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Serientäter erneut auf frischer Tat ertappt

Für die Polizisten ist der Mann ein guter Bekannter. Er hat zahlreiche Vorstrafen. Und ihm werden schon wieder 15 neue Taten vorgeworfen.

In ein Meißner Bildungszentrum stieg der Täter ein, wurde aber nicht fündig. Dann brach er die Nachbarräume auf.
In ein Meißner Bildungszentrum stieg der Täter ein, wurde aber nicht fündig. Dann brach er die Nachbarräume auf. © Claudia Hübschmann

Meißen. Freitag, der 13., ist doch ein Pechtag. Jedenfalls für einen 26-jährigen Meißner. Am 13. November vorigen Jahres, einem Freitag, bricht er in einen Firmenkomplex an der Niederauer Straße in Meißen ein. Er ist auf der Suche nach Geld oder Gegenständen, die er zu Geld machen kann. Denn er und seine Freundin sind schwer alkohol- und drogenabhängig.

Mit Werkzeug wie einem Nothammer, einem Meißel und einem Bolzenschneider bricht er Fenster und Türen auf, gelangt ins Innere eines Bildungszentrums. Fündig wird er dort allerdings nicht. Über ein Dachfenster kommt er in das Lager eines Sanitätshauses. Dort stiehlt er einen Laptop und ein I-Phone, aber auch ein 11.000 Euro teures Messgerät. Doch das reicht ihm noch immer nicht. Und so steigt er noch bei einem Schornsteinfeger ein, stiehlt hier Handy, Laptop und zwei Autoschlüssel.

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Bolzenschneider ragt noch aus dem Rucksack

Inzwischen ist der Inhaber des Sanitätshauses durch die Geräusche aufmerksam geworden, ruft die Polizei. Bei ihm sei eingebrochen worden, der Täter sei noch im Haus, teilt er mit. Blitzschnell ist die Polizei da, findet den Täter. Er hat noch Handschuhe an, der Bolzenschneider ragt aus seinem Rucksack. Er versucht zu fliehen, wird aber schnell gefasst und überwältigt.

Die Polizei findet bei ihm auch Bargeld in Höhe von 2.100 Euro. Das habe er im Online-Casino gewonnen, behauptet er vor Gericht. Wäre verbotenes Glücksspiel, also auch eine Straftat. Schnell korrigiert er sich. Auch dieses Geld stamme aus Straftaten.

Dass er ertappt wird, ist ihm schon mal passiert. Als er mit zwei Mittätern im Oktober 2019 in den Keller eines Mehrfamilienhauses in Meißen einbricht, werden die drei von einem Hausbewohner überrascht. Der Ex-Bundeswehrsoldat und Afghanistan-Veteran kann die Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Nicht nur deshalb ist der junge Mann den Polizisten bestens bekannt. Der 26-Jährige hatte schon 15 Mal mit der Justiz zu tun. Salopp gesagt ist er mehr im Gefängnis als draußen. In der Haft hat er auch seinen Hauptschulabschluss gemacht und einen Beruf gelernt. Auch jetzt sitzt er wieder im Gefängnis, war erst in Untersuchungshaft, sitzt inzwischen eine Strafe ab, deren Bewährung widerrufen wurde.

Therapie nach zwei Tagen abgebrochen

Das Leben des jungen Mannes ist eine traurige Geschichte. In schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, nimmt er schon seit dem 13. Lebensjahr Drogen und trinkt reichlich Alkohol. Ununterbrochen will er bis heute Crystal konsumiert haben, bis zu zwei Gramm am Tag. Sowas geht natürlich ins Geld, kostet locker 2.000 Euro im Monat und mehr. Da reicht das "Hartz IV" nicht lange. Also bricht er ein und klaut, um an Geld zu kommen.

2014 macht er eine Therapie, die Haft wird deswegen ausgesetzt. Doch nach zwei Tagen bricht er ab, muss wieder ins Gefängnis.

Wie so oft gibt er die Taten zu. Sind auch nicht zu leugnen, er wurde ja auf frischer Tat ertappt. Allerdings wundert sich der Angeklagte, dass seine Ex-Freundin nicht angeklagt ist. Sie sei der treibende Keil in jener Nacht gewesen, habe den Rucksack mit dem Einbruchswerkzeug besorgt und habe ihn mit ihrem Motorroller zum Tatort gefahren, sagt er und nennt auch den Namen der Ex-Freundin. Ihr gelingt die Flucht zu Fuß. Motorroller und Helm lässt sie zurück. Wenn gegen sie noch nicht ermittelt wurde, dann spätestens jetzt. „Ich habe mich da reinziehen lassen und nicht nachgedacht“, sagt der Angeklagte.

Bei dem Einbruch entstand ein Sachschaden von rund 2.000 Euro. Der Diebstahlsschaden liegt zwar deutlich höher, doch ein tatsächlicher Schaden trat nicht ein. Das Diebesgut konnte komplett zurückgegeben werden.

Das Schöffengericht des Amtsgerichtes Dresden verurteilt den Meißner wegen Diebstahls mit Waffen und Sachbeschädigung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Einbezogen in das Urteil wurde eine weitere Verurteilung. Die Frage einer Bewährung stellt sich angesichts seines Vorstrafenregisters und der Tatsache, dass er unter Bewährung stand, nicht. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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Die Never-Ending-Story geht aber noch weiter. Es gibt schon wieder neue Vorwürfe gegen den Mann. Im werden weitere 15 Straftaten vorgeworfen, die Anklage wird gerade vorbereitet. So schnell kommt er wohl aus dem Gefängnis nicht raus. Und das hat nichts mit Freitag, dem 13., zu tun.

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