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Streit ums Vorderhaus

Ein über 100 Jahre altes Gebäude an der Hafenstraße in Meißen soll saniert werden. Stadträte fordern ein Konzept zur künftigen Nutzung.

Das Vorderhaus an der Hafenstraße 28 ist in einem baulich schlechten Zustand.
Das Vorderhaus an der Hafenstraße 28 ist in einem baulich schlechten Zustand. © Claudia Hübschmann

Meißen. Können wir uns das leisten? Diese Frage hat Stadtrat Heiko Schulze (Bürger für Meißen/SPD) mehrfach gestellt. Angesichts von Spar-Appellen und aufgeschobener Bauvorhaben bei Straßen und Schulen meldete er Zweifel an dem Vorhaben an, das Vorderhaus an der Hafenstraße 28 zu sanieren.

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Das Gebäude, das auf städtischem Grund steht, den der Verein Hafenstraße e.V. nutzt, bedarf einer umfassenden Sanierung in seinem Inneren. Die Pläne, die Birgit Scholz vom städtischen Bauamt im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte, waren bereits vor zweieinhalb Jahren in Auftrag gegeben worden.

Die Stadt forciert das Vorhaben, weil gute Aussichten auf eine Förderung bestehen. Von den 660.000 Euro, die für die komplette Innensanierung und Reparaturen an der Fassade benötigt werden, können zwei Drittel über das Programm zum Stadtumbau gefördert werden. Damit besteht die Aussicht auf einen Zuschuss in Höhe von 440.000 Euro, sodass der städtische Eigenanteil noch 220.000 Euro beträgt.

Der vom Meißner Architekten Jürgen Voigt erarbeitete Entwurf sieht vor, im Erdgeschoss Sanitäranlagen, einschließlich eines behindertengerechten WCs, einzubauen. Alle anderen Räume sollen so hergerichtet werden, dass verschiedene Nutzungen möglich sind. Die Fußböden müssen erneuert und das Haus an die Heizungsanlage des Hauptgebäudes angeschlossen werden. Das Dachgeschoss und die Tonnengewölbe im Keller sollen nicht „angefasst“ werden.

Die Fenster und Außentüren sollen erneuert sowie die fehlenden Sandsteingewände ersetzt werden. Der Zugang wird barrierefrei gestaltet. Außerdem ist der Anbau einer Fluchttreppe vorgesehen, damit das Haus den Anforderungen des Brandschutzes genügt.

Die vom Meißner Architekten Jürgen Voigt erarbeiteten Entwürfe sehen den Anbau einer Fluchttreppe an das Gebäude vor.
Die vom Meißner Architekten Jürgen Voigt erarbeiteten Entwürfe sehen den Anbau einer Fluchttreppe an das Gebäude vor. © Sachverständigen- und Planungsbüro Voigt

Unklar blieb in der Debatte, wie die Räume genau genutzt werden könnten. Bandproben seien hier ebenso möglich wie die Arbeit an verschiedenen Projekten. Wie Heiko Schulze mahnte auch Andreas Graff (Linke) ein Nutzungskonzept für das Vorderhaus an.

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) erinnerte in der Debatte daran, dass der Stadtrat 2012 ein Förderkonzept für den Stadtteil Niederfähre beschlossen hatte. Das vor über 100 Jahren errichtete Gebäude zu erhalten, gehöre zu den Bauvorhaben, die in dieses Konzept aufgenommen und zur Förderung angemeldet wurden. Aufgrund dieser Beschlusslage sind die vorliegenden Planungen auch bei den Förderbehörden abgerechnet worden.

Außerdem seien die notwendigen Eigenmittel in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt eingestellt worden, so der OB. Die Förderperiode endet 2027 – bis dahin sei Zeit, um das Vorhaben umzusetzen. Die vom Bauamt präsentierten Entwürfe seien die Grundlage für den Antrag, mit dem die Stadt sich um den Zuschuss aus dem Förderprogramm bewirbt.

Mit dem Hinweis auf fehlende Räume im Haupthaus des Vereins Hafenstraße e.V. machte sich Dorothee Finzel für das Projekt stark. Als sachkundige Bürgerin wirkt sie in der Großfraktion mit, zu der sich die Stadträte von CDU, Freie Bürger, FDP und U.L.M. zusammengeschlossen haben. „Wenn wir jetzt die Fördermöglichkeiten nicht nutzen, diskutieren wir irgendwann über die Gesamtsumme“, die dann komplett aus dem städtischen Haushalt zu stemmen sei, so Dorothee Finzel.

Uwe Köhler von der Großfraktion mahnte an, das Haus behindertengerecht zu sanieren und das bei den weiteren Planungen im Blick zu behalten. Auf seine Frage, wie die Parksituation rund um das Vereinsgelände verbessert werden könne, antwortete Birgit Scholz, dass dies noch zu prüfen sei.

Letztlich kamen die Stadträte im Ausschuss immer wieder darauf zu sprechen, wie und durch wen das Haus nach der Sanierung genutzt werden kann. Damit wird sich nun das Familienamt befassen. Wenn es ein „trägerunabhängiges Nutzungskonzept“ vorlegt, werde das Thema erneut aufgerufen, sagte OB Raschke. Damit vertagte er eine Entscheidung über den vorliegenden Beschlussentwurf. Das eröffnet zugleich die Möglichkeit, zu prüfen, wie das Obergeschoss des Vorderhauses behindertengerecht erschlossen werden kann.

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