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Was wird aus dem Mühlenareal?

Über Baupläne von Georg Prinz zur Lippe wird wieder diskutiert – hinter den Kulissen ebenso wie an Ort und Stelle.

Ein Gästehaus in Form eines Dreiseithofes soll auf dem ehemaligen Mühlenareal in Proschwitz entstehen. Diese Pläne waren im vorigen Sommer im Stadtrat lediglich vorgestellt worden.
Ein Gästehaus in Form eines Dreiseithofes soll auf dem ehemaligen Mühlenareal in Proschwitz entstehen. Diese Pläne waren im vorigen Sommer im Stadtrat lediglich vorgestellt worden. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Meißen. Vor Ort erscheint vieles klarer und deutlicher. Zum Beispiel ein Bauvorhaben. Das mag die Bauverwaltung im Sinn gehabt haben, als sie Stadträte aller Fraktionen kürzlich auf das Gelände der früheren Mühle in Proschwitz eingeladen hatte. Wo sich die Proschwitzer Straße und der Weg An den Katzenstufen kreuzen, ist das Fundament einer 1945 abgebrannten Mühle noch erkennbar. Georg Prinz zur Lippe will hier ein Gästezentrum errichten, um Besucher seines Weingutes angemessen unterbringen und bewirten zu können. Dort, wo die Windmühle einst über den Weinhängen herausragte, sehen die Pläne einen öffentlich zugänglichen Aussichtsturm vor.

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Im vergangenen Sommer war das Vorhaben im Stadtrat gescheitert. Über einen Aufstellungsbeschluss, der ein Bauplanverfahren für ein solches Projekt einleitet, war gar nicht erst abgestimmt worden. Unmittelbar davor hatte eine Vorlage der Verwaltung, 300 Quadratmeter im Flächennutzungsplan der Stadt in Bauland umzuwidmen, keine Mehrheit gefunden.

Der Prinz und seine Frau Alexandra wollen einen neuen Anlauf wagen, um das Projekt auf den Weg zu bringen. Sie benötigen es für ihr Unternehmen und wollen einen Millionenbetrag in das sogenannte Mühlenareal am Bocksberg investieren. Der aus zwei zweigeschossigen Gebäuden und einem Dreigeschosser bestehende Gästehaus-Komplex sowie ein Niederschlagrückhaltebecken beansprucht die umstrittenen 300 Quadratmeter, die der Flächennutzungsplan von 2006 als Landschaftsschutzgebiet ausweist.

Behörde hat keine Bedenken

Im vergangenen halben Jahr hatte Georg Prinz zur Lippe ein Gutachten anfertigen lassen, das jetzt präsentiert wurde. Nach den Maßstäben der Weltnaturschutzorganisation International Union for Conservation of Natur an Natural Resources (IUCN), die sechs Kategorien von naturnah bis anthropogen (durch menschliches Handeln verursacht) unterscheidet, stuft das Papier die fragliche Fläche in die fünfte Kategorie ein – sie gilt damit als geschützte Kulturlandschaft, die zum Zwecke der Erholung genutzt werden kann. Damit hätte die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung keine Einwände gegen eine Umwidmung des an das alte Mühlenareal angrenzende Gebiet in Bauland. So hat es Andreas Herr, der Chef des Dezernates Technik und 2. Beigeordneter des Landrates, vor Ort erklärt.

Die umstrittene Fläche ist nicht mal so groß wie ein durchschnittliches Grundstück um ein Einfamilienhaus, sagt Uwe Köhler, der für die CDU/FB/FDP/U.L.M.-Großfraktion an dem Treffen teilgenommen hatte. „Dort stehen zwei alte Obstgehölze, ansonsten lagern dort Bruchsteine, darunter befindet sich zum Teil altes Pflaster vom früheren Mühlenhof“, berichtet er. Mit dem Gutachten und der Unbedenklichkeitserklärung sieht er eine wesentliche Voraussetzung erfüllt, um das Thema erneut in den Gremien zu behandeln.

„Als Stadtrat bin ich dem Gemeinwohl der Stadt verpflichtet“, erklärt er, warum er das Bauvorhaben unterstützt. Schließlich sei es eine Investition in Meißen, mit der das Weingut als Unternehmen zum Wohlergeben der Stadt beitragen will. Als Investor habe Georg Prinz zur Lippe nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern mit seinem Weingut zum guten Ruf Meißens über Stadt- und Landesgrenzen hinaus beigetragen.

