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Start in ein neues Leben

Vier Frauen wagen einen neuen Schritt. Sie haben einen Laden in der Meißner Altstadt fest angemietet.

Von nun an immer in Meißen: Die Kunsthandwerkerinnen Bettina Schieser, Susann Starke, Madlen Breitsprecher, Elke Bettin (v.l.) haben einen Laden eröffnet.
Von nun an immer in Meißen: Die Kunsthandwerkerinnen Bettina Schieser, Susann Starke, Madlen Breitsprecher, Elke Bettin (v.l.) haben einen Laden eröffnet. © Uta Büttner

Meißen. Jetzt oder nie. So das Motto von vier Kunsthandwerkerinnen. Elke Bettin, Madlen Breitsprecher, Bettina Schieser und Susann Starke haben sich zusammengeschlossen und am Freitag ihren eigenen Laden in der Meißner Altstadt eröffnet. Diesmal nicht nur für eine kurze Zeit – diesmal für immer. „Seit sechs Jahren haben wir immer für kurze Zeit in der Weihnachtszeit einen Geschäftsraum angemietet“, sagt Susann Starke. Längere Zeit, das haben sich die Kunsthandwerkerinnen nie getraut, denn die Miete und Nebenkosten müssen bezahlt werden – dazu muss der Umsatz stimmen.

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„Bei den Menschen hat ein Umdenken stattgefunden, unsere Arbeiten sind gefragt“, erklärt die gelernte Porzellanmalerin aus Nossen. Zudem mussten die Vier einen Weg finden, um ihre Arbeiten verkaufen zu können. „Viele attraktive Märkte sind weggefallen.“ Jetzt gebe es zwar wieder einige, „aber mittlerweile sind die Standgebühren sehr hoch geworden.“ Und dann ist der Umsatz auch noch vom Wetter abhängig.

Susann Starke: „Wir hatten unsere Krisen und Zweifel.“

In der Burgstraße, Ecke Baderberg haben die Vier nun ihr festes Domizil gefunden. „Der Vermieter ist uns auch sehr entgegengekommen“, sagt Susann Starke und Elke Bettin ergänzt, „der Laden wurde extra für uns saniert. Wir haben das Gefühl, in Meißen sehr willkommen zu sein.“ Die Brandenburgerin habe zwar über das Internet einige Stücke ihrer handgemachten Mode verkaufen können, aber das ersetze den direkten Kundenkontakt nicht, sagt sie.

Die vier Frauen strotzen vor Optimismus. Das war nicht immer so. Die Pandemie hat den vier Frauen wie vielen anderen auch zugesetzt. „Wir hatten unsere Krisen und Zweifel. Trotzdem haben wir wie verrückt produziert, denn ursprünglich wollten wir im März den Laden eröffnen“, erzählt Susann Starke. Sie war froh, dass sie kurz vor der Pandemie einen Job als Schulbegleiterin für ein Kind mit Handicap am Nossener Gymnasium angenommen hatte. „So hatte ich zusätzlich Einkünfte. Ansonsten hätte ich meinen Mann fragen müssen. Aber das will ich nicht“, betont die Künstlerin, die sich zudem am Nachmittag im Homeschooling um ihren zehnjährigen Sohn kümmerte. Vormittags war sie bei dem von ihr betreuten Kind zu Hause, um beim Lernen über die Schulplattform Lernsax zu helfen. „Abends bin ich nur noch komatös aufs Bett oder Sofa gefallen.“ Die Nossener Künstlerin ist froh, dass diese Zeit nun vorbei ist. „Zuletzt war das kein Familienleben mehr, das Kind genervt und ich habe nur noch funktioniert, als Frau und Mutter.“ Sie sehnte sich nach Veränderung, „ich brauchte auch wieder eine Bestätigung.“

Bettina Schieser: „Meine Stammkunden haben mich über die schwere Zeit gebracht.“

Staatliche finanzielle Hilfen bekamen die Vier, wenn auch nicht alle sofort und nicht komplett, weil die eine oder andere Bedingung nicht erfüllt war. Doch auch dank dieser Gelder ist ihr Traum nun Wirklichkeit geworden. „Wir haben die Hilfen zusammengekratzt und den Laden aufgemacht“, sagt Madlen Breitsprecher, die ebenfalls nebenbei zu Hause ihren achtjährigen Sohn im Homeschooling betreute. Eigentlich wollte sie 2020 mit ihrer Selbstständigkeit „durchstarten“. Geplant war auf Märkten ihre kreativen Arbeiten aus Naturmaterialien und alten Dingen mindestens zweimal pro Monat zu verkaufen. „Nur ein einziger im ganzen Jahr fand statt“, erzählt die Wahl-Niederlommatzscherin. Und Bettina Schieser sagt voller Dankbarkeit, „meine Stammkunden haben mich über die schwere Zeit gebracht, emotional und finanziell.“ Nebenbei gibt die Zeithainerin in einer Schule im Rahmen der sogenannten Ganztagsangebote einmal in der Woche einen Filzkurs für Schüler.

So unterschiedlich die vier Frauen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Kreationen aus Porzellan, Filz und weiteren Naturmaterialien. Doch eines haben alle gemeinsam: Kreativität und Einzigartigkeit. Geöffnet ist das neue Geschäft mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr. Montag und Dienstag bleibt es geschlossen, die Kunsthandwerkerinnen müssen schließlich ihre Produkte selbst produzieren. „Gerne vereinbaren wir aber auch einen individuellen Termin“, sagen sie.

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