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Tierischer Ärger nach einem Hundebiss

Ein Hund beißt einen anderen. Die Halterin will die Kosten für den Tierarzt ersetzt haben. Und greift zur Selbstjustiz.

Die wollen doch nur spielen? Diese beiden vielleicht. Im vorliegenden Fall wurde aus dem Spiel aber Ernst. Und landete vor Gericht.
Die wollen doch nur spielen? Diese beiden vielleicht. Im vorliegenden Fall wurde aus dem Spiel aber Ernst. Und landete vor Gericht. © Florian Schuh/dpa-tmn

Meißen/Coswig. Die 56-jährige Coswigerin macht an jenem späten Nachmittag, was sie immer tut. Nach der Arbeit geht sie mit ihrem Hund Gassi. Doch an jenem Tag passiert etwas. Eine andere Frau kommt ebenfalls mit ihrem Hund. Dieser freilich läuft frei herum, ist nicht angeleint. Und stürzt sich auf das Tier der Coswigerin, beißt es.

Ein Tierarzt muss den verletzten Hund behandeln. Die Rechnung in Höhe von 109 Euro will die Halterin von der Besitzerin des anderen Hundes ersetzt haben. Sie schreibt die Familie an, doch vier Wochen lang gibt es keinerlei Reaktion. Weil der Hund schon mal zugebissen hat, weiß sie von einer anderen Hundehalterin, bei welcher Versicherung die Besitzer des Beißers eine Hundehaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Sie ruft dort an und bekommt angeblich die Auskunft, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde.

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Dann schreitet die Frau zur Tat. Sie verübt ein bisschen Selbstjustiz. Jetzt gibt es tierische Aufregung um den Hundebiss. Doch nicht sie sitzt jetzt auf der Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes, sondern der Sohn ihrer Kontrahentin. Körperverletzung wird ihm vorgeworfen. Der 31-Jährige soll die Frau im Flur der Wohnung verletzt, am Arm schmerzhaft gedrückt und ihr dabei auch das T-Shirt zerrissen haben.

Hereingestürzt und Geld verlangt

Der Mann streitet das ab. Die Frau habe Sturm geklingelt, man habe sie aber nicht hereingelassen. Ein Nachbar habe ihr schließlich die Hauseingangstür geöffnet. Sie habe an die Wohnungstür gehämmert. Als er diese öffnete, sei sie gleich hereingestürzt und habe Geld verlangt für den Schaden, welcher der Hund verursacht hatte.

„Wir haben ihr erklärt, dass wir den Schaden der Versicherung gemeldet haben und dass das noch etwas dauert mit dem Geld. Damit war sie aber nicht zufrieden, wollte auf der Stelle Geld haben und die Wohnung nicht eher verlassen“, sagt er. Er habe sie aus der Wohnung gedrängt, dabei sei sie gestolpert und hingefallen. Gleich darauf sei die Frau aber wieder aufgestanden und habe ihren Fuß in die Tür gestellt. Darauf habe man die Polizei angerufen.

Die Frau schildert das anders. „Die Familie war zu keinem Gespräch bereit. Sie haben mir gesagt, dass ich kein Geld bekomme“, sagt sie. Der Angeklagte habe sie durch den Flur gezogen und gezerrt, sagt sie. Die Polizei kommt, der Polizist erklärt der Frau, dass sie die Wohnung verlassen muss, weil sie ansonsten einen Hausfriedensbruch begeht. Sie leistet dem auch Folge.

Einen Tag später noch sehr aufgebracht

Einen Tag später geht sie dann selbst zur Polizei, erstattet gegen den Mann Strafanzeige wegen Körperverletzung. Auch 24 Stunden später sei die Frau bei der Vernehmung noch sehr aufgebracht gewesen, sagt ein Polizist. „Sie kam ganz aufgelöst und sagte, dass sie von dem Angeklagten geschlagen wurde, zeigte Verletzungen am Arm und ihr zerrissenes T-Shirt.“

Der äußere Sachverhalt habe sich zwar bestätigt, so der Staatsanwalt, er fordert aber dennoch Freispruch für den Angeklagten. Die Taten seien nicht widerrechtlich gewesen, sondern Notwehr.

So sieht das auch der Richter und spricht den Angeklagten frei. Er spricht vom „hartnäckigen Eintreiben zivilrechtlicher Ansprüche“. Schon bei der Vernehmung der Zeugin hatte er ihr deutlich gemacht, dass sie ihr vermeintliches Recht nicht mit Gewalt durchsetzen dürfe. Die Wohnung sei ein besonders geschützter Raum, in den sie nicht einfach eindringen dürfe. Das Handeln des Angeklagten sei vom Notwehrrecht gedeckt.

Die Tierarztrechnung wurde übrigens inzwischen von der Versicherung der Hundehalterin bezahlt.

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