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Warten auf das Turbo-Internet

Die Ausstattung der Meißner Schulen mit Computertechnik wächst. Aber das allein reicht nicht aus, um die Möglichkeiten digitalen Lernens nutzen zu können.

Computer gehören heute zum Alltag an den Schulen, auch in Meißen – aber wie werden die Systeme genutzt?
Computer gehören heute zum Alltag an den Schulen, auch in Meißen – aber wie werden die Systeme genutzt? © Sebastian Schultz

Meißen. Die Zahlen sind durchaus beeindruckend, die David Hermann vor den Stadträten präsentierte. Derzeit gibt es 700 PC-Systeme an den Schulen der Stadt. Ebenso gehören 55 Server, 440 mobile Endgeräte wie Tablets oder Notebooks sowie 30 interaktive Tafeln in den Unterrichtsräumen zur Ausstattung, wie der Chef der EDV-Abteilung der Stadtverwaltung informierte. Fünf Mitarbeiter der momentan mit 7,15 Vollzeitstellen besetzten Abteilung im Rathaus kümmern sich um alle Belange der Informationstechnologie (IT) an den acht städtischen Schulen sowie in fünf Kitas und vier Horten. Hinzukommen acht Verwaltungsgebäude, die Feuerwehr und das Theater.

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In diesem und den beiden nächsten Jahren wird in der Stadt weitere Computertechnik erwartet – unter anderem 240 Notebooks als Dienstgeräte für Lehrer, weitere 430 mobile Endgeräte und 70 interaktive Tafeln. Finanziert werden die Anschaffungen aus dem Digitalpakt Schule. Das ist ein Förderprogramm des Bundes für den Zeitraum von 2019 bis 2024.

Damit die Computertechnik an den Schulen auch für den digitalen Unterricht genutzt werden und herkömmliche Formen der Wissensvermittlung ergänzen und bereichern kann, bedarf es weiterer Voraussetzungen. Spezielle Kenntnisse zur IT-Technik sowie zum Umgang damit gehören ebenso dazu wie die Netzwerktechnik an den einzelnen Schulen. Hier gibt es in der Stadt noch große Lücken, die erst in den nächsten Jahren geschlossen werden.

Sachkunde-Aufgaben elektronisch lösen: Tablets und Computer sind Werkzeuge, mit denen bereits Grundschüler gut arbeiten können.
Sachkunde-Aufgaben elektronisch lösen: Tablets und Computer sind Werkzeuge, mit denen bereits Grundschüler gut arbeiten können. © Uwe Soeder

Vorrang für die Schulen

Eine der derzeit wichtigsten Aufgaben dabei ist die ausreichende Anbindung aller Schulen an das Internet. Dafür sind Übertragungsraten im Gigabit-Bereich notwendig. Glasfasernetze ermöglichen das. In Meißen bereitet die Telekom den flächendeckenden Ausbau eines Glasfasernetzes vor, wie Wirtschaftsförderer Martin Schuster erläuterte. Die Planungen sind aber noch nicht abgeschlossen, sodass die Umsetzung in den Jahren 2022 und 2023 erfolgen kann. Die Schulen der Stadt sollen bei der Versorgung mit dem Turbo-Internet Priorität haben.

Wenn die Schulen über einen solchen Anschluss an das Turbo-Internet verfügen, können dort sogenannte WLAN-Router installiert werden, über die sich das Internet kabellos in die Klassenzimmer „verteilen“ lässt. Dann können Schüler und Lehrer die Möglichkeiten des vernetzten Unterrichts nutzen. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen die Schulen der Stadt kabellos erschlossen sein. Für die Triebischtal-Oberschule werde dafür noch ein weiteres Jahr benötigt, erklärte David Hermann vor den Stadträten. Allein für die Netzwerkausstattung der Schulen sind bis Ende 2023 nach seiner Aussage etwa 590 Millionen Euro erforderlich. Die Stadt kann für diese Investitionen Geld aus dem Digitalpakt in Anspruch nehmen, muss aber auch Eigenanteile in ihrem Haushalt einplanen.

Einen solchen Bericht zum Stand der Umsetzung des Digitalpaktes an den Meißner Schulen hatten die Stadträte der CDU/Freie Bürger/FDP/U.L.M.-Großfraktion gefordert. CDU-Stadträtin Heike Zimmer, vom Beruf Schulleiterin am städtischen Gymnasium Franziskaneum, hatte Klagen von Elternvertretern beider Oberschulen der Stadt über die schlechte Internet-Anbindung und mangelhafte Hardware-Ausstattung zum Anlass genommen, das Thema auf die Tagesordnung einer Stadtratssitzung zu bringen.

„Arbeitskreis IT“ einberufen

Zugleich sollte eine Debatte darüber angestoßen werden, wie mit der wachsenden Zahl von Geräten und Netzwerken umzugehen ist – vor allem im Hinblick auf schnelle Hilfe bei Problemen, Support und Cybersicherheit. Wie der EDV-Chef des Rathauses berichtete, wurde jetzt ein „Arbeitskreis IT“ einberufen, in den alle Schulen der Stadt, das Familienamt als für die Schulen zuständige Behörde sowie die EDV-Abteilung Vertreter entsenden. Mit Beginn des neuen Schuljahres werde dieses Gremium regelmäßig zusammenkommen. Der konkrete Bedarf an Hardware und Software soll dort ebenso zur Sprache kommen wie der Weg zu möglichst einheitlichen Lösungen und die Qualifizierung der Lehrer.

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Das ist nicht nur deshalb wichtig, um die Möglichkeiten der IT im Unterricht ausschöpfen zu können. David Hermann sprach auch davon, dass sich durch sachlich genaue Fehlermeldungen per E-Mail an ihn und seine Mitarbeiter viel Zeit gewinnen lasse, die für das Bearbeiten der Probleme gebraucht wird. Um die wachsende IT-Ausstattung an den Schulen und städtischen Einrichtungen auch in Zukunft beherrschen zu können, hat er zwei zusätzliche Stellen für die EDV-Abteilung angemeldet – in der Hoffnung, dass dies bereits in den Verhandlungen zum Meißner Haushalt für 2022 Berücksichtigung findet.

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