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Kabelwerk: Tarifstreit ist beendet

Nach monatelangem Streit haben sich Gewerkschaft und Geschäftsführung geeinigt.

Seit Oktober 2020 haben die Gewerkschafter für einen neuen Tarifvertrag gekämpft. Ab April 2021 wird es ihn voraussichtlich geben.
Seit Oktober 2020 haben die Gewerkschafter für einen neuen Tarifvertrag gekämpft. Ab April 2021 wird es ihn voraussichtlich geben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Gewerkschaft IG Metall Riesa ist erleichtert. Denn ab 1. April 2021 erhalten die Beschäftigten im Kabelwerk Meißen einen Tarifvertrag, teilte sie am Dienstag mit. Seit Oktober 2020 haben Gewerkschaftsmitglieder des Kabelwerks gestreikt. Nach mehrwöchigen Gesprächen in Stuttgart beim Gesellschafter Helukabel konnten sich Geschäftsführung und Gewerkschaft offenbar auf einen neuen Tarifvertrag einigen. Beide Seiten sind zufrieden mit dem Ergebnis.

So betont die Gewerkschaft, dass der neue Vertrag zahlreiche Verbesserungen bringe: 100 Euro mehr pro Monat, eine einheitliche Arbeitszeit von 38 Stunden pro Woche, ein transparentes Entgeltsystem sowie Investitionszusagen seitens des Arbeitgebers. Für die Geschäftsführung gebe der neue Vertrag Planungssicherheit hinsichtlich der Entwicklung der künftigen Personalkosten. Geschäftsführer Lars Balzer betonte auf Anfrage von Saechsische.de zudem den wichtigen Beitrag zum Standorterhalt.

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Erste Tariferhöhung seit zwölf Jahren

"Die Beschäftigten sollen zukünftig verstärkt am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens partizipieren", sagte Lars Balzer. So hoffe die Geschäftsführung, sie mehr an das Unternehmen zu binden, auch mit Blick auf die Zukunft. Ähnlich beschrieb es Willi Eisele, Verhandlungsführer der Gewerkschaft. "Der neue Haustarifvertrag bietet den Kolleginnen und Kollegen endlich die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Zukunftsperspektive und dadurch mehr Sicherheit und Gerechtigkeit." Die Gewerkschaft bemängelte seit vergangenem Jahr die ungerechte Verteilung der Arbeitszeit sowie Bezahlung. Seit zwölf Jahren gab es zudem keine Tariferhöhung.

Gewerkschaftsmitglieder im Oktober bei einer aktiven Mittagspause.
Gewerkschaftsmitglieder im Oktober bei einer aktiven Mittagspause. © Martin Skurt

Die Gewerkschaft erklärte weiter, es wäre schwierig gewesen, den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu holen. Nach sieben Warnstreiks und der Ankündigung eines unbefristeten Arbeitskampfes hätten sich die Bemühungen aber gelohnt. "Dieser Verhandlungserfolg zeigt, dass es sich lohnt, auch in dieser Region und trotz Pandemie hartnäckig für tarifvertragliche Regelungen zu kämpfen", sagt Willi Eisele.

Kabelwerk: Finanzielle Sorgen hätten sich nicht bestätigt

Geschäftsführer Lars Balzer erklärte wiederum, die Geschäftsführung hätte zu keinem Zeitpunkt eine harte Haltung gegen den Abschluss eines Tarifvertrages eingenommen. Vielmehr wäre sie zögerlich gewesen. Denn das Unternehmen sorgte sich, dass überhöhte tarifliche Entgeltsteigerungen den wirtschaftlichen Bestand und insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig gefährden könnten. Dies hätte sich nicht bewahrheitet. "Mit dem jetzigen Tarifabschluss ist es uns gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auch wieder Investitionen in den Standort zu ermöglichen."

Kabelwerk-Chef Lars Balzer beschreibt die Haltung der Geschäftsführung als zögerlich. Man hätte sich gesorgt, dass die Gewerkschaft überzogene Forderungen stellt.
Kabelwerk-Chef Lars Balzer beschreibt die Haltung der Geschäftsführung als zögerlich. Man hätte sich gesorgt, dass die Gewerkschaft überzogene Forderungen stellt. © Claudia Hübschmann

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Die vereinbarten Entgelterhöhungen verstünde das Unternehmen als klare Verpflichtung des Unternehmens gegenüber seinen Beschäftigten. "Aber auch als positiv formulierte Erwartungshaltung der Geschäftsführung gegenüber der Gewerkschaft, dem Betriebsrat und allen Beschäftigten, gemeinsam an der Zukunftsfähigkeit des Standortes Meißen zu arbeiten und so das Unternehmen wieder in die erste Reihe der kabelproduzierenden Unternehmen auf dem deutschen Markt zu bringen. "Nur gemeinsam mit einer motivierten Mannschaft werden wir dauerhaften Erfolg haben."

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