viele Stadtratskollegen dafür begeistern zu können. Damit der Tierpark Meißen eine Zukunft hat.