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Was die neuen VVO-Preise für den Kreis Meißen bedeuten

VVO-Chef Burkhard Ehlen sagt, warum es teurer wird. Er hat die Minimalvariante vorgeschlagen, die dann beschlossen wurde.

Von Peter Redlich
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Mit der S-Bahn im Verkehrsverbund Oberelbe fahren wochentags bis zu 10.000 Bürger aus dem Kreis Meißen.
Mit der S-Bahn im Verkehrsverbund Oberelbe fahren wochentags bis zu 10.000 Bürger aus dem Kreis Meißen. © Symbolfoto: Arvid Müller

Radebeul/Meißen/Riesa/Großenhain. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wird die Preise ab 1. April 2022 erhöhen. Das wurde gerade auf der Verbandsversammlung in Weinböhla beschlossen. Wie und warum das beschlossen wurde und was es für die Bürger, die den Verkehrsverbund mit der Straßenbahnlinie 4, der S-Bahn, der Regio-Bahn und den Bussen der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) nutzen, bedeutet.

Warum die Preise erhöht werden und wer das beschließt

Zum Verkehrsverbund gehören Dresden und die Landkreise Meißen, Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Bautzen. Jeder Kreis wird von sechs Personen aus dem Kreistag vertreten. Die Stadt Dresden hat zwölf Stimmen im Zweckverband für den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). „Wir sind in einem Dilemma und dieses Dilemma ist durch Corona noch verschärft worden“, beschreibt VVO-Chef Burkhard Ehlen die Situation des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Das heißt, zu dem teurer gewordenen Betrieb, unter anderem durch steigende Personal- und Energiekosten, ist dazugekommen, dass wegen Corona weniger Menschen mitgefahren sind mit Bussen, Straßenbahnen und S-Bahnen. Es wurden weniger Tickets verkauft als erwartet.

Doch dieser zusätzliche Verlust solle nicht durch die geplante Fahrpreiserhöhung ausgeglichen werden. Bei diesem Thema setzen die Nahverkehrsunternehmen auf den ÖPNV-Rettungsschirm. „Wir schlagen die Minimalvariante vor“, erklärte Ehlen. Es gehe darum, die Preisentwicklung im Rahmen der Inflation fortzuschreiben und zugleich den Kostendeckungsgrad im VVO von rund 77 Prozent durch Fahrgeldeinnahmen stabil zu halten.

Das heißt, reichlich drei Viertel ihrer Ausgaben erwirtschaften die Nahverkehrsunternehmen im VVO aus den Fahrgeldeinnahmen, bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) ist dieser Wert noch etwas höher.

Der Regionalexpress Saxonia in Riesa. Von hier fahren viele im VVO-Tarif nach Dresden, Meißen und Coswig.
Der Regionalexpress Saxonia in Riesa. Von hier fahren viele im VVO-Tarif nach Dresden, Meißen und Coswig. © Sebastian Schultz

Wie weit der Verkehrsverbund reicht und wer ihn am meisten nutzt

Der VVO deckt im Wesentlichen Ostsachsen ab von Mühlberg bis Altenberg, von Hoyerswerda bis Dippoldiswalde und reicht an einigen Stellen leicht bis nach Brandenburg, etwa nach Elsterwerda. Mittendrin liegen Meißen, Riesa, Großenhain und Radebeul. Am meisten genutzt werden die Verbindungen von Berufstätigen, die aus dem Landkreis nach Dresden zur Arbeit fahren oder umgekehrt bzw. innerhalb des Kreises zu den großen Unternehmen. Am Wochenende fahren viele auch S-Bahn in die Sächsische Schweiz, etwa auf Familienkarte. Wochentags steigen in Radebeul etwa 4.500 Fahrgäste in die S-Bahn. In Coswig sind es sogar rund 5.000, in Weinböhla etwa 1.000, in Meißen fast 3.000 täglich. In Riesa fahren mit der Regio-Bahn des VVO immerhin reichlich 2.600 Fahrgäste täglich von Montag bis Freitag, davon 430 in Nünchritz und 860 in Priestewitz (alles vor Corona-Zahlen).

