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Kreis Meißen: Bus und Bahn trotzen Corona

Der Verkehrsverbund Oberelbe erhält von seinen Nutzern gute Schulnoten. Das hat auch mit der Pandemie zu tun.

Sicherheit in Bezug auf Sauberkeit und Hygiene stand für die Bus- und Bahnkunden im Landkreis Meißen 2020 ganz oben auf der Agenda.
Sicherheit in Bezug auf Sauberkeit und Hygiene stand für die Bus- und Bahnkunden im Landkreis Meißen 2020 ganz oben auf der Agenda. © dpa-Zentralbild

Meißen. Eigentlich ist es ein langweiliger Termin. Alle Jahre wieder stellen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) die Ergebnisse aus einer bundesweiten Umfrage zur Kundenzufriedenheit vor. Doch dieses Jahr ist alles anders: "Wir waren sehr unsicher, wie wir abschneiden würden", sagt DVB-Chef Andreas Hemmersbach. Sein Unternehmen ist Mehrheitseigner der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), welche die meisten Buslinien im Landkreis Meißen betreibt.

Den Grund für das Herzklopfen lieferte die Pandemie: Wie würden die Bus- und Bahnfahrer im Landkreis Meißen auf Abstandsregeln, Masken und reduzierte Angebote reagieren? Anfang 2020 waren Busse, Züge und Straßenbahnen noch rappelvoll. Plötzlich saßen die Menschen allein in den Abteilen. Die Fahrzeuge waren von heute auf morgen leer.

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Deutlich besser als der Durchschnitt

"Kommunikation war extrem wichtig", sagt die Marketing-Chefin des VVO Gabriele Clauss. Es galt, die Informationen aus zwölf Verkehrsunternehmen zu bündeln, welche in dem Verbund organisiert sind. In erster Linie sei es darum gegangen, die sich schnell ändernden Fahrpläne aktuell zu halten und die Kunden mit dieser Nachricht zu erreichen.

Nach Analyse der Ergebnisse sei der VVO sehr erfreut gewesen, sagt Gabriele Clauss. Von Mitte August bis Anfang Dezember 2020 wurden rund 1.500 Einwohner im Verbandsgebiet des VVO befragt. Dieser umfasst die Landkreise Meißen, Pirna, die Landeshauptstadt Dresden und Teile des Landkreises Bautzen. Das wie Schulnoten funktionierende Ergebnis verbesserte sich im Vergleich zu 2019 von 2,5 auf 2,42. Der bundesweite Durchschnitt lag bei 2,8.

Die Sicherheit in Bus, Bahn und Zug habe eine wesentliche Rolle gespielt, sagt DVB-Analyst Mirko Rüde. Unter dem Stichwort sind Aspekte wie Hygiene, Kriminalität und Verkehrssicherheit zusammengefasst. Dank umfangreicher Maßnahmen seien die Fahrzeuge stets sauber gewesen.

Der Effekt drückt sich in Zahlen aus. Dem VVO zufolge hat aufgrund der Pandemie lediglich ein Viertel der Vielfahrer auf das Angebot des Verbundes verzichtet. Angesichts wegfallender Arbeitswege, des ausbleibenden Schülerverkehrs und verbotener Ausflüge in die Sächsische Schweiz oder das Osterzgebirge nimmt sich diese Zahl vergleichsweise gering aus.

Plusbus sorgt für positiven Effekt

Verbessert hat sich die Zufriedenheit der ÖPNV-Nutzer im Vergleich zu den Vorjahren insbesondere in den Bereichen Anschlüsse, Taktfrequenz und Tarif. Verantwortlich dafür dürfte unter anderem das verdichtete Plusbus-System sein. Dabei handelt es sich um Regionalverkehre, welche Mindeststandards wie einen festen Stundentakt erfüllen müssen und vom Freistaat gefördert werden. Im VVO sind mittlerweile 15 Linien unterwegs, die die vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) erstellten und sachsenweit geltenden Mindestanforderungen erfüllen.

Positiv dürften sich zudem die vermehrt installierten digitalen Anzeigetafeln sowie die Informationsmöglichkeiten im Internet ausgewirkt haben. In Echtzeit lassen sich die Abfahrtszeiten der Fahrzeuge recherchieren. Bildschirme in Bus und Bahn oder an den zentralen Haltestellen informieren zu Umsteigevarianten.

Leihräder versöhnen mit Preissteigerung

Gegen allgemeine Trends loben die Befragten das Preis-Leistungsverhältnis des Verbundes. In der Regel lässt sich in diesem Bereich kaum eine Verbesserung erzielen. Die Verantwortlichen machen für den positiven Effekt mehrere Faktoren verantwortlich. Die Dankeschön-Aktion im Sommer 2020, welche Mitfahrmöglichkeiten für Zeitkarteninhaber umfasste, sei sehr gut angekommen. Verstärkend wirkte sich der Entdeckersommer aus.

In Dresden spielte das Fahrrad-Verleihsystem eine wichtige Rolle. Im August vergangenen Jahres starteten der Fahrradverleiher Nextbike und die Dresdner Verkehrsbetriebe ein neues Bike-Sharing-System. Benötigt man ein Fahrrad und hat kein eigenes, kann man sich ein Leihfahrrad nehmen. Das kostet DVB-Stammkunden die ersten 30 Minuten lang nichts. Andernfalls schlagen 15 Minuten mit einem Euro zu Buche.

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Verbesserungspotenzial sehen VVO und DVB in nächster Zeit vor allem im Bereich der Kommunikation. Die Informationsketten bei Störfällen und Verspätungen sollen verbessert werden. "Und wir müssen mitteilen, wie die Rückkehr zur Normalität organisiert wird", so Andreas Hemmersbach. Die Nachtverkehre bräuchten ebenfalls eine PR-Offensive. Zudem sei geplant, 2021 eine ähnliche Dankeschön-Aktion wie 2020 auf die Beine zu stellen.

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