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Server statt Kreide

Die Stadt kann zwei Millionen Euro ausgeben, um Voraussetzungen für das digitale Lernen an ihren Schulen zu schaffen. Noch gibt es Lücken im System.

Interaktive Tafeln gehören heute zur modernen Ausstattung einer Schule. Damit sie im Interesse der Schüler genutzt werden können, bedarf es weiterer Voraussetzungen.
Interaktive Tafeln gehören heute zur modernen Ausstattung einer Schule. Damit sie im Interesse der Schüler genutzt werden können, bedarf es weiterer Voraussetzungen. © Symbolfoto: Dietmar Thomas

Meißen. Interaktive Tafeln, WLan in jedem Unterrichtsraum, gut und schnell funktionierende mobile Endgeräte für jeden Schüler – diese Schlagworte verbinden sich mit dem digitalen Lernen. Dass diese Voraussetzungen noch nicht an allen Schulen der Stadt gegeben sind, haben jetzt Elternvertreter deutlich gemacht. Während der jüngsten Stadtratssitzung hatten sie sich zu Wort gemeldet.

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„Digitaler Unterricht ist derzeit überhaupt nicht möglich“, sagte Nicole Riethausen von der Elternvertretung der Pestalozzi-Oberschule. Es mangele an Voraussetzungen wie Lautsprechern, Mikrofonen und Webcams, sagte sie. Dies gelte es ebenso schnell grundlegend zu ändern wie die Internet-Übertragungsraten für die Schule. Für die Triebischtal-Oberschule hatte Elternratssprecher Frank Kroliczek darauf hingewiesen, dass es nicht sein könne, dass die Schule erst in den nächsten zwei Jahren eine ordentliche Internet-Anbindung erhalten soll.

Kurzfristig lasse sich durch Aufrüsten des schulischen Anschlusses sicher eine Lösung für die Triebischtal-Oberschule finden, erklärt Bürgermeister Markus Renner auf Nachfrage der SZ. Nach den Osterferien werde er sich mit den Elternvertretern in Verbindung setzen. Und der Chef der EDV-Abteilung im Rathaus David Hermann sagte noch während der Stadtratssitzung Hilfe beim Beschaffen von Lautsprechern, Mikrofonen und Webcams für die Pestalozzi-Oberschule zu. Außerdem kündigte er die Auslieferung weiterer Tablets an die Schulen an.

Ein enormer Kraftakt

Gegenüber der SZ weist Markus Renner darauf hin, dass es für die Stadt ein enormer Kraftakt ist, alle vier Grundschulen, die beiden Oberschulen, die Förderschule auf dem Kalkberg sowie das Franziskaneum digital aufzurüsten. „Statt für neue Kreide wie in der Vergangenheit sorgt die Stadt nun für Server, Netzwerke, Computertechnik sowie für deren Pflege, Wartung und Sicherheit“, sagt er.

Rund zwei Millionen Euro kann Meißen ausgeben, um Voraussetzungen für das digitale Lernen zu schaffen. Dieses Geld steht für alle Schulen in städtischer Trägerschaft aus dem Digitalpakt zur Verfügung, so der Bürgermeister. Der Digitalpakt ist ein Förderprogramm des Bundes, das sich auf den Zeitraum 2020 bis 2024 erstreckt.

Im Haushalt der Stadt sind demnach 1,58 Millionen Euro an Fördermitteln vorhanden. Um dieses Geld in Anspruch nehmen zu können, hat die Stadt außerdem rund 456.000 Euro als Eigenmittel im Haushalt bereitgestellt. Für jede städtische Schule ist genau aufgeschlüsselt, über wieviel Geld aus diesem Programm verfügt werden kann. Ein Mitarbeiter der EDV-Abteilung im Rathaus kümmert sich ausschließlich um die digitale Ausstattung der Schulen.

Dass noch viel zu tun bleibt, darauf haben die beiden Elternvertreter, die während der Einwohnerfragestunde das Wort ergriffen hatten, hingewiesen. Stadträtin Heike Zimmer von der CDU/FB/FDP/U.L.M.-Großfraktion, die Schulleiterin am städtischen Gymnasiums Franziskaneum ist, schlug vor, die Digitalisierung an den Meißner Schulen auf die Tagesordnung einer der nächsten Stadtratssitzungen zu setzen. Mit beiden Elternvertretern will sie ebenfalls Kontakt aufnehmen.

Die Digitalisierung an den Schulen und das digitale Lernen umfasse weitaus mehr als nur die Frage, welche Computertechnik angeschafft wird, so Heike Zimmer. Und: „Ein leistungsstarkes WLAN sollte an allen Schulen selbstverständlich sein“, nennt sie die wohl wichtigste Voraussetzung, „damit wir in digitalen Lehr- und Lernprozessen nicht in den Frontalunterricht zurückfallen, sondern tatsächlich kooperative Lernprozesse anlegen können.“ Die Schüler können untereinander digital zusammenarbeiten, so wie in der analogen Gruppenarbeit, und sie können mit Lehrern digital zusammenarbeiten. Außerdem müssen Service und Wartung sichergestellt und schnell verfügbar sein, so Heike Zimmer.

Trotz aller Widrigkeiten und negativen Begleiterscheinungen habe der Lockdown für die Schulen einen Zuwachs an Erfahrungen beim digitalen Lernen gebracht. Jetzt lasse sich genauer und besser beurteilen, welche Online- und Video-Formate oder welche Tablets für den digitalen Unterricht geeignet sind. Zu diesen Erfahrungen gehört auch, das digitales Lernen den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann – wohl aber ergänzen.

Mehr Gewicht in der Haushaltsdebatte

Der Chef der Großfraktion Martin Bahrmann hatte vorgeschlagen, im Rathaus die EDV-Abteilung in eine Stabstelle Informationstechnik (IT) und Infrastruktur umzuwandeln und personell besser auszustatten, um künftig schneller reagieren zu können – sei es bei der Anschaffung neuer Technik oder bei Wartung und Support der Computer- und Servertechnik an den Schulen der Stadt. Im Zuge der von der Großfraktion angeregten Organisationsuntersuchung der Strukturen im Rathaus sollte dies mit betrachtet werden, sagt Heike Zimmer – in enger Abstimmung mit den Schulen der Stadt.

Die von den Elternvertretern angesprochenen Mängel zeigen aber auch: Das digitale Lernen sowie das Schaffen der Voraussetzungen dafür müssen mehr Gewicht in der Haushaltsdebatte erhalten, fordert Stadträtin Zimmer. Nicht als lästiges Übel, sondern mit dem Ziel klug und weitsichtig in die Zukunft zu investieren. Voraussetzung dafür sind natürlich ausreichend Einnahmen der Stadt.

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