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"Die Unterstützung der Stadt ist groß"

Steht in Meißen ein großes Sanierungsprojekt auf dem Spiel? Eine einzige Formulierung hat eine Debatte entfacht.

Von Marvin Graewert
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Ob das komplette Areal von der Manufaktur bis in die Innenstadt saniert wird, hängt für den Investor an einer Formulierung.
Ob das komplette Areal von der Manufaktur bis in die Innenstadt saniert wird, hängt für den Investor an einer Formulierung. © Claudia Hübschmann

Meißen. Nachdem die Arbeiten am Palais am Steinberg gegenüber der Manufaktur fast abgeschlossen sind, sollte es mit dem kompletten Abschnitt bis in die Innenstadt weitergehen. Am Dienstagabend wurde im nicht öffentlichen Teil des Stadtentwicklungsausschusses über diesen Bauabschnitt beraten. Doch noch bevor die Sitzung überhaupt begonnen hatte, baute Investor Corte Harmjanz Druck auf: Auf Grundlage des zur Abstimmung stehenden Beschlussvorschlags, wolle er nicht weiterbauen. Im Vorschlag fehle das Bekenntnis der Stadt, dass das Bauvorhaben im öffentlichen Interesse liege. Eine Formulierung, die Harmjanz die Bauarbeiten erleichtern könnte. Sein Vorpreschen hat unter den Stadträten eine Debatte entfacht.

Der Linken-Fraktionschef Tilo Hellmann zeigt sich entgegen Harmjanz' Befürchtungen optimistisch, dass ein guter Kompromiss gefunden werden könnte: "Zuallererst wollen wir feststellen, dass die Sachlage zwischen dem Projekt in Proschwitz und dem von Herrn Harmjanz vollkommen unterschiedlich ist", sagt Hellmann, der anerkennt, dass der Investor bereits Großartiges am Palais am Steinberg geleistet hat: "Seine Idee von Stadtentwicklung entspricht am Ehesten unseren Vorstellungen", so Hellmann. Trotzdem gelte gleiches Recht für alle: "Die Stadt und auch der Rat haben dafür Sorge zu tragen, dass es keine Bevorzugungen oder Übervorteilungen Einzelner gibt. Ich gehe aber davon aus, dass auf allen Seiten der Wille zur Realisierung des Projekts besteht."

Auch die AfD-Stadtratsfraktion begrüßt die Sanierung der historischen Bausubstanz auf der Talstraße außerordentlich: "Sollte dies auf die Areale der ehemaligen Reich-Mühle und der Bienenwirtschaft ausgeweitet werden, findet dies selbstverständlich unsere Unterstützung", erklärt Vorsitzender Thomas Kirste, der den Vergleich zum Bauvorhaben des Prinzen zur Lippe auch nicht nachvollziehen kann: "Bisher hat der Investor Herr Harmjanz denkmalschutzgerecht in ruinöse Gebäude investiert, die nicht im Landschaftsschutzgebiet erweitert werden sollen und von der umliegenden Bürgerschaft sehr wohl begrüßt werden. All dies war im Fall Proschwitz nicht der Fall." Harmjanz erhalte große Unterstützung von der Stadt und Verwaltung, dennoch müssten alle Bauträger die Gleichbehandlung erfahren: "Dies schlägt sich auch in der Formulierung von Beschlüssen nieder."

Dass die Stadt große Unterstützung geleistet habe, wollte Harmjanz mit seiner Aussage nicht infrage stellen: "Wir führen mit dem Baudezernenten und der Stadt sehr gute, konstruktive Gespräche. Es ist nur die Frage, ob wir im Einzelfall eine Lösung finden."

Die Bauverwaltung wollte sich erst mal nicht dazu äußern, warum der (nicht öffentliche) Beschlussvorschlag von Corte Harmjanz umgeschrieben wurde.