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Wenige Masken und viel Glühwein

In Meißen führte die neue Corona-Allgemeinverfügung zu wenig Menschen auf den Straßen. In Radebeul am Anger sah das ganz anders aus.

Nur drei Stände stehen auf dem weihnachtlich erleuchteten Markt in Meißen am zweiten Adventswochenende.
Nur drei Stände stehen auf dem weihnachtlich erleuchteten Markt in Meißen am zweiten Adventswochenende. © Claudia Hübschmann

Meißen/Radebeul. Die Schaufenster der Neumarkt-Arkaden in Meißen sind festlich geschmückt. Ein goldglänzender Weihnachtsbaum steht im Bekleidungsgeschäft und Weihnachtsmusik klingt bis vor die Tür: Merry Christmas singt die Männerstimme, aber so richtig fröhlich und weihnachtlich ist die Stimmung am zweiten Adventswochenende nicht. Auch die Geschäfte müssten so kurz vorm Fest eigentlich voll sein, doch die Meißner sind anscheinend nicht in Einkaufslaune.

Mit der vierten und aktuellen Allgemeinverfügung für den Landkreis Meißen sind die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch einmal verschärft wurden: Die Mundnasenbedeckung ist nun auch auf öffentlichen Parkplätzen und auf Parkplätzen vor Einkaufszentren, Geschäften und Läden zu tragen. Der Fensterverkauf von Speisen und Getränken ist hier und da noch erlaubt, aber man darf nicht Verweilen und auch das Ausschenken von Glühwein und anderem Alkohol ist außerhalb von Läden und Geschäften verboten.

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Da haben die Meißner anscheinend weniger Lust ihre Wohnungen überhaupt zu verlassen. Diesen Eindruck hat auch eine Weihnachtsgebäckverkäuferin in den Neumarkt-Arkaden: „Es ist sehr wenig los und von einem Weihnachtsgeschäft kann man nicht sprechen“, sagt sie. Sonst steht sie immer in einem Büdchen auf dem Meißner Weihnachtsmarkt und verkauft Holzkunst. Aber da der auch ausgefallen ist und für den Stand mit Stollen und Weihnachtsgebäck jemand gesucht wurde, versucht sie nun hier etwas zu verkaufen. Aber auch das geht nicht wirklich gut: „Die Leute dürfen ja keinen Besuch bekommen und da kaufen die wenigsten einen großen Stollen“, sagt sie. Die meisten nehmen nur ein paar wenige Scheiben mit.

Auch auf dem Heinrichsplatz warten die wenigen Stände auf Kunden.
Auch auf dem Heinrichsplatz warten die wenigen Stände auf Kunden. © Claudia Hübschmann

Dass sich alle an die verschärfte Maskenpflicht auch im Freien halten, kann die Verkäuferin nicht sagen: „Es ist eher gemischt, nur in den Geschäften setzen alle ihre Maske auf“, sagt sie. An den einzelnen Läden hängt nach wie vor ein Hinweis zum Tragen der Maske, aber es findet sich kein Hinweis auf die neue Verordnung, dass diese jetzt in bestimmten Bereichen auch im Freien zu tragen ist: „Die Leute wissen das aber, denn man wird ja überall informiert“, findet die Stollenverkäuferin. Größere Gruppen sind in den Neumarkt-Arkaden nicht unterwegs und zumindest der Großteil trägt den Mundnasenschutz wie angeordnet.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Altkötzschenbroda am Dorfanger: Auch wenn der Lichterglanz und Budenzauber-Weihnachtsmarkt dieses Jahr ausfällt, schlendern trotzdem viele Menschen über den geschmückten Platz und unterstützen die Gastronomen, die aus dem Fenster heraus verkaufen dürfen. Auffällig ist, dass hier fast niemand eine Mundnasenbedeckung trägt und, dass es an den Fenstern auch Alkohol zu kaufen gibt: Überall stehen Glühwein und Wein auf den Karten. Auch die Kollegen von der Polizei sind nicht zu sehen, sondern fahren nur eine halbe Runde mit dem Dienstwagen am Anger entlang.

Gelten hier andere Regeln als in der neuen Allgemeinverfügung? Nein, sagt die Stadtteilmanagerin von Radebeul West, Astrid Hadan, die mit ihrer Familie hier ist: „Das Tragen der Maske und das Verbot von Alkohol betrifft nur den verkehrsberuhigten hinteren Bereich um den Kirchvorplatz.“ Überall sonst besteht keine Maskenpflicht und auch das Ausschenken von Glühwein ist erlaubt. Das nutzen fast alle Besucher und freiwillig tragen den Schutz nur die Wenigsten.

Eine weggeworfene Mund-Nasen-Maske liegt auf dem Anger in Radebeul-Altkoetzschenbroda auf der Wiese.
Eine weggeworfene Mund-Nasen-Maske liegt auf dem Anger in Radebeul-Altkoetzschenbroda auf der Wiese. © Norbert Millauer

Und das obwohl Sachsen derzeit der Corona-Hotspot in Deutschland ist. In den meisten Landkreisen liegt der Inzidenzwert über der Grenze von 200 Infektionen auf 100.000 Einwohner. Im Landkreis Meißen ist dieser Wert sogar noch um einiges höher: Hier beträgt er am Samstag370,7. Müssten die Besucher am Anger angesichts dieser Zahlen nicht auch freiwillig den Mundnasenschutz tragen? Die Stadtteilmanagerin beschwichtigt: „Die Getränke werden extra in ToGo-Bechern mit Deckel angeboten, damit die Leute nach dem Bestellen direkt weiterlaufen“, sagt sie. Außerdem haben die Gastronomen die Bereiche vor den Fenstern mit Absperrband markiert, damit niemand länger stehen bleibt.

Auf der Hauptstraße in Radebeul Ost muss man zu solchen Maßnahmen gar nicht erst greifen. Am Samstagnachmittag ist sie wie ausgestorben. Fast alle Geschäfte sind geschlossen, nur einige wenige haben noch geöffnet. Hier ist die gesamte Verkaufsstraße als verkehrsberuhigter Bereich gekennzeichnet, es besteht Maskenpflicht und Glühweinverbot.

Autorin: Beate Erler

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