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SZ-Gesundheitsforum: Helfen Darmbakterien im Kampf gegen Krebs?

Der Einfluss der Darmbakterienvielfalt auf den Erfolg der immunologischen Krebstherapie ist Thema des nächsten Gesundheitsforums.

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Professor Dr. Jörg Schubert ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin am Elblandklinikum Riesa.
Professor Dr. Jörg Schubert ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin am Elblandklinikum Riesa. © Foto: Elblandklinik

Das Mikrobiom – die Vielfalt aller Mikroben, die den Menschen auf der Haut, im gesamten Verdauungstrakt und in den Atemwegen besiedeln – ist in den letzten Jahren in den Fokus gerückt. Vor allem die Zusammensetzung der Bakterienarten im Darm hat offensichtlich einen wesentlichen Einfluss auf unser körpereigenes Immunsystem. Neue immunologische Therapieansätze werden bereits bei vielen Patienten eingesetzt, um den Erfolg von Krebstherapien und die Lebensqualität Betroffener zu erhöhen. Spätestens mit der Verleihung des Nobelpreises 2018 hat diese neu entwickelte Therapieform beim Kampf gegen den Krebs große Hoffnungen geweckt.

Professor Dr. Jörg Schubert ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin am Elblandklinikum Riesa. Beim SZ-Gesundheitsforum am 3. Mai 2023 können Betroffene, Angehörige und Interessierte von ihm Informationen über die Möglichkeiten der immunologischen Krebstherapie erhalten und ihre Fragen stellen.

Herr Professor Dr. Schubert, was bewirkt eine immunologische Krebstherapie im Vergleich zum klassischen Ansatz?

In der Onkologie ist es schon länger bekannt, dass unser Immunsystem sich mit Tumorzellen auseinandersetzt und dabei auch das Potenzial entwickelt, diese Tumorzellen zu beseitigen. Nun gibt es Signale aufseiten der Tumorzellen an die Effektorzellen des Immunsystems, die diese in ihrer spezialisierten Ausrichtung ausschalten können. Im Ergebnis läuft das auf einen Tarnprozess der Tumorzellen hinaus. Durch die neu entwickelten therapeutischen Antikörper lassen sich genau diese Signale unterbinden, sodass die Zellen des Immunsystems sichtbar effektiv gegen den metastasierten Tumor vorgehen. Bildlich gesprochen können wir hier von einer gelösten Bremse des Immunsystems ausgehen. Diese Art der Therapie ist bei einigen metastasierten Tumoren, abhängig auch von der Ausbildung der oben genannten Signalstrukturen, sehr erfolgreich. Entweder allein oder in Kombination mit anderen Systemtherapeutika wie Chemotherapie oder molekularer Therapie können wir nun bei einer Vielzahl von Tumorpatienten diesen immuntherapeutischen Ansatz mit deutlich verbesserten Ergebnissen, aber auch im Wesentlichen mit einer deutlich besseren Verträglichkeit gegenüber bisherigen Therapien anwenden. Durch die Einbeziehung des patienteneigenen Immunsystems bei der Tumortherapie sind wir heute in der Behandlung von einigen Krebspatienten einen großen Schritt vorangekommen. Bei den ELBLANDKLINIKEN setzen wir diese neuen Immuntherapeutika sehr vielfältig und angepasst in der individuellen Krebstherapie ein.

Konkret gefragt: Wie funktioniert eine Ernährung für das Immunsystem, und kann man sich auch gesund essen?

Wenn wir bei dem Bild der gelösten Bremse bleiben, dann können wir diese Maßnahme bei einem Gefährt nur dann erfolgreich zur Fortbewegung nutzen, wenn der Motor stark genug ist, nach gelöster Bremse auch das Fahrzeug in Bewegung zu bringen. So ist es auch beim Immunsystem. Offensichtlich ist diese Stärke unseres Immunsystems von der Zusammensetzung bzw. der Vielfalt der Bakterien in unserem Darm abhängig. Im konkreten immuntherapeutischen Ansatz bedeutet dies, dass mit gleichen Tumor-bedingten Voraussetzungen schlechter ansprechende Patienten in ihrem Therapieergebnis verbessert werden können, wenn sie von einem gut ansprechenden Patienten eine sogenannte Stuhltransplantation erhalten. Damit ist der Beweis für die Rolle der Darmbakterienvielfalt erbracht, denn hierbei werden die Bakterien übertragen, die in unserem Darm eine wesentliche Rolle bei der Stärkung des Immunsystems spielen. Eine solche Bakterienvielfalt können wir selbst über Joghurt mit lebendigen Kulturen, Ballaststoffe und diverse pflanzliche Bestandteile in unserer Nahrung pflegen. Interessanterweise wirken sich solche und weitere Maßnahmen auch direkt auf die Ergebnisse im immunologischen Tumortherapie-Ansatz aus. Somit beraten wir heute unsere Patienten auch hinsichtlich ihrer Ernährung nicht mehr allein im Sinne der körperlichen Stärkung und des Muskelaufbaus, sondern auch im Sinne der Darmbakterienvielfalt und der damit verbundenen Stärkung des körpereigenen Immunsystems.

Die Fragen stellte Kristin Koschnick.

Der Termin des nächsten Gesundheitsforums ist der 3. Mai um 18 Uhr zum Thema „Ernährung des Immunsystems, ein Baustein in der Krebstherapie“ im Elblandklinikum Riesa, Weinbergstraße 8, 01589 Riesa, Konferenzraum Ebene 7. Der Eintritt ist frei. Aufgrund des begrenzten Platzes wird um Anmeldung unter 03521 41045520 oder 0351 833893833 gebeten.