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Ende Geländer

Der Fahrer eines Lkw soll in Radebeul einen Unfall verursacht haben und abgehauen sein. Zur Gerichtsverhandlung ist er nicht da. Aber nicht, weil er sich drücken will.

Dieser Geländer in Radebeul soll ein Sattelschlepper beschädigt haben.
Dieser Geländer in Radebeul soll ein Sattelschlepper beschädigt haben. © Polizei

Meißen/Radebeul. Der 46-jährige Autofahrer ist verwundert. Da kommt an einer Kreuzung in Radebeul ein Sattelschlepper angefahren. Die Fahrweise des 40-Tonners bezeichnet er als "sportlich". Mit Schwung nimmt der Lkw die enge Kurve. Kurz darauf gibt es einen Knall, einen harten Schlag. Der Lkw stoppt, steht vier, fünf Sekunden. Der Fahrer schaut kurz in den Rückspiegel, dann fährt er weiter. "Als der Lkw weg war, sah ich die Beschädigung an einem Geländer. Der Unfall passte zu der Fahrweise des Sattelzuges", sagt der Zeuge. Er merkt sich das Kennzeichen, fährt ins nur 100 Meter entfernte Ordnungsamt der Stadt, zeigt den Fahrer an.

Der sitzt nun wegen unerlaubten Verlassen des Unfallortes vor dem Meißner Amtsgericht. Besser gesagt: Er sollte dort sitzen. Doch er ist nicht da. Aber nicht, weil er sich drücken will. Wegen der Corona-Bestimmungen und der Grenzschließungen darf er nicht nach Deutschland einreisen. Verhandelt wird trotzdem. Sein Verteidiger ist ja da. Und bei Verfahren, bei denen es wie hier um einen Einspruch gegen einen Strafbefehl geht, kann der Angeklagte vom persönlichen Erscheinen entbunden werden, wenn der Anwalt eine entsprechende Vollmacht besitzt, ihn zu vertreten.

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Gutachten ist eindeutig

Bei dem Unfall entstand ein Schaden von 1.987 Euro. Wer die Fotos des beschädigten Geländers sieht, mag sich die Frage stellen, wo dieser Schaden steckt. Das Geländer ist nicht herausgerissen worden, steht nur ein wenig schräg. Und es sind Farbanhaftungen zu finden. Die Frage ist, ob diese tatsächlich von dem Lkw des Angeklagten stammen.

Um das herauszufinden, hat Richter Michael Falk ein technisches Gutachten in Auftrag gegeben. Und das kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Schäden an dem Geländer sind mit dem Lkw nicht kompatibel. Es gibt zum Beispiel rote Farbanhaftungen. Der Sattelauflieger hatte jedoch eine schwarze Farbe. Zwar hat die Polizei erst rund vier Wochen nach dem Unfall Fotos gemacht. Das erklärt aber wohl nicht die Roststellen. Für den Gutachter ist das ein Anzeichen, dass diese Beschädigungen von einem anderen, länger zurückliegenden Vorfall stammen müssen.

Doch selbst wenn der Sattelschlepper diese Schäden verursacht haben sollte, habe der Fahrer den Unfall weder hören noch spüren können. Wenn ein 40-Tonner leicht gegen ein Geländer fahre, sei das nicht zu bemerken, zumal man nicht ausschließen könne, dass sich bei der rasanten Kurvenfahrt die Ladung bewegt und Geräusche verursacht habe.

Dass der Tscheche mitunter rasant unterwegs ist, zeigt sein Fahreignungsregister. Zweimal schon musste er ein Bußgeld zahlen und erhielt jeweils einen Punkt, weil er die Geschwindigkeit deutlich überschritten hatte.

Staatsanwältin hat dennoch Zweifel

Die Staatsanwältin hat trotz des Gutachtens dennoch Zweifel. Vor allem treibt sie die Frage um , wieso der Fahrer im Kreuzungsbereich plötzlich stehenblieb. Diese Frage könnte wohl der Angeklagte nur selbst beantworten. Deswegen einen weiteren Termin anzusetzen und den Mann noch einmal zu laden, hält aber auch sie für unverhältnismäßig. Zu Gunsten des Angeklagten plädiert sie deshalb auf Freispruch.

Wie beantragt, spricht das Gericht den Lkw-Fahrer frei. Damit hat sich auch die Frage nach einem eventuellen Fahrverbot erledigt. Das hätte ohnehin nur in Deutschland gegolten.

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