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PLUS Meißen

Eine Familie zwischen den Schuhen

Das erste Geschäft eröffnete Marion Heinert vor 30 Jahren. Mit Mann und Tochter im Team versorgt sie die Meißner heute mit Schuhwerk in drei Läden.

Der Hahn im Korb ist Norman Heinert zwischen Tochter Nadine und Ehefrau Marion. Auch sonst arbeiten nur Frauen in den Fachgeschäften in der Meißner Altstadt.
Der Hahn im Korb ist Norman Heinert zwischen Tochter Nadine und Ehefrau Marion. Auch sonst arbeiten nur Frauen in den Fachgeschäften in der Meißner Altstadt. © Claudia Hübschmann

Die zwei Touristinnen bleiben spontan stehen, als sie am Schaufenster von Andiamo Schuhmode vorbeilaufen: „Schau mal, hier gibt es diese Marke. Dann lass uns gleich mal reingehen.“ Sofort sind die Zwei in dem Geschäft, das zentral am Meißner Roßmarkt liegt, verschwunden.

Das Familiengeschäft weiß, was Frauen wollen, denn sie haben jede Menge Erfahrung: Dieses Jahr feiert das Andiamo in Meißen 30-jähriges Jubiläum, wie man auch auf den Schaufenstern lesen kann. Drinnen werden sie von Mitarbeiterin Kerstin Dürichen empfangen: „Sie ist seit dem ersten Tag dabei und hat vor 30 Jahren schon den Laden mit eingeräumt“, sagt ihr Chef Norman Heinert.

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Seit 30 Jahren gibt es die Zentrale Studienberatung. Leiterin Cornelia Blum sagt, welche Sorgen immer aktuell sind – und was die Pandemie verändert hat.

Heute ist ihr vorletzter Arbeitstag, dann geht sie in Rente: „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt sie, „ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Zum Schuhe kaufen, will sie aber weiterhin noch regelmäßig vorbeikommen.

Im September 1991 öffnete sich zum ersten Mal die Ladentür, weiß Norman Heinert noch genau. Er ist eigentlich Englischlehrer, aber vor vielen Jahren in das Schuhgeschäft seiner Frau Marion eingestiegen. Damals hatte das Geschäft seinen Sitz in der Neugasse und die Postleitzahl von Meißen war noch vierstellig.

„Ich habe viele Jahre in der Meißner Schuhfabrik im Export gearbeitet“, erzählt Marion Heinert. Nach der Wende war die Zukunft des Betriebes unsicher und sie beschloss sich mit einem eigenen Schuhgeschäft selbstständig zu machen: „Ich hatte viel Erfahrung und wollte das Potenzial nutzen“, sagt die Inhaberin.

Vor drei Jahren kam noch die mittlere Tochter Nadine ins Team. Sie führte zwölf Jahre ein Schuhgeschäft in Freiberg: „Als es dann um die Unternehmensnachfolge ging, bin ich hier eingestiegen“, sagt die 40-Jährige.

Dass die Familie in der Meißner Altstadt zu Hause und bekannt ist, merkt man sofort. Die Kunden gehen an einem Wochentag um die Mittagszeit ein und aus. Viele kennen sich, plaudern und lachen zusammen. Das ist auch kein Wunder, denn die Heinerts führen in der Altstadt noch zwei weitere Schuhgeschäfte in der Elbstraße und in der Fleischergasse. Wenn Kerstin Dürichen in zwei Tagen in Rente geht, haben sie noch vier Mitarbeiterinnen und drei Auszubildende angestellt.

Über die drei Jahrzehnte haben sie 50 Azubis ausgebildet, von denen einige heute in den drei Fachgeschäften arbeiten: „Die Atmosphäre in unseren Läden und vor allem die Beratung sind uns sehr wichtig“, sagt Marion Heinert. Die Kunden sollen nicht nur zum richtigen Regal gelotst, sondern informiert werden: „Deshalb bekommen die Mitarbeiterinnen regelmäßig Schulungen zu Produkten, Material und Pflegemitteln und wir nehmen sie auch mit auf die Messen“, sagt die 61-Jährige.

Denn die richtigen Schuhe auszuwählen ist eine Kunst für sich: Bereits seit August steht die neue Herbst- und Winterkollektion im Geschäft: "Das hat zum Jubiläum noch ein Facelift bekommen", sagt Norman Heinert. Ein Teil des Ladens ist jetzt moderner und mit helleren Möbeln und Vitrinen eingerichtet: „Außerdem haben wir die meisten Schuhe tiefer gestellt, damit man alles besser überblicken kann“, sagt Tochter Nadine.

Der Großteil der Schuhe, der in ihren Läden steht, schauen sie sich auf Messen in Leipzig, Düsseldorf und sogar Mailand an: „Selbst auf kleineren Messen gibt es 150 Aussteller mit jeweils über 200 Paar Schuhen“, sagt Norman Heinert, „da muss man wissen, was man sucht, sonst verzettelt man sich dort.“

Den Geschmack ihrer Kunden kennen sie mittlerweile aber sehr gut: „Die Meißner sind modebewusst und bei den Schuhfarben auch mutig“, sagt Marion Heinert. Immer wieder kämen Touristen aus Hamburg, Köln oder Düsseldorf und wären überrascht über die Auswahl: „Sie sagen uns dann, dass es die meisten Schuhe in den bei uns vorrätigen Farben in ihren Städten gar nicht gibt“, sagt sie.

In diesem Herbst und Winter sind Chelsea-Boots mit hohen Schäften und dicker Sohle beliebt, so Nadine Heinert: „Wir sagen immer, die haben richtig schöne Reifen unter der Sohle“, und zeigt auf ihre Chelsea-Boots, die sie auch selbst gern trägt. Außerdem sind Lackleder und weiße Schuhe weiterhin im Trend.

Besonders auf die weibliche Kundschaft können Schuhläden zählen: „Jede Frau besitzt durchschnittlich 25 Paar Schuhe“, weiß Norman Heinert, „das heißt, die meisten haben eher mehr.“ Tochter Nadine findet: „Schuhe machen ja auch glücklich und Schuhe verkaufen genauso.“

Und die Inhaberin wünscht sich, dass die vielen, kleinen Geschäfte, die Meißen ausmachen, weiterhin bestehen bleiben: „Bisher konnten wir immer auf die Radebeuler zählen, die lieber zu uns als nach Dresden einkaufen kommen“, sagt Marion Heinert. Hier kann man durch kleine Gassen bummeln, in Cafés sitzen und die Bedienung in den Läden ist freundlich: „Ich wünsche mir, dass wir uns das für die Kleinstädte erhalten können, denn jedes Geschäft, das hier fehlt, ist schlecht für alle anderen.“

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