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Keyser hat Schwein

Drei Männer – ein Ziel: Rewe-Chef Keyser aus Radebeul, Fleischer Schempp aus Tauscha und Cunnersdorfer Bauern bieten den Verbrauchern etwas ganz Besonderes.

Haben sich zusammengetan, um Fleischfans beste Qualität aus erster Hand zu liefern: Fleischer Christoph Schempp, Rewe-Chef Björn Keyser und der Ebersbacher Landwirt Torsten Pschorn.
Haben sich zusammengetan, um Fleischfans beste Qualität aus erster Hand zu liefern: Fleischer Christoph Schempp, Rewe-Chef Björn Keyser und der Ebersbacher Landwirt Torsten Pschorn. © Norbert Millauer

Meißen-Radebeul/Thiendorf/Ebersbach. Fleischermeister Christoph Schempp bittet um etwas Geduld. Auf dem Hof des Handwerksbetriebes im Thiendorfer Ortsteil Tauscha wuseln die Angestellten umeinander. Wer draußen an dem typischen Gasthofbau aus dem 20. Jahrhundert vorbeifährt, bekommt davon nichts mit.

In wenigen Minuten ist alles geklärt. Der Chef lädt auf einen Kaffee in den großen Saal über dem eigentlichen Fleischereibetrieb ein. Hohe Fenster, Bühne, lange Tischreihen – ein typischer Dorfgasthof. Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Vorfahren von Christoph Schempp in Sachsen heimisch geworden. Über beide Weltkriege hinweg, über die schweren Zwischen- und Nachkriegsjahre haben sie hier Gastronomie und Fleischerei betrieben. Immer wieder mussten sie sich den geänderten Zeitläufen und neuen Herausforderungen anpassen. Auch jetzt ist es wieder so weit.

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Regionalität bei Obst, Gemüse und vielen anderen Produkten ist Rewe-Chef Björn Keyser in seinen drei Märkten in Radebeul und Meißen ein wichtiges Anliegen.
Regionalität bei Obst, Gemüse und vielen anderen Produkten ist Rewe-Chef Björn Keyser in seinen drei Märkten in Radebeul und Meißen ein wichtiges Anliegen. © Archiv: SZ

Von der Elbe, aus der Mitte des Landkreises, ist Rewe-Chef Björn Keyser nach Tauscha gekommen. In Radebeul und Meißen führt er insgesamt drei Märkte. Den Kaufmann treibt eine Vision um: Er möchte seinen Kunden gern Fleisch und Wurst anbieten können, für die sich die Erzeugungskette vom Landwirt über den Schlachter und Fleischer bis hin zum Vermarkter eindeutig nachweisen lässt. Auf diese Weise erhalte der Verbraucher maximale Sicherheit, sagt der Radebeuler Unternehmer. Das ließen sich die Kunden mittlerweile auch ein paar Euro mehr kosten.

Keyser hat mit diesem Prinzip gute Erfahrungen gemacht. Sein Angebot an regionalem Gemüse sucht seinesgleichen. Das trifft gleichfalls auf den Wein und andere Produkte zu. Allerdings muss dafür ein hoher Aufwand getrieben werden: Es gestaltet sich nicht einfach, in Sachsen die entsprechenden Lieferanten zu finden und für ein Geschäft mit dem Supermarkt zu begeistern. Das war auch das Ergebnis eines Treffens des sächsischen Landwirtschaftsministers Wolfram Günther (Bündnisgrüne) im Mai dieses Jahres mit Händlern.

Bei der Fleischerei Schempp wird besonderer Wert darauf gelegt, einen möglichst großen Teil der Fleischverarbeitung selbst leisten und in der Hand behalten zu können.
Bei der Fleischerei Schempp wird besonderer Wert darauf gelegt, einen möglichst großen Teil der Fleischverarbeitung selbst leisten und in der Hand behalten zu können. ©  Foto: Kristin Richter

In der Kategorie Gemüse, Obst und Wein wäre Keyser bei Schempp freilich an der falschen Adresse gelandet. Die beiden jungen Männer haben einen ganz anderen Deal vereinbart. Schempp wird dafür sorgen, dass die Kunden im Löma-Rewe von Keyser künftig an der Theke garantiert sächsisches Fleisch von einem auf Stroh gehaltenen Schwein erhalten. Die Tiere kommen aus der Cunnersdorfer Agrar GmbH, die sich auf dieses Projekt eingelassen hat.

Die Landwirte in dem Ortsteil von Ebersbach hätten auch in den letzten Jahren schon Schweinezucht in einem sehr kleinen Rahmen betrieben. Jetzt sei auf 200 Tiere aufgestockt worden, sagt Christoph Schempp. Das Besondere daran: Die Schweine werden auf Stroh gehalten, welches direkt von den Äckern in der Großenhainer Pflege stammt. Im Stall haben sie sechsmal so viel Platz, wie eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Tore bleiben offen, um für frische Luft zu sorgen. Mehr Schwein kann man kaum haben. Hinzu kommt: "Wir zahlen dem Landwirt einen festen Preis, der weit über dem Marktpreis liegt, welcher die letzten Wochen wieder komplett abgestürzt ist", so Fleischer Schempp.

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Das i-Tüpfelchen bildet die Schlachtung. Die Tiere werden nicht Hunderte Kilometer weiter gefahren, statt dessen übernimmt dies die Landfleischerei Schempp. "Wir lassen sie hier einen Tag zur Ruhe kommen. Dadurch sind sie nicht gestresst. Jedes Schwein wird einzeln betäubt", sagt der Handwerksmeister. Das in seiner Manufaktur verarbeitete Fleisch und die Wurst sind anschließend zunächst an der Theke des Löma-Rewe in Zitzschewig zu haben. Selbstverständlich natürlich auch in Schempps Hauptsitz in Tauscha sowie in den Filialen in Radebeul, Ottendorf-Ockrilla, Schönfeld, Radeburg und Königsbrück. Da die beiden Partner alle Fleischteile gemeinschaftlich vermarkten, vermeiden sie Lebensmittelverschwendung und bieten Kunden die aus ihrer Sicht bestmögliche Fleischqualität aus der Region.

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