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Wird der Triebischsteg noch 2020 fertig?

Ende Oktober sollte das umstrittene Projekt in Meißen eigentlich abgeschlossen sein. Jetzt dauert es deutlich länger als geplant.

Für die Montage des Triebischstegs fehlen wichtige Teile, ohne die eine Eröffnung in weite Ferne rückt.
Für die Montage des Triebischstegs fehlen wichtige Teile, ohne die eine Eröffnung in weite Ferne rückt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wer vom Hahnemannsplatz oder der Martinstraße über die Triebisch geht, hat es schon bemerkt: Es ist noch ein Gerüst am Triebischsteg. Geplant war, dass Ende Oktober davon nichts mehr zu sehen ist. Bis zu diesem Zeitpunkt ist jedoch nur ein Teilstück begehbar. Der Zugang von der Martinstraße ist weiterhin gesperrt, lediglich bis zum Hahnemannsplatz 1 kommen Anwohner. Die zuständigen Firmen für die Montage und die Bauüberwachung hoffen nun, am 20. November den Steg zu eröffnen. Doch auch das kann nicht eingehalten werden.

Ohne Lampen keine Eröffnung

Eine SZ-Anfrage an die Stadt ergab, dass technische Probleme der Grund seien. Mehr ins Detail wollte eine Sprecherin der Stadt jedoch nicht gehen. Dafür gibt Kay Böhme Auskunft. Er ist der Leiter des Meißner Werks der Stahl- und Maschinenbau Graf GmbH. Die Firma aus Weinböhla ist für den Bau zuständig. "Im Prinzip wären wir vergangene Woche schon fertig gewesen", erklärt er. Doch es fehlen sogenannte Anschlusskästen für die Beleuchtung. Das andere Material für die Montage ist schon da, wie die speziellen Meißner Altstadt-Leuchten oder das Geländer. Letzteres soll dann Ende nächster Woche montiert werden, so Kay Böhme.

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Da die Anschlusskästen aber noch nicht geliefert wurden, habe sich die Baufirma in den vergangenen Wochen Zeit gelassen. Denn erst wenn diese ankommen, könne die Graf GmbH weiterarbeiten. Ohne die Kästen macht es keinen Sinn, die Außenwände zu verputzen. Dadurch kann auch die Beleuchtung nicht installiert werden. "Ohne Licht können wir den Triebischsteg nicht eröffnen", erklärt der Werksleiter. Nach seinen Aussagen wollten die Meißner Stadtwerke sie eigentlich schon vor zwei Monaten liefern. Doch seitdem ist kaum etwas passiert.

Die Stadtwerke äußern sich dazu offen. Ihr Lieferant habe exorbitante Lieferschwierigkeiten, teilt Lilly Schütze mit. Die Sprecherin der Stadtwerke erklärt: Diese Kabelüberbrückungskästen sind sehr alt und schwierig zu bekommen. Vorgaben des Denkmalschutzes erfordern jedoch genau diese. "Realistisch betrachtet, wird der Triebischsteg erst Ende des Jahres fertig", sagt sie weiter. Die Sprecherin könne den Ärger der Anwohner und Meißner zwar verstehen, der Bau verzögert sich trotzdem.

"Trotz Corona hat die Baufirma durchgezogen"

Man könne den Stadtwerken keine Vorwürfe machen, sagt wiederum Michael Grahl. Er überwacht den Bau des Triebischstegs für die Dresdner Firma Bonk und Hermann. "Wir können den Verzug jetzt nicht ändern." Es sei zudem erst vor vier bis sechs Wochen klar gewesen, dass diese Kabelüberbrückungskästen verspätet ankommen. Im Gespräch am Telefon wusste er noch nicht, dass sich der Bau bis Ende des Jahres verzögert. Unfair finde er es jedoch, dass den Bauarbeitern häufig die Schuld zugeschoben wird, so Michael Grahl. Auch ihnen könne man nicht vorwerfen, zu wenig getan zu haben. "Denn nächste Woche schließt Kay Böhme die restlichen Arbeiten ab. Trotz Corona hat die Baufirma durchgezogen."

Die verzögerte Eröffnung des Triebischsteg muss jedoch für die Stadtverwaltung bitter sein. Denn seit Jahren bemängeln viele Meißner den Ersatzneubau des Uferwegs zwischen Martinstraße und Hahnemannsplatz. Stadträte kritisierten zum Beispiel, inwieweit der Neubau überhaupt notwendig sei und ob nicht eine Sanierung ausgereicht hätte. Das kommentiert Michael Grahl in einem Werksbesuch in der Firma Graf GmbH: "Wir hätten den Beton für fünf Jahre noch mal retten können, aber das wäre nicht nachhaltig gewesen." So wurde der Steg Anfang der 1990er-Jahre schon einmal saniert. Damals hatte man allerdings die alten Stahlteile nicht ausreichend ummantelt, erklärt er. Mehrere Hochwasser in Meißen später, drang dann nach und nach Wasser in den Beton ein.

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2014 plante die Stadtverwaltung daraufhin, den Steg mit etwa 350.000 Euro zu sanieren. Seitdem wurden die Kosten nach oben geschraubt. Der 85 Meter lange Weg kostet mittlerweile knapp 1,5 Millionen Euro – ein weiterer Grund für die anhaltende Kritik am Bau. Die Stadt übernimmt davon etwa 180.000 Euro. Der Rest stammt aus Fördermitteln des Bundes und des Freistaates, um die Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 zu beseitigen.

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