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Wieder eine erste Adresse

In der Fährmannstraße bereitet die SEEG Arbeiten zur Rettung einer ganzen Häuserzeile vor. Dabei kamen einige Überraschungen zum Vorschein.

Hier steht bald ein Kran. In der Fährmannstraße beginnen in diesem Jahr umfangreiche Bauarbeiten.
Hier steht bald ein Kran. In der Fährmannstraße beginnen in diesem Jahr umfangreiche Bauarbeiten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Liebenswert, aber auch anspruchsvoll. Diese Worte benutzt Birgit Richter, um die Dimensionen eines Bauvorhabens zu beschreiben, das in der Fährmannstraße zu bewältigen ist. Das städtische Wohnungsunternehmen SEEG, dessen Geschäftsführerin Birgit Richter ist, hatte hier im vorigen Sommer, vier ruinöse Häuser von der Stadt erworben, deren Abriss bereits erwogen wurde. Sie sollen nun gerettet werden – und nach aufwendiger Sanierung soll hier Wohnraum entstehen, der Erwartungen an modernes Wohnen genügt und zugleich bezahlbar zu mieten ist.

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Ehe aber mit dem Bauen an der Fährmannstraße begonnen werden kann, sind umfangreiche Sicherungsarbeiten notwendig. Bei den Untersuchungen und Vorbereitungen dafür kamen einige Überraschungen zum Vorschein, wie die SEEG-Chefin berichtet. Allerhand Müll, der sich wohl nicht nur angesammelt hatte, als das Haus noch bewohnt war, sei dabei eines der geringsten Probleme gewesen.

Risse an der Fassade des Hauses an der Fährmannstraße 1 machen zusätzliche Sicherungsarbeiten erforderlich.
Risse an der Fassade des Hauses an der Fährmannstraße 1 machen zusätzliche Sicherungsarbeiten erforderlich. © Claudia Hübschmann

Das Haus an der Fährmannstraße 1 weist erhebliche Schäden am Dach auf. „Der komplette Dachstuhl muss entfernt werden. Außerdem müssen die Decken der beiden darunter liegenden Etagen erneuert werden“, beschreibt Birgit Richter die anstehenden Arbeiten. Risse in der Außenfassade weisen außerdem auf Schäden hin, die möglicherweise durch das Hochwasser von 2002 entstanden sind und die zudem, umfangreiche Arbeiten im Gründungsbereich des Gebäudes notwendig machen. Hinzu kommen umfangreiche Feuchteschäden und Pilzsporen, die im Keller des Hauses an der Fährmannstraße 2 entdeckt wurden. Auch das ergab die Bestandsaufnahme.

Balkons für alle Wohnungen

Während das Entrümpeln im vorigen Jahr erledigt wurde, konnten die notwendigen Sicherungsarbeiten nicht kurzfristig in Angriff genommen werden. Derzeit laufen die Planungen sowie die Vorbereitungen für deren Vergabe. Birgit Richter hofft auch auf finanzielle Unterstützung aus dem Förderprogramm zum Stadtumbau. Schließlich sind die Überraschungen an der Bausubstanz und deren Beseitigung mit absehbaren Mehrkosten von etwa 500.000 Euro für die SEEG verbunden. Unmittelbar nach dem Erwerb der Häuserzeile war von einem Aufwand, für das sich bis ins Jahr 2024 erstreckende Bauvorhaben, von insgesamt fünf Millionen Euro ausgegangen worden.

Außer den dringenden Sicherungsarbeiten sind in diesem Jahr Vorbereitungen zum Abriss der Hinterhäuser an den Grundstücken Fährmannstraße 2 und 3 vorgesehen. Das Vorderhaus an der Fährmannstraße 3 steht bereits leer. Allen Bewohnern wurden neue Wohnungen im Bestand der SEEG angeboten, informiert Birgit Richter. Auch bei den Umzügen hat das städtische Wohnungsunternehmen geholfen und Kosten übernommen.

Wenn die Hinterhäuser, wie vorgesehen, im nächsten Jahr verschwinden, sind auch Voraussetzungen geschaffen, um alle sanierten Wohnungen mit einem Balkon ausstatten zu können, wie Birgit Richter erläutert. Wegen der Denkmalwürdigkeit der Gebäude an der Fährmannstraße 1 bis 3 bedarf es dazu der Genehmigung durch die Untere Denkmalschutzbehörde. Außerdem muss das Haus an der Fährmannstraße 4 abgerissen werden.

Im nächsten Jahr ist vorgesehen, mit der denkmalgerechten Sanierung der Gebäude an der Fährmannstraße 1 bis 3 zu beginnen. Ein Neubau an der Fährmannstraße 4 soll im Jahr 2023 entstehen. Parallel dazu wird das Haus an der Fährmannstraße 5 modernisiert. Dieses Haus wird barrierefrei erreichbar, weil der benachbarte Neubau einen Aufzug erhält und eine Anbindung vorgesehen ist

Sieben Euro für den Quadratmeter

Im Jahr 2024 sollen alle Arbeiten erledigt sein – und die Fährmannstraße ist wieder eine erste Adresse in der Innenstadt. Dann sind hier 20 Wohnungen in der Größe zwischen zwei und fünf Räumen entstanden. Außerdem ist eine Gewerbeeinheit im Erdgeschoss des Hauses an der Fährmannstraße 1 vorgesehen. Hier könnte eine Gaststätte einziehen und die Freifläche an der Triebisch zur Außenbewirtschaftung nutzen.

Wegen der Hochwassergefahr werden die Kellergeschosse nicht nutzbar sein. Die Haustechnik sowie Abstellmöglichkeiten werden im Erdgeschoss untergebracht. Auf den durch den Abriss der Hinterhäuser entstehenden freien Flächen sollen auch einige Pkw-Stellplätze angelegt werden. Für die Miete in den modernisierten Häusern kalkuliert die Stadtentwicklungs- und -erneuerungs GmbH (SEEG) mit etwa sieben Euro für den Quadratmeter, informiert Birgit Richter.

Der SEEG-Chefin liegt auch bei diesem Bauvorhaben das Schonen der Umwelt am Herzen. Unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten verbietet sich hier das Installieren von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Birgit Richter und ihre Planer ermuntert das zu neuen Überlegungen, um die Häuser so mit Energie zu versorgen und zu beheizen, dass dabei möglichst wenig klimaschädliches Kohlendioxid entsteht.

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Diese Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Sie sind aber Teil des Sanierungskonzeptes für die gesamte Häuserzeile an der Fährmannstraße, dessen 1. Bauabschnitt Birgit Richter im Frühjahr im Stadtentwicklungsausschuss präsentieren wird.

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