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„Solo-Selbstständige werden fehlen“

Ein Nossener betreibt einen Veranstaltungsservice. Die Folgen für die Branche sind unabsehbar.

Wann DJ Sebastian Thäter auf der Freilichtbühne Steinbusch in Nossen wieder auflegen kann, ist noch völlig unklar.
Wann DJ Sebastian Thäter auf der Freilichtbühne Steinbusch in Nossen wieder auflegen kann, ist noch völlig unklar. © Claudia Hübschmann

Nossen. Freilichtbühne Steinbusch. Leere Bänke – soweit das Auge reicht. Und das schon seit Anfang des Jahres. „Im Januar war hier die letzte Veranstaltung“, sagt Sebastian Thäter mit Bedauern. Der Inhaber eines Veranstaltungsservice in Nossen ist froh, dass er diesen Job nur nebenberuflich betreibt. Trotzdem: Das Geld war jedes Jahr für die vierköpfige Familie eingeplant. „Vieles ist darauf aufgebaut, wie zum Beispiel die Finanzierung von Urlaub oder Auto. Es war eine gute zusätzliche Stütze.“ Viele seiner Kollegen sind allerdings hauptberuflich tätig. „Ich kenne viele, die hatten ein Super-Einkommen, jetzt haben die gar nichts und bekommen auch keine staatlichen Förderungen.“

Sebastian Thäter hatte Aufträge bis zum Lockdown. Sein Angebot ist vielfältig. Er ist als Diskjockey (DJ) auf Familienfeiern unterwegs, so begann er 2007, organisiert aber schon längst auch selbst Veranstaltungen. So hat er beispielsweise vor drei Jahren mit verschiedenen anderen Partnern wieder das Badfest in Nossen ins Leben gerufen, mit einer Disco-Abendveranstaltung auf der Freilichtbühne. Alles rund um das Feiern bietet er an, aber nichts davon wird in Corona-Zeiten benötigt. Lediglich einige Aufträge von Straßen-Plakatierung hatte Thäter. Doch bei weitem nicht so viele, wie normalerweise.

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So ist der 34-Jährige heute froh, dass der Veranstaltungsservice nur ein Nebengewerbe ist. Im Herbst vorigen Jahres hatte er darüber nachgedacht, diese Dienstleistung hauptberuflich zu betreiben. Schließlich entschied er sich für den „sicheren Job“ im Familienbetrieb. So ist er im Laden seines Vaters am Markt in Nossen angestellt. Und da in diesem ein DHL-Paketservice integriert ist und zudem Zeitungen verkauft werden, durfte das Geschäft auch während des Lockdowns geöffnet sein.

Seine erste Veranstaltung fand erst wieder Anfang September statt. Das Problem, so erzählt er, „keiner wollte im großen Rahmen feiern. Die Beschränkungen haben den Leuten die Feierlust genommen. Das DJ-Angebot ging nicht.“ Ein Auftrag im November wurde jetzt auch schon wieder abgesagt. Und ob der im Dezember kommt, davon geht er nicht wirklich aus. Kein Wunder. Die steigenden Infektionszahlen sorgen für immer mehr Einschränkungen, vor allem auch bezüglich der erlaubten Gästeanzahl. „Viele haben auf 2021 verschoben. Aber einem DJ bringt das nichts.“ Denn im nächsten Jahr hätte er neue, andere Aufträge gehabt.

"Uns fehlen die Fördermittel"

„Ich mache mir große Sorgen, weil keiner weiß, wie es weitergeht.“ Solo-Selbstständige, so berichtet Thäter, suchen sich jetzt andere Jobs. Gerade im Bühnen-Technikbereich gebe es viele, gut ausgebildete Leute, die „jetzt abwandern. Die kommen nicht mehr zurück und fehlen dann.“ Das wird sich auch auf den Preis auswirken. Noch zeige sich das Problem noch nicht, aber es sei schon jetzt ein großes Thema in der Branche. Sebastian Thäter prangert dabei nicht die coronabedingten Maßnahmen an. „Es ist richtig, es muss was gemacht werden. Aber uns fehlen die Fördermittel“, betont er.

Veranstaltungen in Nossen mussten reihenweise abgesagt werden – auch die im Freien. „Ich hätte gern etwas gemacht.“ Aber das Risiko einer Absage, nachdem alles organisiert ist, war zu groß. Innerhalb kürzester Zeit konnten neue Bestimmungen die ganze Planung über den Haufen werfen. „Man hat ja auch Vorkosten.“

 Und wenn nur wenige Hundert statt 1.000 Gäste kommen dürfen, lohne sich der Aufwand nicht. Neben natürlich einem Hygienekonzept müssten unter anderem um die Freilichtbühne meterlang Zäune gestellt werden, um die Zugänge zu kontrollieren. Hinzu kommen Kosten für GEMA, Security, Versicherung. „Das rechnet sich nicht.“ Bei großen Agenturen sehe das noch anders aus. Deshalb konnte beispielsweise der Mittelaltermarkt im Kloster Altzella stattfinden.

Dennoch. Ganz aufgegeben hat Sebastian Thäter eine Open-Air-Veranstaltung in Corona-Zeiten noch nicht. „Vielleicht gibt es ja eine kleine im Januar. Aber es wird ganz schwierig.“ Das wäre dann die erste nach einem Jahr Ruhe auf der Freilichtbühne Steinbusch.

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