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Sollten Männer Bärte tragen?

Ein haariges Thema – der Bart. Ist es Zierde oder eher ein Symbol, will Mann vielleicht einfach älter oder würdiger und mächtiger wirken? Status oder Erkennungszeichen?

© Foto: C. Weikert

In früheren Zeiten sah man den Bart des Mannes als Zeichen der Kraft und der Zierde der Männlichkeit an. In vielen Fällen war der Gesichtsschmuck ein Erkennungszeichen von Macht oder Merkmal der Gesinnung. Im alten Ägypten war er sogar, in geflochtener Form getragen, das Symbol der Königswürde. Bei einigen Völkern galt früher, dass Abschneiden des Bartes gleichermaßen als Aberkennung von Ehre und Freiheit.

Der erste Bart

Der erste Bart, den Mann trägt ist der Milchbart. Erst von kleinen sichtbaren Milchrändern an der Oberlippe gezeichnet, kommt dann später der erste zarte Flaum und im Alter zwischen 14 und 18 Jahren fängt dann zart der erste Bart an zu sprießen.

Die Form des Bartes ist entscheidend

Es gibt verschiedene Arten, Bärte zu tragen. Man spricht dabei von Bartformen oder Barttrachten. Die getragenen Formen unterscheiden sich nach Kulturkreisen, Moden und Epochen.

So kann man einen Backenbart, einen Vollbart oder einen Dreitagebart, einen „Rund-um-den-Mund-Bart“, einen Kinnbart, einen Knebelbart oder Koteletten tragen. Nicht zu vergessen den Schnurrbart, bei dem die Haarpracht ausschließlich die Oberlippe ziert und umgangssprachlich auch mal als „Pornobalken“ etwas abwertend bezeichnet wird.

Es konnte auch teuer werden – die Bartsteuer

In früheren Zeiten konnte man als Herrscher mit dem Gesichtsgewächs noch Geld verdienen. Der russische Zar Peter I. erhob 1698 die sogenannte Bartsteuer, nachdem er von einer Reise im westlichen Europa heimkehrte und er zu der Ansicht kam, dass wallende Vollbärte eher unmodern und er mit dem Abschneiden der haarigen Gesichtspracht eine neue Epoche einläuten wollte.

Jeder seiner Untertanen, welcher seinen würdigen Bart behalten wollte, musste zahlen und erhielt im Gegenzug ein rundes Kupferstück, das so genannte Bartzeichen oder auch Bartkopeke genannt. Das Kupferstück musste nun ständig bei sich getragen werden, um nicht bei einer Kontrolle – ohne Bartmarke – sich einer Zwangsrasur auf offener Straße zu unterziehen. China und Frankreich zogen nach - wer würdig mit Bart in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten wollte, musste zahlen.

Im 19. und 20. Jahrhundert unterlag die Barttracht meist einer Mode oder war auch einem Herrscher unterworfen. Setzte der Sonnenkönig Ludwig XIV. auf ein glattes Gesicht, popularisierte der englische König, Heinrich der IV., den Vollbart als Zeichen seiner Macht und Würde. In revolutionären Zeiten war der Bart auch ein Zeichen von Gesinnung oder Volksnähe, um sich den einfachen Menschen als Herrscher wieder näher zu bringen. Viele Männer sympathisierten damit und trugen den „Kaiser-Wilhelm-Bart“.

In anderen europäischen Ländern gab es strikte Grenzen, wer einen Bart tragen durfte oder nicht. Offizieren war es erlaubt, Zivilpersonen nicht. Im Fortschritt der Zeit verlor die Barttracht ihre politische Bedeutung und jeder ließ sich einen Bart wachsen.

Der Bart ist ab – Der moderne westliche Mann rasierte sich

1901 – der erste Rasierhobel wird erfunden. Der täglichen Rasur steht nichts mehr im Wege. Der Bart geht seinen Weg. Ob lang, ob kurz, gezwirbelt oder einfach ein glattes Gesicht, er unterliegt keinen Vorschriften oder gesetzlichen Bestimmungen mehr.

Mit dem Aufkommen der gegenwärtigen Kultur wurde der Bart wieder ein modisches Zeichen und setzte Zeichen wie Individualität oder auch Andersdenkertum. Wer erinnert sich nicht an die Generation der 80-er Jahre? Vo-Ku-Hi-La (Vorne Kurz Hinten Lang) und den dazugehörigen Oberlippenbart. In den nächsten Jahren wurde es der Drei-Tage-Bart für die Hipster und in den kommenden Jahren einfach nur ein Modeaccessoire. Eigentlich schade, wenn man sich die Geschichte nun betrachtet.

Aber lassen wir eine Kultur nicht außer Acht: Die Wikinger

Wir denken an muskulöse Körper, starke Krieger und natürlich an die würdigen Bärte. Der Bart galt als männliches Statussymbol und Zeichen des errungenen Wohlstandes. Prominente bärtige Wikinger sind Halvar, der Wikingerhäuptling (Vater von Wickie) und natürlich die Darsteller aus der Serie „Vikings“.

Obwohl die Wikinger als eher barbarisch galten, waren sie geradezu eitel, was die Pflege ihres Bartes betraf. So benutzten sie z. B. verschiedene Öle und spezielle Kämme, um ihre Pracht zu pflegen. So ließ sich der Bart im Kampf einfacher flechten und wirbelte nicht während der Schlacht im Gesicht herum. Ähnlich verhielt es sich auch mit dem Kopfhaar – außerhalb des kriegerischen Geschehens wurden allerdings Bärte und Haare gern offen getragen.

„Bei meinem Barte“ - Kreiere deinen Style

Egal ob MANN nun Wikinger sein will, ein 80-er Jahre Symbol oder einfach nur ein Hipster oder Hippie - der Bart bedarf Pflege und viel Liebe. Der Kreativität sind einfach keine Grenzen mehr gesetzt. Hauptsache glänzend, sauber und gut getrimmt.

Was sagt der „BÄR TIGER MANN“?

„Zuerst war es ein Faulheits-3-Tage-Bart, um mich montags nicht mehr frisch rasieren zu müssen.“, lächelt er. „Neugierig, was passiert und wie es mein Aussehen verändert, ließ ich ihn wachsen. Ich probierte unterschiedliche Stile aus, um meine Bartform zu finden, die nicht nur zur Gesichtsform, sondern auch zu meiner Persönlichkeit passt. Irgendwann fand ich ihn, meinen Style, der meinen Charakter widerspiegelt. Den Wikingerbart. Ich fühle mich pudelwohl und pflege ihn intensiv. Auch meine Freundin findet ihn toll, nur anfassen ist verboten“, lacht er.

Nicht alle Helden tragen Cape und Maske. Mann trägt Bart.

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