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Wenn das Wasser bis ans Haus kommt

Das Landesumweltamt hat eine Online-Anwendung freigeschaltet, mit der man Vorsorge für sein Eigenheim bei Hochwasser treffen kann.

Bei der großen Elbe-Flut 2002 war der historische Dorfanger von Altkötzschenbroda nur noch per Boot zu überqueren. Die neue Plattform des Landesumweltamtes zeigt die Gefährdung für jedes Haus an. Allerdings vorerst nur für Einfamilienhäuser. Weiter
Bei der großen Elbe-Flut 2002 war der historische Dorfanger von Altkötzschenbroda nur noch per Boot zu überqueren. Die neue Plattform des Landesumweltamtes zeigt die Gefährdung für jedes Haus an. Allerdings vorerst nur für Einfamilienhäuser. Weiter © André Wirsig

Weinböhla. Die Mitteilung im jüngsten Amtsblatt der Gemeinde Weinböhla machte stutzig. Da wurde angekündigt, dass im Bauamt Unterlagen ausliegen, die die Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für die Elbe vom Kilometer 30 bis 85 darstellen. Weinböhla und die Elbe? Der Strom liegt doch mindestens zwei Kilometer entfernt von den Gemeindegrenzen. Doch Rathaussprecherin Claudia Funk erklärte, dass auch Weinböhla betroffen sei, wenn auch nur ein winziger Teil.

Antwort auf die Frage, wie man wissen kann, wer wo von Hochwasser betroffen sein könnte, liefert bereits das Datenportal IDA, das auch mit dem Landeshochwasserzentrum verlinkt ist. Nun hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie dem Portal ein neues Werkzeug hinzugefügt: „Wer sein Eigenheim bestmöglich vor Hochwasserschäden schützen möchte, kann ab sofort das kostenlose Online-Tool FLOOD.Bi zur Hochwasservorsorge nutzen.“

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Eine vorausschauende Planung und bauliche Anpassungen könnten das Risiko für Hochwasserschäden an Gebäuden verringern, heißt es weiter. Und zwar überall im Kreis, nicht nur in Weinböhla. „FLOOD.Bi unterstützt Grundstückseigentümer, Fachplaner und Architekten in Ingenieurbüros dabei.

Die neue Webanwendung liefert Informationen zu den Hochwassergefahren am Standort, ermittelt potenzielle Hochwasserschäden am Gebäude und zeigt die Wirkung individueller Vorsorgemöglichkeiten auf. „Auswertungen in Deutschland und Tschechien - FLOOD.Bi ist ein gemeinsames sächsisch-tschechisches EU-Projekt - hätten gezeigt, dass ein großer Teil der von Hochwasser geschädigten Gebäude und Infrastrukturen bereits mehrfach von einer Überflutung betroffen gewesen seien und die Möglichkeiten zur Vorsorge bisher nicht ausreichend genutzt worden wären. „Dabei kann mit den richtigen Vorsorgemaßnahmen viel gegen typische Schadensbilder an Wohngebäuden, Verkehrsinfrastrukturen und schnell reagierenden kleinen Fließgewässern getan werden.“

Risikobewertung für jedes Haus

Und wie funktioniert das Ganze nun? Man kann in der Anwendung sein Haus per Adresse eingeben - zunächst kann das Werkzeug nur für Einfamilienhäuser genutzt werden. In den kommenden Monaten soll es erweitert werden und zukünftig auch für Mehrfamilienhäuser bereitstehen. Klickt man sein Haus an, erscheint ein Steckbrief, der die prognostizierte Wassertiefe am Gebäude bei verschiedenen Hochwasserständen angibt. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ 100) erscheint etwa 0 bis 0,5 Meter über Gelände, bei HQ Extrem höher als 0,5 bis 2,0 Meter über Gelände.

Klickt man weiter auf das Wort Steckbrief, wird einem der Gefahrenindex, der von 1 bis 7 geht, angezeigt. Für unser Gebäude, es steht an der Sörnewitzer Straße in Weinböhla, ergibt sich eine mäßige Gefährdung und geringe Intensität bei einem hundertjährlichen Hochwasser. Man kann sich nun Schritt für Schritt weiter durchklicken, angeben, wann das eigene Haus in welcher Bauweise errichtet worden ist, ob es komplett oder nur teilweise unterkellert ist.

Die Gebäudefläche wird auf Grundlage der dahinterliegenden Daten automatisch ermittelt. Dann kann man angeben, wie man sich vor dem Hochwasser schützen will, etwa durch Barrieren oder einen Schutz vor der Gebäudehülle, oder bei einem Neubau durch eine Wannenkonstruktion, und am Ende wird einem die potenzielle Schadenserwartung in Euro pro Jahr und die mögliche Schadensreduktion angegeben.

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Das Ganze kann man sich als PDF-Steckbrief ausdrucken und zu seinem Architekten oder ins Ingenieurbüro oder zur Versicherung etc. mitnehmen. Zugegeben - es ist nicht ganz leicht, sich durch die Plattform hindurchzuarbeiten. „In den kommenden zwei Wochen wird ein Benutzerhandbuch im FLOOD.Bi aufrufbar sein, und es ist zu überlegen, ob wir eine Art Demo-Video zur Verfügung stellen könnten“, sagt Susann Thieme, zuständige Referentin am Landeshochwasserzentrum. Sie kündigt an, dass weiter an der Anwendung gearbeitet werde, etwa an noch genaueren Datengrundlagen und weiteren Differenzierungen der Wohngebäudetypen.

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