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Staatsanwaltschaft klagt Immobilienbetrüger an

Der Mann aus Norddeutschland soll in Meißen in großem Stil betrogen haben. Er ist mehrfach und auch einschlägig vorbestraft.

Der mutmaßliche Betrüger hat sich bei einem versuchten Villenkauf in Meißen als Jurist sowie Professor und Doktor ausgegeben.
Der mutmaßliche Betrüger hat sich bei einem versuchten Villenkauf in Meißen als Jurist sowie Professor und Doktor ausgegeben. © privat

Meißen/Dresden. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat gegen einen 61-jährigen Deutschen Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Dresden erhoben. Dem Beschuldigten liegt unter anderem gewerbsmäßiger Betrug in vier Fällen und versuchter Betrug zur Last. Dies hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitgeteilt.

Der Beschuldigte soll vorgehabt haben, in Meißen ein mit einer Wohnimmobile bebautes Grundstück zu erwerben und durch verschiedene Handwerksbetriebe nach seinen Vorstellungen umbauen und einrichten zu lassen. Dabei sei dem Beschuldigten bewusst gewesen, dass er weder in der Lage war, den Kaufpreis für eine Wohnimmobilie noch das Entgelt für die zu beauftragenden Handwerkerleistungen zu entrichten. „Vielmehr ging es ihm darum, die Wohnimmobile und die weiteren Leistungen unentgeltlich entgegenzunehmen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, heißt es in der Pressemitteilung.

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Anfang August 2020 meldete sich der Beschuldigte als Interessent auf ein Inserat in einem Internetportal, in dem von einem Dresdner Maklerbüro ein mit einer Villa bebautes Grundstück in der Wilsdruffer Straße in Meißen zum Verkauf angeboten wurde. Nach Abschluss des notariell beurkundeten Kaufvertrags zahlte er nicht den Maklerlohn von rund 48.000,00 Euro an das Maklerbüro.

Auch Handwerker nicht bezahlt

Nach der erfolgten Vermittlung durch das Maklerbüro schloss die damalige Lebensgefährtin des Beschuldigten sowohl im eigenen Namen als auch im Namen des Beschuldigten am 6. August 2020 vor einem Notar in Großenhain mit dem Eigentümer des Grundstücks einen notariell beurkundeten Kaufvertrag über das mit einer Villa bebaute Grundstück zum Preis von 830.000 Euro. Dabei wusste der Beschuldigte, dass er die Forderung auch nicht teilweise erfüllen können würde, so die Strafverfolgungsbehörde. Mit Abschluss des Kaufvertrags wurden die Schlüssel für das Grundstück und die sich darauf befindliche Villa an die damalige Lebensgefährtin des Beschuldigten übergeben, so dass diese und der Beschuldigte das Objekt fortan nutzen konnten.

Darüber hinaus soll der Beschuldigte Elektrikerleistungen im Wert von rund 8.700 Euro und Malerarbeiten im Wert von 14.000 Euro für die Sanierung des Kaufobjekts beauftragt haben, die er ebenfalls nicht bezahlte. Der Mann aus Norddeutschland, der schon mit seiner Größe von 2,12 Meter auffiel, erzählte dem Meißner Unternehmer, der das Grundstück verkaufen wollte, er habe für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Auflösen des Streits um die geplante Ostsee-Gasleitung Nordstream 2 geholfen. Bei den Verhandlungen zum Zwei-plus-vier-Vertrag sei der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) seinem Rat gefolgt.

Recherchen des Unternehmers ergaben, dass der Norddeutsche unter anderem 2015 vom Amtsgericht Greifswald zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war. In neun Fällen habe er vorsätzlich betrogen. Als angeblicher Jurist, Doktor und Professor logierte er in noblen Hotels, blieb die Zeche jedoch schuldig.

Weiterhin wird dem Beschuldigten im jetzigen Verfahren vorgeworfen, am 4. Dezember 2020 mit einer Autohändlerin in Hannover einen Kaufvertrag über einen Pkw zum Preis von 100.000 Euro geschlossen zu haben, obwohl er das Geld gar nicht hatte. Zur Übergabe des Pkw kam es nicht, weil der Beschuldigte bereits in Untersuchungshaft wegen der Meißner Tatvorwürfe war.

Der Beschuldigte schweigt

Der Beschuldigte ist vielfach und auch einschlägig vorbestraft und stand zur Tatzeit unter Führungsaufsicht. Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft und hat sich zu den Tatvorwürfen bisher nicht geäußert.

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Das gegen die damalige Lebensgefährtin des Beschuldigten geführte Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, da dieser eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte, so die Staatsanwaltschaft.

Das Landgericht Dresden wird nunmehr über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage entscheiden. Ein Termin zur Hauptverhandlung wird vom Landgericht noch bestimmt. (SZ/pa, jm)

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