Was verändert sich beim Jobticket und wer kann dies nutzen

Das Jobticket ist eine Monatskarte, die monatlich oder im Jahresabo gebucht und genutzt werden kann. Wenn eine Firma 30 Nutzer zusammenbekommt, die dies wollen und selbst mindestens zehn Prozent des monatlichen Preises trägt, dann erlässt auch der VVO zehn Prozent des Monatspreises. Von großen Betrieben, wie etwa dem Elblandklinikum, der Sparkasse Meißen, Koenig & Bauer Radebeul und der UKA GmbH Meißen, aber auch von den Städten Meißen und Coswig mit ihren Tochtergesellschaften wird das genutzt.

VVO-Pressesprecher Christian Schlemper auf den Hinweis, dass im Kreis Meißen oft die 30 nicht in einem Betrieb zusammenkommen: „Da können sich auch Betriebe zusammenschließen und gemeinsam anmelden. Etwa auch kleinere Geschäfte, die nicht so viele Verkäuferinnen haben. Dafür muss sich jemand den Hut aufsetzen und dann ist das möglich.“ Einige Arbeitgeber geben auch mehr als die zehn Prozent dazu, weil sie Interesse an der Nutzung haben.

Der alte Preis des Jobtickets bei einer Ermäßigung von 20 Prozent für zwei Tarifzonen von Radebeul nach Dresden etwa beträgt 74,40 Euro, der neue Preis dann 77,68 Euro.

Was sich für die Straßenbahnlinie 4, bei der S-Bahn-Fahrt und dem Bus verändert

Wer nur innerhalb Radebeuls mit der Straßenbahn fährt, da bleibt es bei den 2,50 Euro je Fahrt. Von Radebeul nach Dresden verteuert sich das Ticket von 4,50 Euro auf 4,70 Euro im Zwei-Zonen-Bereich. Eine Tageskarte von Radebeul nach Dresden oder von Radebeul nach Meißen - also über zwei Zonen - kostet jetzt 9,50 Euro, dann 9,90 Euro. Gleiches gilt für die S-Bahnlinie.

Wer von Meißen nach Dresden fährt, zahlt jetzt für die einfache Fahrt 6,80 Euro, künftig 7,10 Euro.

Wer am Wochenende die Fahrt als Familie etwa in die Sächsische Schweiz unternimmt, wählt eine Familienkarte, die jetzt 21,50 Euro kostet, ab April ist es ein Euro mehr - für zwei Erwachsene und vier Kinder. Von Meißen nach Riesa oder nach Lommatzsch bzw. Nossen sind es auch zwei Tarifzonen. Also ebensolche Preise wie von Radebeul nach Dresden - von 4,50 Euro auf dann 4,70 Euro. Die Viererkarte kostet ab April nicht mehr 9 Euro, sondern 9,40 Euro.

Was sich bei den normalen Monatskarten ändert

Die meisten VVO-Nutzer fahren mit der Monatskarte Richtung Dresden. In zwei Tarifzonen - etwa von Radebeul nach Dresden - steigt der Preis von 93 Euro auf 97,10 Euro. Von Meißen nach Dresden sind es aktuell 138,90 Euro und zukünftig 145,10 Euro.

Interessant ist das Abo-Monatsticket, welches für ein Jahr gebucht ist und monatlich abgebucht wird. Hier gibt es für zwei Zonen die Karte für jetzt 79,10 Euro, dann 80,90 Euro. Von Meißen nach Dresden sind es jetzt 118,10 Euro und ab April 120,90 Euro. Von Riesa nach Dresden kostet es jetzt 156,40 Euro und dann 159,90 Euro.

Das Azubi-Ticket für den gesamten Verkehrsverbund bleibt bei 48 Euro. Das Bildungsticket für Schüler hält der VVO ebenfalls stabil bei 15 Euro für den gesamten Verkehrsverbund.

Die neuen Preise werden ab Anfang März online sein. Auskunft gibt es dazu ansonsten bei der Info-Hotline des VVO Telefon 0351 8526555. (mit SZ/csp)