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Theater im Netz

Weil die Bühnen geschlossen sind, weicht die Jugendtheatergruppe ins Internet aus. Dabei stößt sie an Grenzen – und entdeckt neue Möglichkeiten.

Per Videoschalte treffen sich die Mitglieder der Meißner Jugendtheatergruppe regelmäßig mit ihrem künstlerischen Leiter Utz Pannike (l.o.).
Per Videoschalte treffen sich die Mitglieder der Meißner Jugendtheatergruppe regelmäßig mit ihrem künstlerischen Leiter Utz Pannike (l.o.). © Screenshot: Utz Pannike

Meißen. Ohne Internet ginge gar nichts. Per Videokonferenz bleiben auch die Mitglieder der Jugendtheatergruppe im Kontakt. Über die zusammengeschalteten Laptops, Computer oder Tablets arbeiten sie an Projekten, wie Utz Pannike berichtet. Der Dresdner Schauspieler betreut neben den jungen Akteuren auch die Seniorentheatergruppe des Meißner Theaters.

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen kann das auch therapeutische Wirkung entfalten. So treffen sich die Sentha-Leute alle zwei Wochen im Netz. Dabei rezitieren sie ihre Lieblingsgedichte, wie Utz Pannike berichtet. Das diene auch dazu, die Truppe in Zeiten wie diesen zusammenzuhalten, auch weil Projekte wegen der coronabedingten Schließung des Theaters ins Rutschen kommen.

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Das macht auch den Mitgliedern der Jugendtheatergruppe zu schaffen. Sie hatten sich für die aktuelle Spielzeit „Die Räuber“ vorgenommen. Das Drama des jungen Friedrich Schiller, das 1782 in Mannheim uraufgeführt wurde, wollen die jungen Leute ins Hier und Heute holen: Auf der Meißner Bühne werden Räuber zu einer Gruppe junger Ökoterroristen, die sich einem Industriekapitän in den Weg stellen. Erfahrungen der jungen Leute und Medienberichte über Aktionen der Friday for future-Bewegung oder Protesten gegen den Braunkohleabbau in der Lausitz oder im westdeutschen Revier fließen in den Sturm-und-Drang-Krimi „Die Räuber – voll Öko“ ein.

Gemeinsam mit Utz Pannike arbeiten die jungen Leute am Text. Szene für Szene. Manchmal proben sie auch schon mal – per Videoschalte. Mit der Arbeit an Theaterprojekten der vergangenen Jahre ist das nicht zu vergleichen, sagt Utz Pannicke. So schön es ist, über das Internet räumliche Entfernungen zu überwinden oder mit denen in Verbindung zu bleiben, die nach der Schule wegen der Ausbildung ihre Heimatstadt verlassen haben – der durch die Kamera am Computer vermittelte Kontakt kann das Persönliche nicht ersetzen.

Einen Text per Videoschalte gemeinsam erarbeiten, das kriegen sie hin. Aber ihn auf die Bühne bringen, wobei es aufs Improvisieren und auch auf direkten körperlichen Kontakt ankommt: Damit tun sich viele schwer. Utz Pannike weiß von einigen aus seiner Truppe, die das Proben per Videokonferenz einfach nicht können, weil „das die Fantasie blockiert“.

Dieses Foto der Meißner Jugendtheatertruppe entstand im vorigen Jahr während der Erarbeitung des Stücks "Frühlingserwachen – Auf Crystal Meth".
Dieses Foto der Meißner Jugendtheatertruppe entstand im vorigen Jahr während der Erarbeitung des Stücks "Frühlingserwachen – Auf Crystal Meth". © Utz Pannike

So wird es wohl noch einige Zeit brauchen, bis die Jugendtheatergruppe ihre Räuber-Adaption zur Bühnenreife gebracht hat. Der Premierentermin, den der Spielplan des Theaters für den 9. Juni vorsieht, wird wohl nicht zu halten sein. Die Jugendtheatergruppe macht aus der Not eine Tugend – und beteiligt sich an einer Aktion der internationalen Vereinigung der Kinder-und Jugendtheater Assitej. Sie nennt sich „Das Manifest“ und sammelt Ideen, um das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf gleichberechtigte Teilhabe an Kunst und Kultur öffentlich einzufordern.

Die Meißner Jugendtheatergruppe will diesen Anspruch in einem Videoprojekt mit persönlichen und berührenden Botschaften verdeutlichen. Unter dem Motto „Wie ich Kunst und Kultur begegnet bin“ werden einige Mitglieder sich selbst vor der Kamera interviewen, verrät Utz Pannicke. Aber auch Befragungen von Bürgern und Entscheidern in verschiedenen Institutionen des Landkreises sind vorgesehen. Aus dem Videomaterial, das dabei entsteht, soll eine Dokumentation zusammengeschnitten werden, erläutert Utz Pannike. Öffentlich sollen die Ergebnisse der Arbeit an diesem Projekt durch das Präsentieren der Dokumentation im Foyer des Theaters werden.

Die für die Aufführung der Jugendtheatergruppe im Juni geblockten Termine im Spielplan des Meißner Theaters sollen nicht ausfallen: Die jungen Schauspieler wollen das im vorigen Jahr erarbeitete Stück "Frühlingserwachen – Auf Crystal Meth" nach Motiven von Frank Wedekind wieder aufnehmen.

Der Öko-Krimi nach Motiven von Schillers Räubern soll im Mai des nächsten Jahres auf die Bühne kommen. Das wäre dann auch als Open-Air-Event möglich, hofft der Leiter der Jugendtheatergruppe. Für das jugendliche Publikum, an das sich das Stück wendet und das bei den bisherigen Projekten klassenweise zu den Aufführungen kam, wäre das eine ganz neue Theater-Erfahrung.

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