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Güterwagen der Straßenbahn zurück in Meißen

Die Geschichte des Fahrzeugs ist abenteuerlich: Es fuhr importierte Jute von der Elbe ins Triebischtal und landete dann im Kriegseinsatz.

Noch bei der Restaurierung: Ein historischer Güterwagen der Meißner Straßenbahn zum Transport von Jute ist am 5. Oktober 2021 im künftigen Verkehrsmuseum eingetroffen.
Noch bei der Restaurierung: Ein historischer Güterwagen der Meißner Straßenbahn zum Transport von Jute ist am 5. Oktober 2021 im künftigen Verkehrsmuseum eingetroffen. © Ralf Biedermann

Meißen. Schiene statt Straße: So modern funktionierte der Güterverkehr teilweise Anfang des 20. Jahrhunderts in Meißen. Ein um 1910 für die Meißner Straßenbahn gebauter Güterwagen pendelte bis 1939 gemeinsam mit weiteren Fahrzeugen dieser Bauart hinter Güter-E-Loks zwischen dem Elbkai und der Meißner Jutefabrik, wo heute unter anderem das linkselbische Kaufland eingemietet ist.

Verladung von Jute aus tropischen Gebieten am Meißner Elbkai in der Kaiserzeit. Der Rohstoff zur Hartfaserherstellung wurde anschließen mit einem Güterwagen von der Straßenbahn zur Jutespinnerei ins Triebischtal gefahren.
Verladung von Jute aus tropischen Gebieten am Meißner Elbkai in der Kaiserzeit. Der Rohstoff zur Hartfaserherstellung wurde anschließen mit einem Güterwagen von der Straßenbahn zur Jutespinnerei ins Triebischtal gefahren. © Sammlung Wolfram Wagner

Der Großbetrieb, in dem vor allem Frauen beschäftigt waren, verarbeitete die Fasern der oft in den Tropen angebauten Pflanze. Das Material wurde unter anderem für Verpackungen wie Säcke, Spezialpapiere, grobe Garne und Teppiche verwendet. Zudem bildet Jutegewebe das Trägermaterial für das früher als Bodenbelag weit verbreitete Linoleum.

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Im Einsatz am Atlantikwall

Nach Kriegsbeginn brach der Import von Jute aus Übersee nach Deutschland ab – für die kleinen Wägelchen gab es in Meißen keine Aufgaben mehr. In dieser Zeit wurde das Militär auf die Fahrzeuge aufmerksam und übernahm sie zum Bau des Atlantikwalls an der Nordsee. Nach Kriegsende erhielt die Inselbahn Langeoog mehrere dieser Zweiachser. Nun dienten die Straßenbahnwagen aus Meißen wieder friedlichen Zwecken – dem Transport von Gepäck der Urlauber auf dieser Nordseeinsel.

Nach mehreren Jahrzehnten schieden sie im Jahr 2009 aus dem Dienst aus, Eisenbahnfreunde holten sie aufs Festland und stellten sie sicher. Im Jahr 2017 erwarb die Initiative Sächsische Eisenbahngeschichte (ISEG) von einem privaten Sammler eines der Fahrzeuge. Im Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden begann 2018 seine Restaurierung. Coronabedingt verzögerte sich diese bis in diesen Sommer. In Absprache mit der Stadtverwaltung darf das Museumsstück nun an seinen ehemaligen Einsatzort zurückkehren und findet im ehemaligen Straßenbahndepot einen trockenen Platz. Am Dienstagmittag langt es an seinem künftigen Bestimmungsort an.

Auf einem in den vergangenen Jahren vom städtischen Bauhof genutzten Gelände hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten den ehemaligen Fahrzeugschuppen restaurieren und ein Hallengleis für museale Zwecke teils neu errichten lassen. Mittel- bis langfristig soll in dem Depotgebäude aus der Anfangszeit der Meißner Straßenbahn eine Ausstellung eingerichtet werden. Neben der als Leihgabe vom Verkehrsmuseum Dresden nach Meißen zurückgegebenen originalen Güter-E-Lok steht nun auch der zweiachsige Güterwagen als Exponat zur Verfügung.

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Alle für dessen Restaurierung anfallende Kosten deckte die ISEG bisher durch Spenden oder den Verkauf von Fachliteratur. Damit der Transport des Güterwagens von Dresden nach Meißen nicht aus der Vereinskasse bezahlt werden muss, nimmt die Sektion Meißen der ISEG zweckgebundene Spenden an. Die Daten hierfür finden sich auf folgender Internetseite: https://der-letzte-sachse.de/ (SZ)

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