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Radverkehr: Meißner weiterhin unzufrieden

Die aktuelle Fahrradklima-Umfrage beschreibt gestresste Radfahrer in der Stadt. Der ADFC-Geschäftsführer sieht dringenden Handlungsbedarf in Meißen.

Der ADFC hat den aktuellen Fahrradklima-Test veröffentlicht. Meißen hat weiterhin Nachholbedarf.
Der ADFC hat den aktuellen Fahrradklima-Test veröffentlicht. Meißen hat weiterhin Nachholbedarf. © dpa

Meißen. Im sachsenweiten Vergleich sind Fahrradfahrer in Meißen besonders unzufrieden. Das liege unter anderem an den vielen Einbahnstraßen für Fahrräder, teilt Konrad Kraus vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC) mit. Der Geschäftsführer sagte weiter, hier könnte die Stadt Meißen leicht und kostengünstig für Verbesserungen sorgen. Denn zwei Drittel der Meißner würden sich wünschen, dass mehr Einbahnstraßen mit dem Rad in beiden Richtungen befahren werden dürfen. Das steht so im aktuellen Fahrradklima-Test, der aller zwei Jahre erhoben wird.

2020 bewerteten in Meißen 149 Personen ihre Stadt nach Fahrradkriterien. Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 4,26 liegt Meißen schlechter als der sachsenweite Durchschnitt von 4,02. Seit Jahren bessert sich nichts daran. Auch deshalb gibt es in der Stadt einen Arbeitskreis Radverkehr, der versucht, die Situation zu verbessern. Offensichtlich wird die Arbeit des städtischen Gremiums in der Bevölkerung etwas wertgeschätzt. Denn weniger Menschen gaben in der Umfrage an, dass die Stadtverwaltung zu wenig tue. 2018 lag der Wert bei 76 Prozent, jetzt sind es nur 64 Prozent.

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In Meißen wird Fahrradfahren wichtiger wegen Pandemie

Der Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zum Fahrradklima weltweit und wird seit 2012 alle zwei Jahre vom ADFC durchgeführt. Bei der aktuellen Befragung hat der Verein fünf Zusatzfragen erhoben: zur Entwicklung des Radverkehrs während der Corona-Pandemie. Danach gewann 2020 das Fahrrad als Verkehrsmittel an Bedeutung. Jeder zweite Befragte bestätigte diese Tendenz. 47 Prozent der Meißner gaben zudem an, während der Corona-Pandemie mit dem Rad neue Ziele in der Umgebung entdeckt zu haben.

Trotzdem fühlen sich genauso viele Meißner beim Radfahren gestresst, laut der ADFC Umfrage. Zwei Drittel empfinden sich nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer ernstgenommen. Vier von fünf Meißnern sehen sich auf dem Rad gefährdet. Daneben gab ein Großteil der Meißner an, dass es oft zu Konflikten zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern komme. 80 Prozent fühlen sich im Straßenverkehr von Autos bedrängt. Genauso viele bemängeln die Breite der Radwege und die Radführung um Baustellen herum.

Freistaat Sachsen kürzt Mittel für Radwegenetz-Ausbau

Konrad Krause betont deshalb den dringenden Handlungsbedarf in Meißen. "Wir haben die letzten Jahre einen unglaublichen Fahrradboom erlebt und letztes Jahr noch mal einen besonderen Zuwachs. Die Leute steigen um, kaufen sich neue Fahrräder und legen damit mehr und längere Strecken zurück. Die Kommunalpolitik kann dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern muss endlich für sichere und durchgängige Radwegenetze sorgen."

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Neben den Kommunen sei jedoch auch der Freistaat gefragt, so Konrad Krause. "Dass Verkehrsminister Martin Dulig jetzt den Städten und Gemeinden den Geldhahn zudrehen will, besorgt mich sehr." Im Haushaltsentwurf der sächsischen Regierung werden Mittel zum Radwegenetz-Ausbau gekürzt. Von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2020 auf etwa 2,4 Millionen Euro ab 2021, laut ADFC. Der Verein hoffe, dass die Landtagsabgeordneten von CDU, Grünen und SPD dies noch korrigiere.

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