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Fototapeten aus der Schuhfabrik

Wo einst für Salamander produziert wurde, entstehen jetzt innovative Produkte. Unternehmer Mirko Krause will auch das Hauptgebäude dafür herrichten.

Geschäftsführer Mirko Krause (r.) und Produktionsleiter Martin Heinemann am Hauptgebäude der früheren Schuhfabrik Meißen.
Geschäftsführer Mirko Krause (r.) und Produktionsleiter Martin Heinemann am Hauptgebäude der früheren Schuhfabrik Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. An manchen Tagen verlassen Fototapeten mit einer Gesamtlänge von 6,5 Kilometern die Druckmaschine. Aber auch bedruckte Folien zum Bekleben von Türen und mit Fotodrucken bespannte Bilderrahmen gehören zur Produktpalette der Firma Wandmotiv24 GmbH. Aus ganz Europa kommen die Aufträge herein, berichtet Produktionsleiter Martin Heinemann.

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Besonders viel zu tun haben die 21 Mitarbeiter vor Weihnachten und vor dem Muttertag. „Da kommen jede Menge Bestellungen“, sagt der Produktionsleiter. Oft auf den letzten Drücker. Fotos von den Lieben, die auf Leinwände, Acrylglas oder Schiefertafeln gedruckt werden, gelten als beliebte Geschenke. Möglichst noch am Tag der Bestellung sollen die fertigen Aufträge versandt werden.

In Meißen produziert die Wandmotiv24 GmbH seit 2009. Firmengründer und Geschäftsführer Mirko Krause aus Nünchritz siedelte das Unternehmen zunächst in der Ferdinandstraße an. Der 36-Jährige, der zuvor Web-Seiten programmiert hatte, stieß hier schnell an räumliche Grenzen, weshalb das Unternehmen 2012 ins Gewerbegebiet Ost umzog. Auf dem Gelände der früheren Schuhfabrik fand er gute Bedingungen. Zu DDR-Zeiten hatten hier bis zu 700 Menschen gearbeitet und Schuhe für die westdeutsche Marke Salamander produziert.

Drucke in verschiedenen Motiven und Formen werden in Meißen nach den Wünschen der Kunden angefertigt. Im Bild: Sebastian Lehmann.
Drucke in verschiedenen Motiven und Formen werden in Meißen nach den Wünschen der Kunden angefertigt. Im Bild: Sebastian Lehmann. © Claudia Hübschmann

Weitere drei Millionen Euro werden investiert

Die 1978 errichteten Produktionshallen, die seit den 90er Jahren leer stehen und für die es schon Abrisspläne gab, erweisen sich als Glücksfall. Hier waren kaum Umbauten erforderlich, um auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern Produktions- sowie Lager- und Verpackungskapazitäten zu schaffen. Wie der 34 Jahre alte Martin Heinemann informiert, wurden in den vergangenen Jahren bereits etwa drei Millionen Euro investiert, um Maschinen und Ausrüstungen anzuschaffen – und um die wachsende Zahl der über das Internet eingehenden Aufträge erfüllen zu können. Derzeit wird eine automatische Rahmenbau-Maschine aufgebaut, die noch in diesem Monat in Betrieb genommen werden soll. Bis zu 5.000 Bilderrahmen verschiedener Größen laufen dann täglich hier vom Band.

Danach sollen die Prozesse in den Hallen neu geordnet werden und der Weg dazwischen befestigt werden. Grafiker und Büroangestellte, die sich in kleinen Büros neben den Produktions- und Lagerflächen drängen, sollen ein neues Domizil bekommen – im Hauptgebäude der ehemaligen Schuhfabrik mit der markanten Fassade an der Ziegelstraße. Mirko Krause kann es jetzt von der Stadt erwerben. Vor wenigen Tagen stimmten die Stadträte im Verwaltungsausschuss dem Verkauf zu.

Damit ist dem Gebäude, in dem nach der Wende für einige Zeit auch das Finanzamt unterkam, eine Zukunft beschieden. Die Bausubstanz ist nach Mirko Krauses Aussage gut. Es gibt darin auch zwei Aufzugsanlagen, über die Paternoster betrieben wurden. Zunächst sind einige Sicherungsarbeiten am und im Gebäude erforderlich. Eine Komplettsanierung, in die drei Millionen Euro investiert werden, soll geplant und in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden.

Bis zu 5.000 Bilderrahmen in verschiedenen Größen kann dieser Automat, der gerade aufgestellt und eingerichtet wird, an einem Tag fertigen.
Bis zu 5.000 Bilderrahmen in verschiedenen Größen kann dieser Automat, der gerade aufgestellt und eingerichtet wird, an einem Tag fertigen. © Claudia Hübschmann

Ein Showroom im Erdgeschoss

Äußerlich soll das Gebäude eine neue Fassade erhalten. Das Pförtnerhaus an der Ecke zur Hermann-Grafe-Straße könnte zugunsten eines Parkplatzes für Mitarbeiter und Kunden weichen, erläutert Mirko Krause eine seiner Vorstellungen. Dem Eingang im Erdgeschoss soll sich ein Showroom anschließen, in dem das Unternehmen seine Möglichkeiten und Produkte präsentiert. Für sein Unternehmen sollen die oberen beiden Etagen hergerichtet werden.

Im Erdgeschoss sowie in der darüberliegenden Etage ist nach den heutigen Vorstellungen noch etwas Platz. Hier könnten sich ein Pflegedienst oder ein Fitnessstudio einmieten. Ihm wäre es recht, wenn er mit Interessenten in Kontakt käme, sagt Mirko Krause – dann könnten Anforderungen und Wünsche künftiger Mieter beim Planen der anstehenden Bauarbeiten Berücksichtigung finden.

Aber auch Räume für eine Auszubildenden-WG gehören zu den ersten Ideen, um dem Gebäude der alten Schuhfabrik neues Leben einzuhauchen. Das wäre auch ein Beitrag, um junge Leute und Mitarbeiter auf lange Sicht für das Unternehmen zu gewinnen. Denn Fachleute braucht die Firma, wenn sie in den nächsten Jahren weiter wachsen will.

Derzeit bildet das Unternehmen fünf Leute aus – zwei Medientechnologen, zwei Mediengestalter und eine Kauffrau für Büromanagement. Auch Schüler sind gern bei Wandmotiv24 gesehen. Produktionsleiter Martin Heinemann berichtet von Siebtklässlern der Freien Werkschule, die jeden zweiten Donnerstag Unterricht in der Produktion absolvieren. Oder von Grundschulkassen, die er durch die Hallen führt, ihnen zeigt, wie Fototapeten, Bilderrahmen und Wandtattoos entstehen – und es dabei nicht beim Staunen der Kinder belässt. Nach dem Rundgang dürfen sie sich selbst ein Leinwandbild oder ein Wandtattoo herstellen und mit nach Hausen nehmen.

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