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Fähren im Kreis Meißen gesichert

Die vier Linien über die Elbe sollen kein Schattendasein mehr führen. Für Touristen und Radler sind sie ein Pfund. Deshalb gibt es einen großen Plan.

Die kommunale Familie aus Landkreis und Fähranliegergemeinden will das Fährsystem im Kreis gemeinsam für die Zukunft fit machen. In Coswig wurde jetzt der nötige Vertrag unterzeichnet.
Die kommunale Familie aus Landkreis und Fähranliegergemeinden will das Fährsystem im Kreis gemeinsam für die Zukunft fit machen. In Coswig wurde jetzt der nötige Vertrag unterzeichnet. © HUEBSCHMANN

Strehla/Riesa/Diera-Zehren/Coswig. Mit einem kurzen Blick auf die Nahverkehrsapp sehen, wann die nächste Fähre ablegt. Einheitliche Betriebszeiten sorgen für eine hohe Zuverlässigkeit. Während der warmen Monate auch bis in spätere Stunden dieses besondere Angebot nutzen. Die Fahrscheine des VVO gelten gleichzeitig für das Übersetzen. All dies soll künftig mit einem kreisweit einheitlichen Fährplan und einer komplett neuen Flotte an elektrisch angetriebenen Booten möglich sein.

Auf den Weg gebracht haben dieses Vorhaben jetzt die Bürgermeister der Fähranliegergemeinden mit dem Landkreis Meißen und der Verkehrsgesellschaft Meißen. Sie eint das Ziel, die Fähren zu einer touristischen Attraktion zu entwickeln, die das Elbland für Touristen noch interessanter macht sowie gleichzeitig den Radfahrern aus der Region neue Möglichkeiten erschließt. "Das Übersetzen mit einer Fähre ist ein ganz besonderes Gefühl. Dieses Verkehrsmittel braucht im Kreis eine neue Perspektive. Zumal die Einwohner zunehmend über mehr Freizeit verfügen", so die Bürgermeisterin von Diera-Zehren Carola Balk (parteilos).

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Wie naheliegend dieser Grundgedanke ist, zeigte sich beim Unterzeichnen der nötigen Verträge im Kötitzer Fährhaus. Ferienzeit und gutes Wetter sorgten auf und um den Elberadweg für ein reges Treiben. Erst kürzlich war dieser zum wiederholten Male als beliebtester Fernradweg Deutschlands ausgezeichnet worden.

Flickenteppich von Betriebsmodellen

Coswigs Bürgermeister Thomas Schubert (parteilos) blieb es als Gastgeber vorbehalten, auf den geschichtlichen Hintergrund und die Vorgeschichte zu verweisen. Mindestens seit rund 360 Jahren existiert zwischen dem linkselbischen Gauernitz und Kötitz ein regelmäßiger Fährverkehr. Über Generationen hinweg besorgte die Fährmannsfamilie Thieme an dieser Stelle das Übersetzen. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden verschiedene Betriebs- und Finanzierungsvarianten ausprobiert. Letztlich habe sich herausgestellt, dass Unterhalt und täglicher Einsatz für eine Kommune nicht effektiv zu stemmen sind, so Schubert.

Der frühere Coswiger Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) machte sich deshalb mit seinen Amtskollegen an der Elbe dafür stark, Vermögen und Betrieb der Fähren in einer Hand zu vereinen. Naturgemäß bot sich der Kreis als Auftraggeber für den öffentlichen Personennahverkehr an. Dieser wiederum hat die Aufgabe auf die kommunale Busgesellschaft VGM übertragen, welche über die nötige Technik, das Know How sowie den personellen Hintergrund und die nötigen Managementfähigkeiten verfügt. "Ein Fährmann muss 180 Seetage und fünf Wochen Theorie vorweisen können", so VGM-Geschäftsführer Jens Dehnert. Für den Busführerschein brauche es lediglich die Hälfte der Zeit.

Bereits seit 1969 ist die Fähre Kötitz zwischen Gauernitz und Kötitz unterwegs. Sie entspricht nicht mehr modernen Anforderungen. Eine Flotte an neuen Fähren mit Elektroantrieb soll die Kötitz und andere alte Technik ersetzen.
Bereits seit 1969 ist die Fähre Kötitz zwischen Gauernitz und Kötitz unterwegs. Sie entspricht nicht mehr modernen Anforderungen. Eine Flotte an neuen Fähren mit Elektroantrieb soll die Kötitz und andere alte Technik ersetzen. © HUEBSCHMANN

Neben dem Vereinheitlichen von Fahrplan, Betriebszeiten und Tarif, steht als wahrscheinlich herausforderndste Aufgabe der Kauf neuer Fähren und die Erneuerung der landseitigen Technik an. Die Coswiger Fähre Kötitz versieht bereits seit 1969 ihren Dienst. "Wir können nicht mehr auf die oft stark schwankenden Wasserstände der Elbe reagieren", so Meißens Landrat Ralf Hänsel (parteilos). Gleichzeitig seien sich der Landkreis und die Bürgermeister einig, dass die Fähren als sächsische Institution erhalten werden müssten.

Aufgrund der Größe des investiven Projekts wurde auf einen Antrag nach der Förderrichtlinie „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV“ beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hingearbeitet. Der erste Förderaufruf nach dieser Förderrichtlinie endete am 30. März 2021. Die Stärkung des ÖPNV ist ein zentrales Handlungsfeld im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung. Das vom Kreis vorangetriebene Modellprojekt umfasst fünf Elektrofähren mit barrierefreiem Zugang (insbesondere Bugrampen), die schiffsnahe Ladeinfrastruktur für die Elektrofähren und ein digitales Bürger- und Nutzerinformationssystem.

Landrat Ralf Hänsel (parteilos) hat von den Kommunen im Kreis den Auftrag zum Betrieb der Fähren übernommen und sofort an die Verkehrsgesellschaft Meißen weitergereicht.
Landrat Ralf Hänsel (parteilos) hat von den Kommunen im Kreis den Auftrag zum Betrieb der Fähren übernommen und sofort an die Verkehrsgesellschaft Meißen weitergereicht. © HUEBSCHMANN

Während allein der Wechsel vom Dieselantrieb auf den Elektroantrieb einen augenfälligen Beitrag zur Vermeidung lokaler Emissionen und zur Dekarbonisierung leistet, konnten zahlreiche weitere, das Projekt potenziell begünstigende Faktoren herausgearbeitet werden. Hierzu zählen die verbesserte Betriebssicherheit und das optimierte wirtschaftliche Ergebnis.

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Als Gesamtausgaben wurden laut Pressestelle des Landratsamtes 8,45 Millionen Euro beantragt. Gut zwei Millionen Euro an Eigenmitteln sind einzubringen. Es werden optimistisch 400.000 Nutzer im Umweltverbund prognostiziert, was etwa einer Verdopplung entspräche. Auf diese Weise könnten CO2-Äquivalente von über 300 Pkw eingespart werden. Als Projektzeitraum wurde Juli 2021 bis Dezember 2023 angegeben.

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