merken
PLUS Meißen

Viel Zaster für kein Pflaster

Eine Frau will ihren Hof pflastern lassen, zahlt 5.000 Euro an. Und fällt auf einen Betrüger rein. Das Geld ist wohl futsch.

Pflaster- und andere Arbeiten für 10.000 Euro sollte der Angeklagte ausführen. Er kassierte 5.000 Euro Anzahlung. und ward nicht mehr gesehen.
Pflaster- und andere Arbeiten für 10.000 Euro sollte der Angeklagte ausführen. Er kassierte 5.000 Euro Anzahlung. und ward nicht mehr gesehen. © Sambolfoto: André Schulze

Meißen. Da staunte der 29-jährige Klipphausener am Donnerstagmogen nicht schlecht. Plötzlich stand die Polizei vor seiner Tür. Und holte ihn ab zu seiner Gerichtsverhandlung in Meißen. Die war schon für den 29. März geplant. Doch der Mann machte, was er immer macht. Er steckte den Kopf in den Sand, resignierte, ignorierte, wollte die Sache aussitzen, kam einfach nicht zum Termin. Nun wird er also von der Polizei vorgeführt.

Hier im Gerichtssaal trifft er sein Betrugsopfer wieder, eine 49-jährige Frau. Für diese sollte er den Hof pflastern und noch weitere Arbeiten ausführen. Das Angebot lag erst bei 20.000, später bei 12.000, zuletzt bei rund 11.000 Euro. 8.000 Euro davon wollte er als Anzahlung haben. Das ist der Frau zu viel, sie handelt die Anzahlung auf 5.000 Euro herunter. "Man muss doch der Jugend eine Chance geben, darf nicht immer nur das Schlechte sehen", sagt sie. Immerhin habe der Mann sehr vertrauenswürdig gewirkt. Dieser nutzt die Chance. Zum Betrügen.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Kurz darauf zahlt sie die 5.000 Euro auf dessen Konto ein. Und dann passiert - nichts. Jedenfalls keine Bauarbeiten. Termin um Termin wird verschoben. Schließlich einigt man sich auf den 25. Mai vorigen Jahres als Baubeginn. Wer nicht kommt, ist der Pflasterer. Und er ist auch nicht zu erreichen, reagiert nicht auf Nachrichten. Über eine andere Telefonnummer erreicht sie ihn doch. Und glaubt ihren Ohren nicht zu trauen. Er habe auf einer anderen Baustelle einen Schaden von 42.500 Euro verursacht und die Anzahlung genommen, um den Schaden zu begleichen. Man vereinbart einen Gesprächstermin, um die Sache zu klären. Wieder kommt der Angeklagte nicht.

Sie schreibt eine Mahnung, erkundigt sich beim Bauamt. Und erfährt dort, dass gar kein Bauantrag für ihr Grundstück gestellt wurde. Jetzt geht die Frau zur Polizei, zeigt den Klipphausener wegen Betrugs an.

Mit dem Geld Schulden beglichen

Er habe das Geld genutzt, um Schulden zu begleichen, gibt der Angeklagte zu. Davon hat er reichlich, so um die 30.000 Euro. Die resultieren aber nicht aus seiner Ein-Mann-Firma, die er gründete, nachdem ihm zum dritten Mal die Fahrerlaubnis entzogen wurde und er nicht mehr im Paketdienst arbeiten konnte. Die Schulden sind alles Konsumentenkredite. Er lebte offenbar auf großem Fuß.

Die Geschädigte hat den Mann inzwischen zivilrechtlich verklagt, ein Versäumnisurteil erstritten, kann die 5.000 Euro 30 Jahre lang einfordern. Ob sie jemals Geld von ihm sieht, ist unwahrscheinlich. "Ich habe nichts, keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld, kann nichts anbieten", sagt der 29-Jährige. Er hat eine Eidesstattliche Versicherung abgelegt, darin ein Einkommen von 2.000 Euro monatlich angegeben, seine Schulden hingegen nicht. Da droht wohl das nächste Strafverfahren.

Die alleinerziehende Mutter hat viel Zaster für kein Pflaster bezahlt, hat getan, was sie tun konnte, steht aber mit leeren Händen da. "Ich brauche das Geld, musste einen Kredit aufnehmen, den ich jetzt abzahle", sagt sie. Den Angeklagten interessiert das alles nicht. Nicht mal eine Entschuldigung bringt er über die Lippen, von einer Wiedergutmachung gar nicht zu reden.

Auch in einer anderen Sache ist er ignorant. Obwohl ihm schon dreimal die Fahrerlaubnis entzogen wurde, zuletzt im November 2019, fährt er immer wieder mit dem Auto. Viermal wird er erwischt, doch das interessiert ihn nicht. Vor Gericht lügt er frech, nicht gefahren zu sein. Und das, obwohl er geblitzt wurde und auf den Fotos gut zu erkennen ist. In einem anderen Fall ist er an Bürgerpolizisten, die ihn sehr gut kennen und wissen, dass er keine Fahrerlaubnis hat, in einem Stau vorbeigefahren. Ein anderes Mal haben sie ihn gestoppt. "Er ist gefahren und saß auch allein im Auto", sagt einer der Bürgerpolizisten. Erst jetzt räumt der Mann die Taten kleinlaut ein.

Staatsanwältin fordert Gefängnis

Wegen Betruges und Fahrens ohne Fahrerlaubnis in vier Fällen wird der Mann zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt. Diese wird für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Er bekommt einen Bewährungshelfer und muss 200 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Frühestens in einem Jahr und sechs Monaten darf ihm die Behörde eine neue Fahrerlaubnis erteilen. "Wenn Sie sich jetzt wieder ins Auto setzen oder eine andere Straftat begehen, werde ich die Bewährung sofort widerrufen", droht ihm Richterin Petra Rudolph an. Staatsanwältin Christine Eißmann hatte sogar zehn Monate gefordert - ohne Bewährung.

Pro forma ordnet das Gericht Wertersatz an. Das heißt in der Theorie, dass die Staatsanwaltschaft die 5.000 Euro bei ihm einzieht und der Geschädigten übergibt. Praktisch dürfte bei dem Mann nichts zu holen sein. Sie kann das Geld wohl abschreiben. Dass er dadurch von seiner Straftat auch noch profitiert, ist das Frustrierendste dieser Verhandlung.

Mehr zum Thema Meißen