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Sonne im Herzen und auf dem Papier

Ein Lommatzscher Rentner schreibt Briefe und zeichnet für Menschen, die es nicht leicht haben. Manch einen rührt das zu Tränen.

Ein Rentner aus Lommatzsch schreibt Briefe und malt Zeichnungen zur Aufmuntertung in schweren Zeiten.
Ein Rentner aus Lommatzsch schreibt Briefe und malt Zeichnungen zur Aufmuntertung in schweren Zeiten. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Post erhält die Gemeinschaftspraxis am Markt jeden Tag eine ganze Menge. Doch dieser dicke Brief überraschte das Team schon sehr. Nicht nur die schöne Zeichnung, auch der Inhalt geht zu Herzen: "Mein liebes Team der Gemeinschaftspraxis, ich möchte mir erlauben, Euch ein paar wärmende Sonnenstraßen in Eure Herzen sowie Praxisräume zu schicken und Euren Arbeitstag mit diesem Brief ein wenig zu erheitern. Wann bekommt man in dieser verrückten Zeit schon mal einen handgeschriebenen Brief? Alles geht heute per Computer, Handy-SMS oder E-Mail. Auch Worte, die man ausspricht, sind schnell vergessen, aber etwas Geschriebenes, das bleibt im Gedächtnis haften", heißt es da.

Der vierseitige Brief endet ohne Name, lediglich mit einen "Tschüß". Und dennoch: Die Mitarbeiterinnen wissen sofort, wer der Absender ist. "Sie haben mich angerufen und bedankt", sagt der Lommatzscher. Solche Momente erfüllen ihn mit Glück. "Ich möchte anderen Leuten, die es derzeit nicht leicht haben, Mut und eine Freude machen", sagt der Lommatzscher. Dennoch: Im Mittelpunkt möchte er nicht stehen, seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Denn er schreibt weiter Briefe, 37 sind es bis jetzt schon geworden. "Die Leute sollen doch raten, wer ich bin", sagt er und lacht. Und eines verrät er: In wenigen Tagen wird er 80 Jahre alt.

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"Die Sonne ist mein Markenzeichen", sagt der Lommatzscher. Deshalb ist sie auch auf jedem Brief zu finden.
"Die Sonne ist mein Markenzeichen", sagt der Lommatzscher. Deshalb ist sie auch auf jedem Brief zu finden. © privat
Die Natur fängt an zu blühen und llässt uns hoffen, dass die Coronazeit bald vorbei ist, schreibt er zu diesem Bild in einem Brief an die Gemeinschaftspraxis.
Die Natur fängt an zu blühen und llässt uns hoffen, dass die Coronazeit bald vorbei ist, schreibt er zu diesem Bild in einem Brief an die Gemeinschaftspraxis. © privat
Ein stolzer Hahn ziert den Brief an das Notaufnahmeteam, den der Lommatzscher kurz vor Ostern schrieb.
Ein stolzer Hahn ziert den Brief an das Notaufnahmeteam, den der Lommatzscher kurz vor Ostern schrieb. © privat

Damit sie nicht vergessen werden

Mit Corona und den damit verbundenen Einschränkungen hatte das Briefeschreiben anfangs nichts zu tun. Durch einen Zufall erfuhr der Lommatzscher beim Einkaufen vom Schicksal eines Bekannten. Den hatte er schon lange nicht mehr gesehen. Wie er nun erfuhr, musste diesem ein Bein amputiert werden, saß allein zu Hause, hat keine Angehörigen. Das wurde sein erster Brief. Auch dieser Mann wusste sofort, wer der Absender war. "Als er anrief , hat er vor Rührung geweint, weil jemand an ihn gedacht hatte", sagt der Lommatzscher. Er hat die Sonne im Herzen und bringt sie aufs Papier. Jeder Brief beginnt mit einer Zeichnung der Sonne. "Die Sonne ist mein Markenzeichen", sagt er.

Geschrieben hat er auch an die Bewohner eines Altenpflegeheimes. "Diese Leute tun mir so leid. Sie haben keine Angehörigen, sind oft ganz allein, bekommen keinen Besuch, liegen den ganzen Tag im Bett, niemand kümmert sich um sie. Ich schreibe die Briefe, damit sie merken, dass sie nicht vergessen werden", sagt er.

Er scheibe allen etwas anders und schreibe so, dass sie schmunzeln müssten. "Schaut mal, was für eine schöne Sonne ich Euch gezeichnet habe, doch leider muss die Sonne auch einen Mundschutz tragen wegen des Coronavirus. Sie schickt Euch aber ein paar goldgelbe Sonnenstrahlen, da wird es Euch gleich ganz warm ums Herz", schrieb er den Heimbewohnern. Und falls es mal regnet, hat er gleich einen Regenschirm mitgezeichnet. "Es wird niemand im Regen stehengelassen", heißt es in dem Schreiben. Der Brief wurde im Heim ausgestellt. Darauf ist er stolz.

Er möchte Mut machen

Er schreibt aber auch Menschen, die von der Coronakrise sehr betroffen sind. "Ich kenne viele, die bekommen kein Geld, und wenn doch, dann viel zu spät und viel zu wenig", sagt er. Denen möchte er ein bisschen Mut machen, er, der auf der Sonnenseite des Lebens stand. Er will weiter Briefe schreiben und zeichnen, Ideen hat er genug. Dabei ist das Schreiben eigentlich gar nicht so sein Ding. "Briefe und Urlaubskarten schreibt immer meine Frau", sagt er.

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