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Afralino-Zirkus: Kleine Artisten, große Show

Die vorletzte Schulwoche ist für die Jungs und Mädchen der Afra-Grundschule eine besondere: Sie studieren eine Zirkusshow ein – in Rekordzeit.

Von Andre Schramm
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Alma aus der ersten Klasse der Afra Grundschule übt auf dem Trapez in gut zwei Metern Höhe.
Alma aus der ersten Klasse der Afra Grundschule übt auf dem Trapez in gut zwei Metern Höhe. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Zirkuszelt auf dem Meißner Festplatz ist rappelvoll. Reichlich 300 Grundschüler aus der benachbarten Grundschule sitzen auf den Bänken. Zirkus-Chef Helmut Rosner erklärt unterdessen die Spielregeln für die nächsten Tage: Nicht auf dem Gelände rennen, immer beim Lehrer abmelden und bitte nicht auf den Bänken stehen. "Im Artistenraum dürft ihr nur flüstern. Man hört sonst jedes Wort in der Manege", sagt er.

Am Rand steht Schulleiter Henryk Hambsch und freut sich, dass es kurz vor Ferienbeginn doch noch geklappt hat. "Wir laden einmal alle vier Jahre den Projektzirkus Andre Sperlich ein, sodass alle Grundschüler bei der Projektwoche einmal dabei sein können", sagt er. Dieses Mal hätte es beinahe nicht geklappt, denn ursprünglich sollte das Zirkusprojekt im letzten November nach Meißen kommen. Die Corona-Auflagen verhinderten das jedoch. Es musste ein Ersatztermin im vollen Kalender der Zirkusprofis gefunden werden. Ihr Konzept: Keine professionellen Artisten, sondern Kinder gestalten eine Zirkusshow. Zwei Tage Training für zwei Stunden Programm. Das ist sportlich.

Feuershow und barfuß übers Nagelbrett

Inzwischen hat der Zirkus-Chef die Gruppen eingeteilt. Es gibt u. a. eine Trapez-Gruppe, Tüchertanz, Jongleure, Fakire, Zauberei, Akrobatik und Clownerie. "Die Jungs und Mädchen konnten vorher ihre Wünsche aufschreiben", erzählt Helmut Rosner. Jedes Team ist am Ende Teil der Show, zeigt sieben bis zehn Minuten Programm. Manche Darbietungen sind nicht ohne. So gibt es Nummern, bei denen die Kinder barfuß über Glasscherben oder ein Nagelbrett laufen. Auch die Fakire hantieren mit echtem Feuer. Allerdings bekommen sie dazu nicht mehr das Pulver in den Mund, sondern ein entsprechendes Spuckröhrchen in die Hand. "Es geht darum, eigene Ängste zu überwinden", meint Rosner. Aber nicht nur. "Von Selbstbewusstsein über Sozialverhalten bis hin zu Disziplin: Viele Kompetenzen, die in der Schule manchmal zu kurz kommen, werden gefördert", erklärt er weiter.

Unterdessen sitzt Cheyenne aus der vierten Klasse auf dem Trapez. Ihr Trainer fährt es in zwei Meter Höhe. Das junge Mädchen muss sich hinstellen, ihre Beine ums Seil wickeln und sich anschließend rückwärts Hals über Kopf hängen lassen. "Das war easy", sagt sie als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. "Unsere Kinder wachsen durch die Show über sich hinaus. Manchmal entdecken sie auch verborgene Talente", erzählt Schulleiter Hambsch. Er schwärmt von dem Projekt, vor allem von dessen Professionalität.

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Seit 2006 tourt der Projektzirkus durch die Republik. Inzwischen gibt es vier Teams à zehn Trainer, die bundesweit an Schulen gehen. Für die Zirkusleute waren die letzten beiden Jahren nicht gerade leicht. "Viele von uns haben sich mit Lkw-Fahrten über Wasser gehalten", erzählt Rosner. 2021 konnte nur knapp zwei Monate an Schulen gearbeitet werden. Normalerweise ist der Tross von März bis November mit Ausnahme der Sommerferien nahtlos unterwegs.

Für die Schülerinnen und Schüler beginnt die Vorbereitung für ihren Auftritt schon Wochen vorher. So wird im Vorfeld ein Begrüßungslied einstudiert. Zudem müssen Werbeplakate für die Auftritte angefertigt werden. Beim Zeltaufbau sind dann auch die Eltern gefragt. "Ohne die Unterstützung ehemaliger Lehrer, den Partnern von den Lehrkräften und eben den Eltern würde das nicht funktionieren", sagt Schulleiter Hambsch. Der Förderverein der Schule hilft auch – in finanzieller Hinsicht. Statt 25 Euro pro Kind kostet die Teilnahme nur 20 Euro. Enthalten sind in dem Preis schon zwei Freikarten für die Eltern. Normalerweise müssen sich die Kinder vorher auch einen Zirkusnamen überlegen. An der Meißner St. Afra Grundschule gab es schon einen, aus den vergangenen Projektwochen: "Afralino".

Insgesamt sechs Vorstellungen (Mittwoch, 17 bis 19 Uhr, Donnerstag und Freitag, je 15 bis 17 und 18 bis 20 Uhr, Samstag, 10 bis 12 Uhr) sind geplant. Natürlich, so erzählt Rosner, steige die Aufregung kurz vor der Show. Dann erzählt er von seiner aktiven Zeit, und dass er auch immer aufgeregt war. "Kleiner Fehler passieren. Aber, und das ist eben auch ein pädagogisches Ziel, sie gehören zum Leben dazu", meint der Zirkus-Chef.

Restkarten gibt es direkt vor den Shows zu kaufen.