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Die neue Königin der Weinberge

Eine Dresdnerin ist die neue sächsische Weinkönigin. Doch Corona hat einiges verändert - auch für Weinhoheiten.

In diesem Jahr war das Publikum bei der Entscheidung außen vor. Die neue sächsischen Weinkönigin Nicole Richter konnte die Jury in Meißen mit ihrer fachlichen Kompetenz überzeugen.
In diesem Jahr war das Publikum bei der Entscheidung außen vor. Die neue sächsischen Weinkönigin Nicole Richter konnte die Jury in Meißen mit ihrer fachlichen Kompetenz überzeugen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es war eine außergewöhnliche Amtszeit, die am Dienstag zu Ende ging: Zwei Jahre lang repräsentierte die frühere Weinkönigin Katja Böhme die sächsischen Weinberge, die ehemalige Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl sogar für drei Jahre. Das soll sich nicht wiederholen. Denn trotz der langen Amtszeit gab es coronabedingt nur wenige der sonst über hundert üblichen Veranstaltungen wahrzunehmen. Ein paar Highlights waren zum Glück gleich zu Beginn dabei: "Ich werde nie vergessen, wie auf dem Bundespresseball mit dem Bundespräsidenten über sächsischen Wein philosophieren durfte", erzählte die frisch vermählte Ann-Kathrin Schatzl, die mit den Tränen zu kämpfen hatte, als die Erinnerungen der letzten Jahre wie Sektkorken nach oben schossen.

Es blieb emotional, denn die neue Weinkönigin trennten gerade einmal vier Punkte zur Zweitplatzierten, also der Weinprinzessin. Und das in einem Jahr, in dem sich die Kandidaten voll und ganz auf ihre fachlichen Fähigkeiten verlassen mussten. Dabei wurden Punkte in verschiedenen Kategorien vergeben: Zuerst mussten sich die Kandidatinnen der Jury vorstellen, danach ihr fachliches Wissen zum Wein und zur touristischen sächsischen Weinstraße unter Beweis stellen. Zum Abschluss mussten alle Weinhoheiten den gleichen Wein möglichst präzise beschreiben.

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In den Jahren zuvor floss das Urteil der Jury nur zu 50 Prozent in die Bewertung ein. Auch das Publikum musste überzeugt werden, und ein begeisterter Fanclub konnte den Unterschied machen. "In diesem Jahr haben wir die fachliche und kommunikative Seite der Kandidatinnen besser darstellen können", freute sich Jury-Mitglied Ralf Walter, Betreiber der sächsischen Vinothek Dresden. "Das war eine der fairsten Wahlen, die wir je hatten."

Um 15.15 Uhr fiel die Entscheidung, eine Stunde später wurde das Ergebnis auf dem blumenüberströmten Innenhof der sächsischen Winzergenossenschaft in Meißen verkündet: 67 Punkte gingen an die zweite Weinprinzessin Nina Koblenz. Die 49-Jährige lebt in Markleeberg und arbeitet als Dozentin in der Gastroausbildung. 104 Punkte gingen an die erste Weinprinzessin Sabrina Papperitz aus Radebeul. Die 29-Jährige arbeite als Schichtleiterin der Impfstoffproduktion in Dresden und hat einen eigenen Weinberg. Gegen sie konnte sich die 33-jährige Nicole Richter mit 110 Punkten ganz knapp durchsetzen: Einen Moment, von dem sie sicherlich geträumt hat, denn als sie das goldene Weintrauben-Collier umgelegt bekam, schoss Nicole Richter das mit Abstand breiteste Lächeln ins Gesicht.

Die große Sause zu ihrer Kür zur neuen sächsischen Weinkönigin musste coronabedingt ausfallen, allerdings nicht ganz ohne Publikum. Trotz der etwa 30 Gäste war die Stimmung ausgelassen; Weingläser verschiedenster Größen klirren schwungvoll aneinander.

Kurz nach der Krönung war die Anspannung bei den Kandidatinnen immer noch nicht ganz verflogen: "Zumindest ein bisschen abgefallen, aber um das richtig zu realisieren, müssen wir erstmal eine Nacht darüber schlafen", erklärt Nicole Richter nach der Verleihung. Schließlich laste auf dem Amt eine immer größere Verantwortung, denn sächsischen Wein deutschlandweit schmackhaft zu machen, sei verglichen mit der Suche nach Nachwuchswinzer klein.

Vielleicht kann die neue Weinkönigin da mit ihrer Biografie überzeugen. Die 33-Jährige ist nämlich nicht nur gelernte Pharmakantin, sondern bewirtschaftet einen eigenen Weinberg in Radebeul: "Wir sollten die Motivatoren sein, dass die jungen Leute auch zum Wein kommen, so wie wir als Quereinsteiger zum Weinbau gekommen sind. Im nächsten Jahr möchte sie motivieren und Interesse daran wecken, selbst mal im Weinbau Hand anzulegen. "Das ist enorm wichtig, weil wir hier im Weinbaugebiet schon jetzt das Problem haben, dass der Nachwuchs fehlt. Es liegt an uns die Werbetrommel zu rühren."

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Das geht natürlich einfacher, wenn in den kommenden Monaten wieder öfter gefeiert und angestoßen werden kann: "Natürlich weiß keiner, was die nächsten Monate bringen, deshalb werden wir viel spontan entscheiden müssen. Wir freuen uns jetzt erstmal auf den Tag des offenen Weinguts und hoffen natürlich auf die Eröffnung des Weinböhlaer Weinfestes."

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