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Warum Frau Rüthrich den Bundestag verlässt

Die Meißner SPD-Abgeordnete Susann Rüthrich gibt einen sicheren Listenplatz auf, um sächsische Kinderbeauftragte zu werden. Nicht jedem gefällt das.

Susann Rüthrich (43) auf einem Spielplatz im Meißner Albert-Mücke-Ring: Sie kennt sich aus mit Problemen der Kinder. Seit 2013 ist sie für die SPD MItglied des Deutschen Bundestages. Im Herbst verlässt sie das Parlament.
Susann Rüthrich (43) auf einem Spielplatz im Meißner Albert-Mücke-Ring: Sie kennt sich aus mit Problemen der Kinder. Seit 2013 ist sie für die SPD MItglied des Deutschen Bundestages. Im Herbst verlässt sie das Parlament. © Claudia Hübschmann

Frau Rüthrich, bereits im September 2020 wurden Sie von der Meißner SPD mit 100 Prozent der Stimmen als Bundestags-Direktkandidatin gewählt. Warum möchten Sie nicht mehr in den Bundestag?

Es ist keine Entscheidung gegen den Bundestag, sondern eine für die hoffentlich anstehende neue Aufgabe als sächsische Kinderbeauftragte. Als die Stellenausschreibung jetzt veröffentlicht wurde, musste ich mich entscheiden. Das habe ich getan und vor der sächsischen SPD-Listenkonferenz vom vergangene Wochenende in Leipzig meine Kandidatur zurückgegeben. Mit einer kleinen Träne im Knopfloch.

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Hätten Sie eine realistische Chance gehabt, wiedergewählt zu werden?

Ja. Ich war für den Listenplatz zwei vorgeschlagen worden.

Es gab unterschiedliche Reaktionen aus dem Lager der politischen Mitbewerber: Respekt von der CDU und scharfe Kritik von der FDP. Sie würden sich die Abendsonne suchen. Abendsonne schon mit 43?

Na ja, so eine Aussage sagt mehr über denjenigen, der sie trifft, als über mich. Ich freue mich aber sehr, dass mir Mitglieder anderer politischen Parteien alles Gute wünschen, denn ich werde mit ihnen an anderer Stelle ja weiter zusammenarbeiten.

Was reizt Sie denn so an der möglichen neuen Aufgabe als sächsische Kinderbeauftragte?

Das Themenfeld Kinderschutz und Kinderrechte interessiert mich sehr, es war ja auch mein Hauptarbeitsgebiet im Bundestag. Wir haben in letzter Zeit wichtige Gesetze dazu verabschiedet und damit einen Rahmen geschaffen. Doch umgesetzt werden muss es jetzt in den Ländern und Kommunen. Dabei möchte ich gern helfen.

Einen sächsischen Kinderbeauftragten gab es bisher nicht. Warum wurde dieser Job jetzt neu geschaffen?

Kinderrechte-Verbände und Kinderärzte fordern schon länger Kinderbeauftragte im Bund und in den Ländern. Einige wenige Länder hatten sie geschaffen. In Sachsen stand diese neue Aufgabe im Koalitionsvertrag. Das wird jetzt umgesetzt.

Gibt es Mitbewerber um den Job? Wie sind jetzt die Entscheidungswege?

Ich gehe davon aus, dass es Mitbewerber gibt. Die Bewerbungsgespräche sind im Sozialministerium bereits alle gelaufen. Jetzt muss die Entscheidung fallen. Unterlegene Bewerber müssen dann noch informiert, Fristen eingehalten werden. Dieser Prozess sollte in wenigen Wochen abgeschlossen sein.

Jetzt steht die SPD im Landkreis Meißen ohne Direktkandidatin da? Wird es Ersatz für Sie geben?

Auf jeden Fall. Die SPD tritt in allen 299 Wahlkreisen an, auch in Meißen. Nächste Woche Mittwoch tagt der Meißner Kreisvorstand und wird sicher bereits eine Nachfolge-Entscheidung vorschlagen. Sie soll dann noch im Juni auf einer Kreiswahlkonferenz entschieden werden.

Aber ohne Listenplatz ist es eine chancenlose Nachfolge.

Die Listenaufstellung ist ja vorbei. Ich habe 2009 auch erst einmal ohne Listenplatz kandidiert und bin vier Jahre später in den Bundestag gekommen.

Die aktuelle Wahlumfrage in Sachsen prognostiziert für die SPD sechs Prozent der Stimmen. Schlimmer geht es nimmer. Warum ist das so?

Umfragen und tatsächliche Ergebnisse sind zwei Seiten der Medaille, wie wir wissen. Aber natürlich hat die SPD in Sachsen einen schweren Stand. Sicherlich ist das eine Verkettung von besonderen, auch historischen Umständen. Die sächsische SPD macht aber eine gute Arbeit, kämpft wie die Löwen, insbesondere im Sozialbereich.

Sie haben sich aus der Führung der Kreis-SPD zurückgezogen. Zehn Jahre waren Sie Vorsitzende. Bleibt es dabei?

Wir haben einen tollen neuen Kreisvorsitzenden und einen tollen neuen Kreisvorstand. Dabei bleibt es.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Klipphausen. Werden Sie nach Dresden ziehen?

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Die SPD-Frau möchte neue sächsische Kinderbeauftragte werden. Der Kommentar des Meißner CDU-Kreisvorsitzenden ist überraschend freundlich.

Nein, ich bin ja wegen des Bundestages auch nicht nach Berlin gezogen. Wir fühlen uns sehr wohl in der Gemeinde Klipphausen. Ich freue mich schon darauf, von Gauernitz über den Elberadweg zur Arbeit nach Dresden zu radeln.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

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