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Gläserne deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte

Schollglas investiert sieben Millionen Euro in Lommatzsch und Nossen und setzt die Tradition der Glasherstellung erfolgreich fort.

Schollglas setzt die 1897 von Carl Menzel gegründete Glasherstellung in Lommatzsch erfolgreich fort.
Schollglas setzt die 1897 von Carl Menzel gegründete Glasherstellung in Lommatzsch erfolgreich fort. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Lommatzsch/Nossen. Schollglas hat den Betrieb in Lommatzsch weiter modernisiert und in neue Anlagen und Maschinen investiert, um auch in Zukunft neue und innovative Produkte entwickeln und liefern zu können. Auch im benachbartem Nossen, wo sich ein noch größeres Werk der Unternehmensgruppe befindet, sind hohe Investitionen geplant. Das teilt das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Barsinghausen bei Hannover hat, mit.

Das Gesamtvolumen der Investitionen an beiden Standorten beträgt im laufenden Jahr rund sieben Millionen Euro. Um den immer höher werdenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, wurde in dem Betrieb in Lommatzsch ein neues Horizontal-Glasbearbeitungszentrum inklusive Bohrportal und Wasserscheideanlage installiert. Nachdem die neuen High-Tech-Anlagen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen, geliefert und montiert wurden, konnten bereits nach nur drei Wochen die ersten Gläser damit gefertigt werden.

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Die vollständige Inbetriebnahme erfolgte Anfang Dezember, seitdem sind die neuen Anlagen in die Produktion eingebunden. Zurzeit werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Maschinen geschult, um ab Januar vollumfänglich eingesetzt werden zu können. Die neuen Anlagen ersetzen in die Jahre gekommene Maschinen. „Mit den neuen Anlagen werden uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Sie sind moderner, und wir können nun Dinge vornehmen, zu denen wir vorher nicht in der Lage waren“, erklärt Nico Succolowsky, der Geschäftsführer an den beiden Standorten in Lommatzsch und Nossen ist.

Durch die besseren Fertigungsmöglichkeiten könne die Kapazität um 30 Prozent erweitert werden. Somit werde die Produktivität im Betrieb gesteigert und die Qualität der Produkte verbessert. „Ich bin stolz, dass wir mit diesen modernen Maschinen hier am Standort arbeiten können und somit noch leistungsfähiger werden", so Betriebsleiter Gerhard Pielorz.

Gute und sichere Arbeitsplätze

Mit den hohen Investitionen gerade zur jetzigen Zeit, während viele andere Unternehmen eher vorsichtig seien und abbauten, blicke Schollglas optimistisch in die Zukunft und bekräftige das Vertrauen in die Region. Durch den umgekehrten Weg möchte die Unternehmensgruppe auch in Zukunft gute und sichere Arbeitsplätze in Lommatzsch und Nossen bieten. "Mit den neuen Anlagen und Maschinen wird die Unternehmensgruppe noch leistungsfähiger, um für die Zukunft bestens gerüstet zu sein“, zeigt sich Günter Weidemann, Gründer und Inhaber der Unternehmensgruppe, optimistisch. Mit zwei weiteren Standorten in Gerichshain bei Leipzig und Glauchau ist das Unternehmen viermal in Sachsen vertreten. Insgesamt verfügt die 1969 gegründete Unternehmensgruppe über 13 Standorte im In- und Ausland und beschäftigt rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Erben Carl Menzels

Glasindustrie gibt es in Lommatzsch seit mehr als 120 Jahren. Es war Carl Menzel - der Urgroßvater des Schauspielers Terence Hill - , der 1897 in Lommatzsch ein Glaswerk eröffnete, das im Mundblasverfahren die Produktion von Tafelglas einführte. 1930 musste das Werk Konkurs anmelden, 1938 wurde es verkauft. Einige von Menzels zehn Kindern gründeten eigene Glashütten. Viele ehemalige Mitarbeiter der Firma Carl Menzel & Söhne suchten die Selbstständigkeit und gründeten eigene Unternehmen in Lommatzsch. Eine davon ist die 1972 verstaatlichte Firma Lehmann und Balzer, eine Spiegelbelegerei und Glasmanufaktur. Sie ist praktisch der Vorgänger der heutigen Lommatzscher Schollglas Technik GmbH.

Nach der Wende blieben von den einst 125 Beschäftigten nur 60 übrig. Die geplante Reprivatisierung im Frühjahr 1991 durch einen international tätigen Glaskonzern scheiterte. Der damalige Betriebsleiter Bernd Hoffmann rief daraufhin Günter Weidemann an. Das ist der Gründer und Geschäftsführer der Schollglas Unternehmensgruppe in Barsinghausen. Bereits seit Mitte der 1980erJahre hatten die Lommatzscher Geschäftsbeziehungen zu dieser Firma. Weidemann kauft den Betrieb und garantierte der Treuhandanstalt, zehn Millionen Mark zu investieren und 50 Arbeitsplätze in Lommatzsch zu erhalten. Eine Erfolgsgeschichte begann.

In Heynitz entstand ein völlig neues Veredelungswerk, das Sicherheitsglas bis sechs Meter Länge herstellen kann und am 12. Dezember 2001 in Betrieb genommen wurde. In weniger als neun Monaten wurden 18 000 Quadratmeter Produktionsfläche aufgebaut. So wurde die Tradition der Glasverarbeitung unweit von Lommatzsch gefestigt. Schollglas ist eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte. Weidemann bekam auch wegen seines Engagements in Lommatzsch das Bundesverdienstkreuz verliehen. Und vielleicht schafft es der 86-Jährige wie Carl Menzel, dessen Enkel Gerhard Menzel und Terence Hill zum Ehrenbürger von Lommatzsch. (SZ/jm)

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