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Wird jetzt auch in Lommatzsch gegendert?

Auf der Homepage wird der Genderstern verwendet. Auch die Bürgermeisterin ist verwundert.

Auf der Homepage der Stadt Lommatzsch wurde jetzt das Gendersternchen verwendet.
Auf der Homepage der Stadt Lommatzsch wurde jetzt das Gendersternchen verwendet. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Lommatzscher Bürgerinnen und Bürger, die auf die Homepage der Stadt Lommatzsch schauen, sind verwundert. Neuerdings werden sie als "Bürger*innen" angesprochen.  Wird in der Stadtverwaltung des eher bodenständigen und konservativen Lommatzsch  jetzt gendergerechte Sprache angewiesen?

Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) verneint das energisch. Sie hat dies noch gar nicht bemerkt, seit sie am Montag aus dem Urlaub zurückgekehrt ist.  "Das hat eine Mitarbeiterin während meiner Abwesenheit eigenmächtig gemacht. Wir werden das wieder ändern.  Ich bin gegen das Gendern, werde weiterhin von Bürgerinnen und Bürgern sprechen und schreiben", so die Rathauschefin. 

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In anderen Städten wie der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover hingegen gibt es "geschlechtergerechte Verwaltungssprache", die für den gesamten städtischen Schriftverkehr wie  E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer, Hausmitteilungen, Formulare, Rechtstexte und Briefe von den 11.000 Mitarbeitern der Stadt angewendet werden muss. Neben dem Gendersternchen werden zum Beispiel aus  Lehrern  Lehrende, aus Wählern  Wählende oder  aus dem  Renderpult ein Redepult. In Anreden soll es nicht mehr "Damen und Herren" heißen, sondern "Teilnehmende".

Sprachwissenschaftler wie Peter Eisenberg, emeritierter Professor der Universität Potsdam, kritisiert das Gendern im öffentlichen Dienst scharf. Der öffentliche Dienst tue damit etwas, was er nicht dürfe, begehe permanent Dienstpflichtverletzungen, wird er im "Spiegel" zitiert. 

Das sei sehr gefährlich für eine Sprache wie die Deutsche, die keine staatlich verordnete Norm wie etwa das Französische habe, sagt er. Und  kritisiert, dass mit dem sogenannten Gendern vorgeschrieben werde, bestimmte Wörter nicht zu verwenden und stattdessen andere zu benutzen. 

Die Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache  ruiniere die Sprache, sagt er. Die Stadt Hannover wolle nicht das Femininum fördern, sondern das Maskulinum abschaffen. "Das muss zu einem Sprachzerstörungsprozess führen", so Professor Eisenberg.

Gendergerechte Sprache soll dazu dienen, für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen im geschriebenen Wort zu sorgen. In Lommatzsch ist man da weiter. Hier versucht man nicht, durch sprachliche Verrenkungen Gleichberechtigung herzustellen, sondern hat sie längst durchgesetzt. In der Stadtverwaltung sind - außer im Bauhof - alle "Mitarbeiter*innen" oder "Mitarbeitende" Frauen.

Mittlerweile ist das Gendersternchen in einer Meldung auf der Lommatzscher Homepage verschwunden, ist jetzt wieder von Bürgerinnen und Bürgern die Rede, in einer anderen Meldung aber nicht.

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