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Unfälle im Radverkehr steigen im Kreis Meißen an

Drei sogenannte Ghostbikes erinnern im Kreisgebiet an tödlich verunglückte Radfahrer im Straßenverkehr. Das neueste Mahnmal steht in Radebeul.

Das weiß lackierte Geisterfahrrad erinnert an der Kreuzung Gartenstraße, Hauptstraße an einen im April verstorbenen Mann. Nach mehr als zwei Jahren hat er den Kampf gegen die an der Stelle bei einem Unfall erlittenen schweren Verletzungen verloren.
Das weiß lackierte Geisterfahrrad erinnert an der Kreuzung Gartenstraße, Hauptstraße an einen im April verstorbenen Mann. Nach mehr als zwei Jahren hat er den Kampf gegen die an der Stelle bei einem Unfall erlittenen schweren Verletzungen verloren. © Norbert Millauer

Landkreis Meißen. Ein weiß angestrichenes Fahrrad mahnt seit Kurzem an der Kreuzung Gartenstraße, Hauptstraße in Radebeul-Ost an einen tragischen Verkehrsunfall. Dieser ereignete sich bereits am 4. Februar 2019. Damals war ein 59-jähriger Radfahrer von einem Lkw erfasst und dabei schwer verletzt worden. Mehr als zwei Jahre später ist er im April 2021 an den Folgen der Verletzungen und des erlittenen schweren Schädel-Hirn-Traumas verstorben.

In Absprache mit Angehörigen wurde das sogenannte Ghostbike, Geisterfahrrad, aufgestellt. Insgesamt 16 hat die Initiative Ghostbike aus Dresden bereits an Orten platziert, wo Radfahrer im Straßenverkehr getötet wurden. Im Landkreis Meißen gibt es nun drei. Die Stadtverwaltung Radebeul will das Mahnmal stehen lassen, wie sie auf SZ-Anfrage mitteilte.

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An der Staatsstraße 81 bei Moritzburg erinnert seit Mitte Dezember 2018 ein weiß lackiertes Fahrrad an Dresdens Schulamtsleiter Falk Schmidtgen, der von einem betrunkenen Autofahrer umgefahren wurde. In Coswig steht ein Ghostbike an der Kreuzung Weinböhlaer Straße, Ecke Auerstraße. Dort verlor am 27. Juli 2020 eine 47-Jährige ihr Leben. Sie war mit dem Fahrrad auf der Weinböhlaer Straße stadteinwärts unterwegs. An der Kreuzung Auerstraße wurde sie von einem abbiegenden Lkw-Fahrer so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb.

Drei Tote und 343 Verletzte im vorigen Jahr

Ein Blick in die Datenbank des Statistischen Landesamtes zeigt, dass die Unfälle mit Radfahrern im Landkreis Meißen zunehmen. In den Jahren 2016 und 2017 lag die Zahl bei Verkehrsunfällen verletzter Radler bei 241 beziehungsweise 242. In beiden Jahren gab es jeweils zwei Tote zu beklagen. 2018 überlebten ebenfalls zwei Radfahrer einen Verkehrsunfall nicht. Die Anzahl der verletzten Personen stieg auf 315. Im Jahr darauf ist die Verletztenzahl wieder leicht auf 297 gesunken, blieb aber deutlich über dem Niveau von 2016 und 2017. Im Jahr 2019 gab es kein Todesopfer im Radverkehr. 2020 zeigte sich dagegen mit drei Toten und 343 Verletzten ein ganz anderes Bild.

Der im vergangenen April verstorbene Mann aus Radebeul wird in der Statistik als Unfall der Kategorie 2, Unfall mit Schwerverletzten, erfasst und nicht als Verkehrstoter. Grund: Als Getöteter im Straßenverkehr gilt, wer innerhalb von 30 Tagen an den Unfallfolgen verstirbt, wie die Initiative Ghostbike in ihrem Internetblog informiert.

Daher gab es in den zurückliegenden fünf Jahren statistisch gesehen keinen Unfall im Radverkehr in Radebeul, bei dem einer der Beteiligten tödliche Verletzungen erlitten hat, wie die Polizeidirektion Dresden mitteilte. Im Zeitraum von Januar 2016 bis Ende Mai 2021 ereigneten sich an der Stelle zwei Verkehrsunfälle. 2018 stürzte ein Radfahrer allein, ohne Beteiligung eines anderen, und verletzte sich dabei leicht. „2019 kam es zu dem beschriebenen Zusammenstoß zwischen einem Lkw und einem Radfahrer, bei dem der Radfahrer schwere Verletzungen erlitt“, wie ein Polizeisprecher mitteilte. So soll der Lkw-Fahrer die Vorfahrt des Mannes auf dem Drahtesel missachtet haben. Die Kreuzung Gartenstraße, Hauptstraße bildet somit keinen Unfallschwerpunkt in der Lößnitzstadt.

Unfallschwerpunkt Meißner Straße

Wie im Landkreis Meißen ist auch in Radebeul die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in den vergangenen drei Jahren gestiegen. 2018 gab es 34, 2019 waren es 20 mehr und 2020 erhöhte sich die Anzahl auf 77. Dabei wurden im vorigen Jahr 22 Personen schwer und 48 leicht verletzt. Ein Grund für den Anstieg ist laut Polizei, dass mehr Radfahrer unterwegs sind. „Der Verkehrsraum für die einzelnen Verkehrsarten ist jedoch begrenzt. Dadurch steigen auch die Konflikte“, so Polizeisprecher Uwe Hofmann.

Ein häufiger Unfallort im Radverkehr ist die Meißner Straße, insbesondere an den Kreuzungen mit Forststraße, Hauptstraße und im Bereich zwischen Moritzburger Straße und Gradsteg. „Ebenso werden am Kreisverkehr Cossebauder Straße, Kötitzer Straße und im Bereich Uferstraße, An der Festwiese und Dorfanger Altkötzschenbroda häufig Unfälle registriert“, informiert die Polizei.

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Hauptunfallursachen sind in der Lößnitzstadt laut Statistik das Nichtbeachten der Vorfahrtsregelen und der entsprechenden Verkehrszeichen sowie andere Fahrfehler, zu hohe Geschwindigkeit, das verbotswidrige Benutzen der Fahrbahn durch Pedalritter oder von Geh- oder Radwegen durch Kraftfahrer. Zudem kommt es zu Kollisionen durch Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, etwa beim Anfahren oder aus Grundstücken, Fehler beim Abbiegen nach links, durch Trunkenheit im Verkehr und ungenügenden Sicherheitsabstand. Der soll mindestens 1,50 Meter betragen, wenn ein Kraftfahrzeug einen Radfahrer überholt.

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