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Scheitert die Notsicherung von Schloss Pinnewitz?

Etwa 100.000 Euro wären notwendig um das Dach zu flicken. Deshalb sammelt die Schlossbesitzerin Spenden: Bislang sind 3.800 Euro zusammengekommen.

Von Marvin Graewert
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Bei jedem Regenschauer spielt Schlossbesitzerin Mandy Auerswald "Eimertetris": Je nachdem, wie stark es regnet, tropft es an einer anderen Stelle ins Schloss.
Bei jedem Regenschauer spielt Schlossbesitzerin Mandy Auerswald "Eimertetris": Je nachdem, wie stark es regnet, tropft es an einer anderen Stelle ins Schloss. © Claudia Hübschmann

Nossen. Es regnet aus Kübeln und landet in Eimern: Sobald ein Unwetter aufzieht, beginnt auf dem undichten Dachboden von Schloss Pinnewitz ein prasselndes Konzert. Jeder Regentropfen, der von einem der 64 Malerkübel, Putzeimer und Fleischerkisten aufgefangen wird, klingt anders.

Da das Dach kein einziges großes Loch hat, sucht sich das Wasser seinen Weg durch die vielen kleinen Löcher. Je nach Regenintensität tropft es dann an einer anderen Stelle.

Schlossbesitzerin Mandy Auerswald lässt jeder Regenschauer beklommen und gestresst zurück: Selbst wenn die 39-Jährige alle paar Stunden auf den Dachboden steigt, um Eimer auszuleeren und umzustellen, bilden sich große Pfützen. Ein Stockwerk tiefer - wo Auerswald mit ihren beiden Kindern lebt - ist die Wohn- und Kinderzimmerdecke von gelbbraunen Flecken übersät: "Wenn es regnet, komme ich zu nichts anderem", sagt Auerswald. Sobald das Dach einmal dicht ist, wird sich zeigen, ob sich die Substanz durch Trocknen retten lässt.

Bislang wurde das Dach jedes Jahr notdürftig geflickt. Lange geht das nicht mehr gut.
Bislang wurde das Dach jedes Jahr notdürftig geflickt. Lange geht das nicht mehr gut. © Claudia Hübschmann

Als Auerswald vor acht Jahren das Schloss samt Brennerei kaufte – insgesamt 11.000 fruchtbare Quadratkilometer – war bereits klar, dass allein die Dachsanierung den Kaufpreis übersteigen würde: Selbst in Eigenleistung hätte die Sanierung des 100-Quadratmeter großen Daches 100.000 Euro gekostet. Aktuell hat Auerswald gerade einmal 3.800 Euro zusammengesammelt. Da fragt selbst der Dachdecker, ob der Schlosskauf nicht ein bisschen naiv war.

Tatsächlich hatte Auerswald den notwendigen Geldbetrag bereits beim Kauf des Schlosses auf der hohen Kante und schon von edlen Schieferplatten auf dem Dach geträumt. Aufgrund eines Schicksalsschlages ist das ganze Geld verloren gegangen. Seit über einem Jahr sammelt die Schlossbesitzerin deshalb Spenden und hat das Dach seither immer nur notdürftig geflickt.

Übersteht das Dach den Winter?

Lange geht das nicht mehr gut: Mittlerweile geht es nicht mehr um schicke Schieferplatten auf dem Dach, sondern um eine Notsicherung. Davon habe bereits das Denkmalamt gesprochen. Vom Gedanken, das Dach in Eigenleistung zu sanieren, musste sich Auerswald verabschieden. Stattdessen kämpft sie um den nächsten freien Dachdeckertermin. Mit Dachpappenschindeln und Bitumenbahnen würden die Kosten ähnlich bleiben. Allerdings auch nur für den theoretischen Fall, dass es trocken bleibt: "Den Luxus sich seinen Dachdeckertermin auszusuchen gab es vielleicht vor Corona." Bis ins Frühjahr zu warten, dafür bliebe keine Zeit mehr: Bei einer Begehung habe der Dachdecker bereits Bedenken geäußert, ob das Dach diesen Winter übersteht.

Ihren Traum in einem zu wohnen und das daraus resultierende Lebensprojekt ein Schloss zu sanieren, möchte Auerswald trotzdem nicht aufgeben: "Wegrennen ist für mich keine Lösung, zumal ich bereits Mieter habe", sagt Auerswald. Die angrenzende deutlich erhaltene Brennerei ist komplett vermietet. Hauptsächlich an Menschen, die es aufgrund von Haustieren oder Kindern auf dem Wohnungsmarkt schwer haben. Ein paar Zimmer sind auch an Digitale Nomaden vermietet, die zum Arbeiten nur Internet brauchen und deshalb von der ganzen Welt aus arbeiten können: "Ich versuche damit eine Nische an Mietern zu bedienen, die sonst nicht so einfach eine Wohnung bekommen."

Mittlerweile sind alle Mietnomaden draußen und das Schloss kann wieder als Platz für Musikvideos, Filmdrehs und Fotoshootings gebucht werden. Zuletzt hatte Schlagersänger Christian Jährig, bekannt für seine Kinderstimme, sein aktuelles Musikvideo gedreht, produziert vom Sohn von Drafi Deutscher, René Deutscher.

"Ich kämpfe so lange weiter, bis ich umfalle." Dafür ist im Schloss auch einfach schon zu viel passiert: Bis ins 17. Jahrhundert hatte noch das Adelsgeschlecht von Beust in Pinnewitz residiert, danach haben Messis und Mietnomaden das Schloss heruntergerockt: Allein den Schlosspark zu entmüllen, hat ein Jahr lang gedauert.

Spendenkonto zur Dachsanierung des Schloss Pinnewitz:

Mandy Auerswald
DE65 8504 0000 0204 8320 00
COBADEFFXXX


oder
per Paypal an
[email protected]