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"Ich überlebe mit dem Laden, aber schlecht"

Trotz des neuen Quartiersmanagers fühlen sich Händler im Stich gelassen. Eine Meinung vom Hahnemannsplatz.

Anke Wenke arbeitet seit 17 Jahren in ihrem Blumenladen.
Anke Wenke arbeitet seit 17 Jahren in ihrem Blumenladen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Seit es Quartiersmanager Marcel Noack gibt, ist ein wenig Bewegung in den Meißner Einzelhandel gekommen. So eröffneten allein im vergangenen Jahr knapp 20 Geschäfte in der Innenstadt, wie die Stadt auf SZ-Nachfrage mitteilt. Und im Corona-Jahr trotzdem noch drei sowie drei sogenannte Pop-up-Stores. Die Vielfalt an Geschäften, die er sich wünscht, um Menschen in der Innenstadt zu halten, erreicht er dadurch. Als "Kümmerer" des inhabergeführten Einzelhandels, wie er sich selbst bezeichnet, kann er so durchaus punkten. Doch nicht alle sind mit dem Einzelhandel in Meißen zufrieden. Anke Wenke, eine Blumenverkäuferin der Stadt, erzählt, was sie sich wünscht.

"Klar, es ist mittlerweile viel in Bewegung, doch mir fehlt die Unterstützung der Händler untereinander", erzählt die Floristin, die schon seit 17 Jahren am Hahnemannsplatz arbeitet. Sie selbst unterstütze vor allem die Händler, die auch bei ihr einkaufen. Sie wünsche sich zudem, dass die Vertreter der Stadt mehr bei den Einzelhändlern außerhalb der Burgstraße vorbeischauen. "Manchmal habe ich das Gefühl, es konzentriert sich alles nur auf die Straße." Zusätzlich dazu zeige sich der Oberbürgermeister Olaf Raschke gar nicht in der Stadt. Das bemängeln ihrer Meinung nach aber alle Händler. Mit den Stadtmitarbeitern habe sie jedoch kein Problem. Die kaufen regelmäßig bei ihr Blumen.

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Dass Meißner mit den Geschäften der Stadt nicht zufrieden sind, zeigen die Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf einen kürzlich erschienen Artikel in der Sächsischen Zeitung. Dort ging es um die Neumarkt Arkaden, bei denen seit Jahren Still- und Leerstand herrscht. Hier kritisierten einige die Auswahl der Geschäfte und das fehlende Konzept. Anke Wenke war am Anfang auch gegen das Einkaufszentrum. Mittlerweile ist sie zwar nicht dafür, kann es aber nicht ändern. "Die Läden dort könnten etwas attraktiver sein, zum Beispiel eine Bar für Jugendliche", sagt sie. Das fehle ihr aber generell in der Stadt, für die Jugend werde zu wenig getan. Doch einen Vorteil haben die Neumarkt Arkaden für sie: Es gibt einen S-Bahnhof in der Altstadt. "Dadurch kommen auch mehr Kunden zu mir."

Anke Wenke hat dabei durchgehend geöffnet. An guten Tagen wie vor dem ersten Advent kommen bis zu 100 Kunden. Wenn es schlecht läuft, sind es nur 30. Manche von ihnen kennt sie schon, als sie noch Babys waren. Jetzt kaufen sie als Erwachsene. Das finde sie schön. Trotzdem merkt sie momentan eine angespannte Stimmung in ihrem Laden. "Die Leute erzählen mir viel, das ist wie beim Friseur." Viele Meißner und Leute aus der Umgebung sorgen sich, da ihnen wenig Geld bleibt.

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"Es gab mal sieben Blumenläden in der Altstadt, mittlerweile sind es nur noch zwei." Jetzt sage sie sich: "Ich muss nur noch am längsten durchhalten." Doch alles werde teurer, nicht erst seit Corona. Als im Frühjahr der Lockdown kam, und alle Tulpen weggeschmissen werden mussten, war das für sie ebenso bitter. Nicht nur deshalb meint sie: "Ich überlebe mit dem Laden, aber schlecht."

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