Uwe Köhler erinnert auch daran, dass das Gästehaus ursprünglich im Pagodenstil errichtet werden sollte, was allgemein auf Ablehnung stieß. Es spreche für den Investor, dass er mit den im vorigen Sommer präsentierten neuen Entwürfen auf Kritik aus der Bürgerschaft reagierte. Und mit dem Aussichtsturm macht der Prinz sein Eigentum öffentlich zugänglich.

Dort, wo einst eine Mühle stand, sehen die vom Architekten Heinfried Stuve entworfenen Pläne einen öffentlich zugänglichen Aussichtsturm vor.
Dort, wo einst eine Mühle stand, sehen die vom Architekten Heinfried Stuve entworfenen Pläne einen öffentlich zugänglichen Aussichtsturm vor. © Claudia Hübschmann

Alternative Vorschläge

Diskutiert wurde auch darüber, wie denkmalwürdig das alte Mühlenareal ist. Dr. Helge Landmann von der „Bürger für Meißen“/SPD-Fraktion ist gegen einen Abriss der Scheunengebäude und deren Überbauung, weil dies „historische Dorfbesiedlungen zerstört“. Bei einem Treffen mit dem Prinzen hatte er am Ende des vorigen Jahres Alternativen erörtert.

So könnte der Gästehaus-Komplex auf einer Fläche entstehen, auf der die derzeitigen Pläne Parkplätze für die Besucher vorsehen, schlägt Stadtrat Landmann vor. Die Gebäude des früheren Mühlenareals, die in ihrer Bausubstanz gut erhalten seien, sollten unter Denkmalschutz gestellt und für die gastronomische Versorgung hergerichtet werden, so der Vorschlag. Und: Die Stadt sollte sich bemühen, in das Leader-Programm der EU aufgenommen zu werden. Darüber können Bauvorhaben im ländlichen Raum gefördert werden. In einem Offenen Brief an alle Stadträte hat er seine Position niedergeschrieben.

Das alles habe beim Vor-Ort-Termin keine Rolle gespielt, zeigt sich Helge Landmann enttäuscht. Dort zu bauen, wo eigentlich Parkplätze entstehen sollen, würde Planungen in einem sogenannten Außenbereich erfordern. Dazu müsste ein neues Bauleitverfahren eröffnet werden. Dass die entstehenden mehrgeschossigen Häuser den Blick von den benachbarten Eigenheimen aus stören, könnte ein solches Verfahren zum Scheitern bringen, sagt Uwe Köhler. Dorothee Finzel, die als sachkundige Bürgerin beratend für die Großfraktion tätig ist und beim Vor-Ort-Termin ebenfalls dabei war, verweist darauf, dass die vorliegenden Baupläne die barocke Kubatur des Schlosses Proschwitz aufnehmen. Und deshalb passen sie sich auch in die Landschaft des Elbtals ein.

Wie Helge Landmann hatte auch Andreas Graff (Linke) erwartet, „etwas Neues“ präsentiert zu bekommen. Ihn störe, dass das Landratsamt noch vor dem eigentlichen Verfahren bereits Unbedenklichkeitserklärungen zu natur- und denkmalschutzrechtlichen Fragen abgibt: „Dazu hätte ich schon eine Debatte erwartet“, sagt er. Dennoch werde seine Fraktion das Thema noch einmal „auf die Waage legen“, kündigt er an.

Für die AfD hatte Anna Künzel an dem Treffen teilgenommen, dessen Verlauf sie als „konstruktiv“ einschätzt. Am Freitag werde sie in ihrer Fraktion berichten. Dort werde man sich eine Meinung bilden.

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Am 9. März soll das Mühlenareal im Stadtentwicklungsausschuss auf die Tagesordnung kommen – so das Fazit am Ende des Vor-Ort-Termins. Dann wird sich entscheiden, welche Chancen die Pläne des Prinzen haben, bei einer erneuten Abstimmung im Stadtrat eine Mehrheit zu finden.

Im vorigen Sommer hatten die Fraktionen der Bürger für Meißen/SPD, AfD und Linke geschlossen mit Nein gestimmt.

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