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Mopedfahrerin ausgebremst und verletzt

Ein Lommatzscher spielt im Straßenverkehr den Oberlehrer. Jetzt wird er vom Gericht für mehrere Monate ausgebremst.

Von Jürgen Müller
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So wie hier, waren junge Leute mit ihren Mopeds von Lommatzsch nach Paltzschen unterwegs, als sie von einem Autofahrer überholt und ausgebremst wurden.
So wie hier, waren junge Leute mit ihren Mopeds von Lommatzsch nach Paltzschen unterwegs, als sie von einem Autofahrer überholt und ausgebremst wurden. © Nikolai Schmidt

Meißen/Lommatzsch. Es war ein schöner Maiabend für die drei jungen Leute. Sie waren in Lommatzsch essen, jetzt geht es mit den Mopeds nach Hause. Auf der Straße zwischen Paltzschen und Lommatzsch passiert es dann. Die beiden Mopeds werden von einem Ford Mondeo rasant überholt. Dessen Fahrer setzt sein Auto vor die Zweiräder und bremst abrupt. Der Fahrer eines Mopeds mit Sozia kann gerade noch bremsen und rechts aufs Feld fahren. Eine junge Frau aber rutscht weg und stürzt. Sie wird sich, wie sich später herausstellt, einen Ellenbogenbruch zuziehen.

Der Autofahrer habe die Verletzte liegengelassen und sei einfach weitergefahren, wirft dem Lommatzscher die Staatsanwaltschaft vor. Wegen Nötigung und unerlaubten Verlassen des Unfallortes sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht.

Dieser sieht überhaupt keine Schuld, erzählt eine ganz andere Geschichte. Schon am Meißner Platz in Lommatzsch seien ihm die Mopeds durch ihre rasante Fahrweise aufgefallen, hätten ihm die Vorfahrt genommen. Zwischen Ortsausgang Lommatzsch und Paltzschen habe er das Moped der jungen Frau mit dem auffälligen pinkfarbenen Helm überholen wollen. Da sei sie ohne zu blinken nach links ausgeschert. "Ich musste scharf bremsen, um sie nicht über den Haufen zu fahren", sagt der 45-Jährige.

Nachdem er auch das andere Moped überholt hatte, habe er im Rückspiegel gesehen, wie ihm die Sozia den Mittelfinger zeigte. Daraufhin habe er ganz rechts am Straßenrand angehalten, um die jungen Leute zur Rede zu stellen, sie belehren, wie man sich im Straßenverkehr zu verhalten habe.

Als er ausgestiegen war und nach hinten zu dem Moped lief, sei das andere Moped rasant angekommen. Die Fahrerin habe es nicht mehr geschafft zu bremsen und sei gestürzt.

Angeklagter spricht von waghalsiger Fahrweise

Danach habe er 15 Minuten mit den jungen Leuten diskutiert. Dabei seien von beiden Seiten nicht nur nette Worte gefallen. Die Mopedfahrer hätten gesagt, man brauche keinen Arzt, er solle weiterfahren. Er sei jedenfalls nicht schuld an dem Unfall. "Ich gehe davon aus, dass sie ihr Moped nicht unter Kontrolle hatte", sagt er und spricht von "waghalsiger Fahrweise".

Die Jugendlichen erzählen eine andere Geschichte. Der Autofahrer habe überholt, scharf gebremst und sein Auto quer auf der Straße abgestellt. Dann sei er ausgestiegen und habe die jungen Leute beleidigt, bedrängt und bepöbelt. Er habe gesagt, dass er sich den Helm merke und die Frau das nächste Mal umfahren werde, so ein 16-jähriger Zeuge. Er habe es gerade noch geschafft zu bremsen, die Frau aber nicht.

"Ich war komplett unter Schock, weil ich meinen Arm nicht mehr bewegen konnte. Er hat mich die ganze Zeit vollgepöbelt", sagt die 17-jährige Geschädigte. Sie habe Angst gehabt und deshalb gesagt, dass er wegfahren solle.

Die Polizei hat niemand gerufen, das Kennzeichen haben sich die Jugendlichen aber notiert. Einen Tag später erstattet die Geschädigte Anzeige bei der Polizei. Als die bei dem Angeklagten eintrifft, zeigt er keine Einsicht. "Er ließ keinerlei Zweifel an seinem Fahrverhalten aufkommen", so ein Polizist.

Keine Unfallflucht, aber Nötigung

Keinerlei Zweifel haben auch Gericht und Staatsanwaltschaft daran, dass sich der Vorfall so zugetragen hat wie angeklagt. Lediglich die Unfallflucht habe sich nicht bestätigt. "Von den Geschädigten waren keinerlei Feststellungen der Personalien gewünscht", so der Staatsanwalt und fordert in diesem Punkt Freispruch.

Die Nötigung sieht er als erwiesen an. Es sei nicht ersichtlich, dass die Zeugen falsche Aussagen gemacht hätten, so der Staatsanwalt und fordert eine Geldstrafe von 3.600 Euro. Die Fahrerlaubnis soll entzogen, der Führerschein, der seit gut vier Wochen sichergestellt ist, eingezogen werden. Nicht vor Ablauf von weiteren elf Monaten soll ihm eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden.

Genau so fällt auch das Urteil aus, wobei die Richterin beim Fahrerlaubnisentzug das Führen von Baumaschinen ausklammert, damit der Angeklagte in seinem Beruf als Baumaschinist arbeiten kann.

Den Führerscheinentzug sieht sie als notwendig und gerechtfertigt an, weil sich der Mann als charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen gezeigt habe. Und so wird diesmal er für elf Monate ausgebremst - vom Gericht.