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"Wir kriechen auf dem Zahnfleisch"

Der Elbetierpark Hebelei ist seit Monaten dicht. Jetzt fällt auch noch der Bauernmarkt aus. Doch nicht Corona ist der Grund.

Einen Bauernmarkt wird es am Sonntag in der Hebelei nicht geben. Er wurde jetzt abgesagt.
Einen Bauernmarkt wird es am Sonntag in der Hebelei nicht geben. Er wurde jetzt abgesagt. © Dietmar Thomas

Diera-Zehren. Der für den kommenden Sonntag geplante Bauernmarkt in der Hebelei fällt aus. Das teilte Tierparkbetreiber Sven Näther mit. Er ist enttäuscht, fehlen ihm doch dadurch die dringend benötigten Einnahmen aus den Standgebühren der Händler und Parkgebühren der Kunden. Auch der Imbisspavillon, den der Tierpark betreibt, ist an den Markttagen geöffnet.

"Wir haben den Markt trotz der schwierigen Lage unter Hygieneauflagen durchgeboxt. Darüber sind wir sehr glücklich gewesen. Dies wäre eine wichtige Einnahme für den durch die Corona-Krise gebeutelten Tierpark gewesen", sagt er. Außerdem sollte es den ebenfalls davon betroffenen Anbietern die Möglichkeit geben, ihre Waren verkaufen zu können und den Menschen im Landkreis Meißen, mal rauszukommen.

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Allerdings hätten auf den Markt nur Anbieter des Lebensmittel-, Drogerie und Grundversorgungsbereiches gedurft. "Leider fällt der Markt nicht wegen Corona, sondern wegen geringem Interesse der Händler nicht statt. Wegen der Ausgangsbeschränkungen auf höchstens 15 Kilometer fürchteten viele Händler, dass nicht genügend Kunden kämen und daher nur wenig Umsatz zu machen sei", so der Veranstalter .

Maskenpflicht vergrämt Kunden

Doch auch die Kunden seien coronamüde. "Sie werden durch die Maskenpflicht im Freien vergrämt. Viele sagten uns, dass sie erst wieder auf den Markt kämen, wenn der Maskenzwang entfällt", so Sven Näther.

Er kämpft trotzdem weiter für den Bauernmarkt, will ihn auf keinen Fall sterben lassen. Trotz der widrigen Umstände sei im vergangenen Jahr kein einziger Markttag ausgefallen, er habe sogar einen zusätzlichen Markt außer der Reihe angeboten. Dennoch ist er für dieses Jahr eher pessimistisch. Der nächste Markt ist für Anfang März vorgesehen. Ob dieser stattfindet, steht aber in den Sternen. "Wenn sich die Situation nicht grundlegend ändert, wenn dann immer noch Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote bestehen, wenn die Händler keinen Bedarf sehen, ihre Produkte zu verkaufen, und die Kunden kein Interesse haben, dann werden wir auch im März keinen Markt durchführen", sagt er.

Nur dank Spenden überlebt

Der Markttag ist auch immer Anziehungspunkt für Besucher des Elbetierparkes. Viele, die auf den Bauernmarkt gehen, machen einen Abstecher in den Tierpark. Doch auch das ist derzeit nicht möglich. Näther hat kein Verständnis dafür: "Dass man die Tierparks schließt, es Leuten verwehrt, sich an der frischen Luft zu bewegen und ihr Immunsystem zu stärken, ist für mich nicht nachvollziehbar. Hier auf dem großen Gelände können sich die Leute aus dem Weg gehen, zudem haben wir ein sehr gutes Hygienekonzept erarbeitet", sagt er.

Zudem seien Zoos und Tierparks in dieser Jahreszeit nicht so sehr frequentiert, die Leute hielten sich auch nicht so lange auf. "Ein Öffnung wäre nicht nur gut für den Tierpark, sondern vor allem für die Menschen, denn das Eingesperrtsein hat schlimme Folgen, die Leute wollen raus", sagt er.

Viel Hoffnung, dass die Tierparks bei den angekündigten Lockerungen berücksichtigt werden, hat er allerdings nicht. Vor allem beklagt er die Ungleichbehandlung. In anderen Bundesländern dürften Tierparks öffnen. In Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern würden die Einrichtungen besser unterstützt. Dort hätten sich die Behörden mit allen Betreibern zusammengesetzt und sehr gute Lösungen gefunden. "In Sachsen kriechen wir auf dem Zahnfleisch, doch in Dresden interessiert das niemanden", so Näther.

Er hat inzwischen finanzielle Unterstützung für November und Dezember erhalten, insgesamt 3.000 Euro. Das reicht nicht hinten und nicht vorne. "Es ist zum Glück so, dass nach wie vor viele Menschen uns mit Spenden unterstützen, ansonsten könnten wir nicht überleben", so Näther. Durch die Sach- und Geldspenden konnten bisher alle Tiere versorgt werden. Die Futtervorräte reichen momentan bis Mitte März. "Nur durch die Spenden konnten wir bisher überleben", sagt er.

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Und dennoch: Es ist ein täglicher Kampf, der Tierpark lebt von der Hand in den Mund. Er hat keine Einnahmen, die Ausgaben aber bleiben. Wie lange er das noch durchhält, Sven Näther weiß es nicht. Wie dramatisch die Lage ist, lässt sich auch den Besucherzahlen festmachen. Im Schnitt kommen jedes Jahr rund 20.000 Gäste in den Tierpark. 2020 waren es gerade mal etwas mehr als 11.000.

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