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Meißen: Kundgebung für abgeschobene Familie

Die Abschiebung der georgischen Familie aus Meißen sorgt unter Politikern, Musikern, Vereinen und der Zivilbevölkerung für Protest.

Etwa 70 Teilnehmer haben sich am Mittwochnachmittag auf dem Heinrichsplatz versammelt.
Etwa 70 Teilnehmer haben sich am Mittwochnachmittag auf dem Heinrichsplatz versammelt. © privat

Meißen. Es ist die erste öffentliche Veranstaltung des Bündnisses Buntes Meißen nach der Corona-Pause. Anlass ist die siebenköpfige georgische Familie aus Meißen, die am 26. Mai abgeschoben wurde. Ein Datum, das bei Bernd Oehler, Vorsitzender des Bündnisses für Zivilcourage, Erinnerungen weckt. "Am 26. Mai 1992 hat sich unser Freistaat eine eigene Verfassung gegeben, in der ist zu lesen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt."

In den Gesichtern der etwa 70 Teilnehmer, die sich am Mittwoch auf dem Heinrichsplatz versammelt haben, hat sich eine bedrückte Mine eingebrannt, die sich auch durch die hoffnungsvollen Posaunenklänge von Michael Winkler kaum auflockern lässt. Dafür bewegen sie einige Passanten zum Stehenbleiben, vor allem als Liedermacher Gerhard Schöne ein argentinisches Lied über eine andere siebenköpfige Familie singt.

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Michael Winkler ist eingeladen worden, um die Herzen mit seiner Musik "weit zu machen".
Michael Winkler ist eingeladen worden, um die Herzen mit seiner Musik "weit zu machen". © SZ

Im Mittelpunkt stehen jedoch die Wortbeiträge: Serpina Bittner vom Meißner Verein "Ein Haus für Vieles" kennt die fünf Kinder der Familie - aufgrund von Freizeitcamps und anderen Aktivitäten - unter allen Rednern sicherlich am besten. Bei einer Entfernung von über 3.000 Kilometern gehe ihr dieser Draht langsam verloren: Die gesamte Kommunikation laufe nur noch über die älteste Tochter Aishat. "Die elfjährige Tochter ist gar nicht mehr in der Lage, mit uns zu telefonieren", sagt Bittner, die sich sicher ist, die Kinder seien durch die Abschiebung traumatisiert worden. Aber auch Lehrer und Mitschüler habe das überraschende Fortbleiben der Schüler entsetzt zurückgelassen, sagt Bittner. "Müssen wir jetzt Angst haben, dass das Gleiche auch noch mit anderen Kindern aus Meißen passiert?"

Der Meißner SPD-Landtagsabgeordnete Frank Richter ergänzt die allgemeine Fassungslosigkeit der Redner um eine vage politische Forderung: "So etwas darf nie wieder vorkommen." Auch Landtagsabgeordnete Anna Gorskih (Die Linke) ist am Mittwoch vor Ort und fordert den Rücktritt von Innenminister Roland Wöller (CDU). Dafür erntet sie besonders kräftigen Beifall.

Zum Abschluss der Kundgebung - bevor die Teilnehmer Kerzen mit nach Hause nehmen dürfen, um sie für Familie Pareulidze-Gardasvili anzuzünden - sprechen zwei Geflüchtete über ihre Ängste, selbst bald in einem Flieger zurück nach Pakistan zu sitzen. Faisal Jahangir und Khurram Gill, beide leben in Meißen und seien gut integriert. Für Richter sei es zum jetzigen Zeitpunkt besonders wichtig, das sichtbar zu machen. Richter: "Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir hier zusammenkommen." (SZ/mgr)

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