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Der zweitgrößte Kaffeefilter-Hersteller in Deutschland

Für die Öffentlichkeit ziemlich unscheinbar hat sich aus der ehemaligen Papierfabrik in Nossen ein bedeutender Kaffeefilter-Produzent entwickelt.

Palettenweise verlassen jeden Tag Kaffeefiltertüten die Produktionshallen von Konos in Nossen.
Palettenweise verlassen jeden Tag Kaffeefiltertüten die Produktionshallen von Konos in Nossen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Der zweitgrößte Kaffeefilter-Hersteller in Deutschland hat seinen Sitz in der Kleinstadt Nossen. Die Konos GmbH beliefert eigenen Angaben zufolge alle großen Lebensmittel-Einzelhändler und Discounter. „Wenn Sie Kaffeefilter kaufen, und die sind nicht von Melitta, dann sind sie wahrscheinlich von uns“, sagt Geschäftsführer Christian Höpper. Für den Verbraucher aber schwer zu erkennen, weil Konos kein eigenes Label hat. Das Unternehmen setzt auf sogenannte „Private Label Produkte“, diese werden für einen bestimmten Händler hergestellt unter deren eigenen Markennamen vertrieben. So steht auf der Verpackung der Name des Lebensmittel-Einzelhändlers oder Discounters. „Bei manchen steht auch klein unsere Adresse drauf“, sagt Höpper und zeigt eine Packung.

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Die Kaffeefilter werden aber nicht nur für den deutschen Markt produziert. Konos liefert weltweit aus, so zum Beispiel auch nach Asien. Die Konkurrenz auf diesem Gebiet ist übersichtlich. So gebe es laut Höpper europaweit eine Handvoll Mitbewerber, weltweit noch einmal so viele.

Kaffeefilter sind nach wie vor gefragt. „Der Bedarf hat sich stabilisiert. Es gibt sogar eine kleine Renaissance“, erzählt Uwe Lorenz, Qualitätsmanager. „In Coffee-Shops zum Beispiel wurde der gefilterte Kaffee wieder entdeckt“, ergänzt Höpper. Dort werde er regelrecht zelebriert. In der Pandemie ist die Nachfrage aus dem Gastronomie-Bereich zwar komplett weggebrochen, „aber im Haushaltsbereich haben wir eine verstärkte Nachfrage gemerkt.“

Aus großen Papierrollen entstehen einige Milliarden Kaffeefilter bei Konos in Nossen. Christian Höpper ist seit rund 20 Jahren Geschäftsführer.
Aus großen Papierrollen entstehen einige Milliarden Kaffeefilter bei Konos in Nossen. Christian Höpper ist seit rund 20 Jahren Geschäftsführer. © Claudia Hübschmann

Der Filterkaffee ist also trotz verschiedenster Espressomaschinen oder Kaffeevollautomaten im Trend. Deshalb könnte Konos auch mehr produzieren. Aber es fehlt das Personal. Reichlich 100 Festangestellte plus rund 15 Zeitarbeitskräfte sind im Unternehmen beschäftigt. „Wir würden gern mehr Technik-Fachpersonal wie zum Beispiel Mechatroniker und Produktionspersonal einstellen“, sagt Höpper und ergänzt, „wir könnten ohne Weiteres 30 bis 40 Leute neu einstellen.“ Aber das Unternehmen findet einfach niemanden. Woran es genau liegt, kann er nicht sagen. Sicher hinge es mit der niedrigen Arbeitslosenquote im Landkreis zusammen. Vielleicht liege es auch an dem Drei-Schicht-System, zu dem immer weniger Leute bereit seien. Auch bilde die Firma aus, derzeit gibt es aber nur einen Auszubildenden. Vier bis sechs wären aber möglich. Vor rund 20 Jahren, als Höpper bei Konos begann, war die Situation noch ganz anders, berichtet er.

Der Firmenstandort direkt an der Freiberger Mulde ist nicht neu. Im Gegenteil. Vor rund 150 Jahren wurde dort eine Papierfabrik gegründet. 2006 übernahm die Schweizer Papierfabrik Netstal AG das Werk. Seitdem wird dort kein Papier mehr hergestellt, sondern nur noch im Schweizer Mutterkonzern. Der Fokus in Nossen liegt auf der Verarbeitung von gekreppten Papieren. Neben der Kaffeefilterproduktion wird zum Beispiel auch Backpapier verarbeitet oder Papier für medizinische Anwendungen wie Sterilisationspapier oder Dentalpapier. Das Rohpapier dafür wird in der Schweiz hergestellt und kommt in großen Rollen in Nossen an.

Die Papierrollen für Konos in Nossen werden aus der Schweiz angeliefert.
Die Papierrollen für Konos in Nossen werden aus der Schweiz angeliefert. © Claudia Hübschmann

Insgesamt, so der Geschäftsführer, sei das Unternehmen wirtschaftlich gut durch die Pandemie gekommen. Auch wenn man die Preiserhöhungen bereits jetzt schon merke. So sei der Zellstoffpreis in den vergangenen zwölf Monaten um 60 Prozent gestiegen, auch die Energiekosten sind deutlich höher. Preiserhöhungen für die Konos-Produkte werde es laut Höpper deshalb im nächsten Jahr geben müssen.

Fünf Produktionshallen stehen in Nossen, zwei wurden bereits vor zehn Jahren neu gebaut. Teils stehen noch Maschinen aus den 90er Jahren darin. Doch die werden sukzessive auch erneuert. Damit verbunden eine Stromersparnis. „Für uns ist der Umweltschutz bereits seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenspolitik“, sagt Lorenz. So baue das Unternehmen auf Energieeffizienz und den Einsatz nachhaltiger, recyclingfähiger Rohpapiere und Verpackungsmaterialien. Der Strombedarf werde ausschließlich aus erneuerbaren Energien gedeckt. Ein Teil der Energie kommt aus einer 2020 installierten, ersten Photovoltaikanlage.

Gern würde das Unternehmen expandieren. Flächen auf dem Firmengelände gebe es genügend. Auch die Nachfrage an den Produkten ist da. „Die finanziellen Mittel haben wir auch. Doch leider fehlt uns das Personal“, erklärt Christian Höpper.

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