merken
PLUS Meißen

Vom Blitz getroffen

Nach einem Blitzeinschlag und Stromausfall suchen Rentner über die Notfallnummer der Enso Hilfe. Und sitzen einem Betrüger auf.

Nach einem Blitzeinschlag in ihr Haus suchen Rentner Hilfe. Als der vermeintliche Enso-Mann weg ist, werden sie im übertragenen Sinne ein zweites Mal vom Blitz getroffen.
Nach einem Blitzeinschlag in ihr Haus suchen Rentner Hilfe. Als der vermeintliche Enso-Mann weg ist, werden sie im übertragenen Sinne ein zweites Mal vom Blitz getroffen. © Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Meißen. Diesen lauten Knall wird der Klipphausener nicht gleich vergessen. Während eines Gewitters hatte im Haus seiner Nachbarn ein Blitz eingeschlagen. „Die Satellitenschüssel hing herunter, Strom, Internet, Fernsehen, alles war weg“, erinnert sich der Mann.

Über das Handy ihrer Tochter wählen die Nachbarn die Notfallnummer ihres Stromversorgers, der damaligen Energieversorgung Sachsen Ost (Enso), die sie auf der Internetseite finden.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Wenig später naht tatsächlich Hilfe. Doch der Mann von der Enso klingelt versehentlich beim Nachbarn. „Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl“, sagt dieser. Es wundert ihn, dass der Mann mit einem Privatauto gekommen ist, einem ziemlich großen BMW. Auch eine Aufschrift der Enso oder Ähnliches ist nicht zu finden.

Von Tuten und Blasen keine Ahnung

Er begleitet den Mann zu seinen Nachbarn, die froh sind, dass Hilfe kommt. Der Mann stellt sich als Mitarbeiter des Energieversorgers vor. Einen Ausweis oder sonstige Legitimation hat er nicht. Die Nachbarn fragen in der Aufregung auch nicht danach. Schließlich hatten sie die Notfallnummer der Enso gewählt, wer anderes sollte sich daraufhin bei ihnen melden?

Doch das ungute Gefühl des Nachbarn verstärkt sich. „Der hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung, hat nur mit einem Schraubenzieher im Sicherungskasten rumgefuchtelt“, sagt er. Schließlich verspricht der Mann, Handwerker zu schicken, die den Schaden beheben. Obwohl er nichts gemacht hat, berechnet er für seine Arbeit eine „Servicepauschale“ von 219,80 Euro. Zahlbar sofort und in bar.

Auch als Schädlingsbekämpfer unterwegs

Die Rentner zahlen das Geld. Und werden nie wieder etwas von dem Mann hören. Denn er ist ein Betrüger. Ein Anruf bei der Enso bestätigt ihnen, dass er kein Mitarbeiter des Unternehmens ist. Sie werden quasi ein zweites Mal vom Blitz getroffen.

Der Betrüger wäre wohl über alle Berge gewesen, hätte sich nicht jemand die Autonummer notiert. Dabei stellt sich heraus, dass es sich um einen Mietwagen handelt. So kann die Polizei über die Verleihfirma schnell den Namen und die Adresse des Betrügers ermitteln.

Die Enso-Nummer ist nicht sein einziger Betrug. In Dresden gibt er sich als Schädlingsbekämpfer aus, verkauft ein angebliches Mittel gegen Schädlinge für stolze 368,48 Euro. Das Mittel ist völlig wirkungslos, wahrscheinlich ist es nur gefärbtes Wasser.

Urteil ohne Verhandlung

Wegen Betruges soll sich der Mann nun vor dem Meißner Amtsgericht verantworten. Doch er erscheint einfach nicht. Eine polizeiliche Vorführung wäre nicht erfolgversprechend. Der Mann wohnt in München. Staatsanwaltschaft und Gericht entscheiden deshalb, ins Strafbefehlsverfahren überzugehen. Das ist ein schriftliches Urteil ohne Verhandlung. Wegen zweifachen Betruges muss er eine Geldstrafe von 2.400 Euro zahlen.

Gegen den Strafbefehl kann er in Berufung gehen. Dann wird doch noch verhandelt, da muss er aber vor Gericht erscheinen. Ansonsten wird der Einspruch verworfen und das Urteil rechtskräftig. Zahlt er dann nicht, muss er eine 60-tägige Ersatzfreiheitsstrafe absitzen. Den betrogenen Rentnern hilft das Urteil nicht. Sie werden ihr Geld nicht wiedersehen.

Nora Weinhold, Pressesprecherin von Sachsenenergie, dem Nachfolgeunternehmen der Enso, warnt. „Unsere Mitarbeiter tragen generell Dienstkleidung, kommen mit einem Dienstauto und weisen sich aus. Sie haben keine Inkassoberechtigung. Es wird niemals vor Ort und in bar kassiert“, sagt sie.

Wie es dem Betrüger gelungen ist, die Notfallnummer umzuleiten, bleibt ungeklärt. Die Nummer war jedenfalls kurz nach dem Vorfall nicht mehr verfügbar.

Mehr zum Thema Meißen