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Commerzbank wächst in der Krise

Trotz Corona und drohenden Schließungen im Großraum Dresden: Die Meißner Filiale zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2020.

Die Commerzbank-Filiale in Meißen kann für 2020 positive Zahlen melden.
Die Commerzbank-Filiale in Meißen kann für 2020 positive Zahlen melden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Corona-Hilfen, Digitalisierung und kontaktloses Bezahlen: Das waren Schwerpunkte der Commerzbank im vergangenen Jahr. Die Corona-Krise habe die Digitalisierung beschleunigt, so Anja Vogler. Die Marktbereichsleiterin für die Filialen in Meißen, Radebeul und Riesa präsentierte in einem Pressegespräch die Bilanzen der ersten beiden Standorte.

Besonders Unternehmen standen 2020 im Fokus wegen Corona. „Als Hausbank pflegen wir zu vielen unserer Kunden langjährige Beziehungen. Dadurch kennen wir ihre Geschäftsmodelle gut und konnten sie schnell unterstützen“, informierte Anja Vogler. In Zahlen sind das 68 Millionen Euro KfW-Corona-Kredite für Sachsen, die Unternehmen beantragt haben. Davon wurden 76 Prozent in Anspruch genommen. In Meißen und Radebeul waren das 500.000 Euro für Unternehmen, die einen Jahresumsatz von maximal 15 Millionen aufweisen. Firmen mit höheren Bilanzen nahmen die Hilfen kaum in Anspruch.

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Corona beschleunigt Digitalisierung der Bank

Dafür wurde die Commerzbank-App 2020 verstärkt genutzt. Insgesamt 31 Prozent mehr Nutzer gibt es in der Region. Die App kann zum Beispiel für das kontaktlose Bezahlen in Supermärkten genutzt werden. Darüber lassen sich ebenso Bankgeschäfte tätigen. Immer mehr Privatkunden würden demnach digitale Anwendungen bevorzugen. „Dabei geht der Trend eindeutig Richtung Mobile-Banking“, erklärt Anja Vogler. Zudem sind 90 Prozent aller Überweisungen digital. Die Commerzbank profitiert von der Übernahme ihrer hundertprozentigen Tochter Comdirect im vergangenen Jahr, die nur Onlinekonten anbietet.

Neukunden kommen vermehrt über digitale Kanäle, und zwar jeder dritte im vergangenen Jahr. „Insgesamt haben wir 2020 in Meißen und Radebeul netto 410 neue Kunden gewinnen können“, so Anja Vogler. Das sind in Summe 19.800 Menschen. 2019 waren es 19.500. Das heißt, die Commerzbank hat mehr Kunden gewonnen als verloren. Die Beratungen haben sich aber mittlerweile geändert. Sie finden vorrangig per Telefon, E-Mail oder Videotelefonie statt. Aber nicht nur die Beratungen sind digitaler, sondern auch der Handel mit Aktien.

Seit mehr als zwei Jahren ist Anja Vogler Marktbereichsleiterin für die Filialen in Meißen, Radebeul und Riesa.
Seit mehr als zwei Jahren ist Anja Vogler Marktbereichsleiterin für die Filialen in Meißen, Radebeul und Riesa. © Anne Oehlert Photographie

Vom Sparer zum Kleinaktionär

Seit Juli 2020 können Wertpapiere außerdem per Smartphone gekauft werden. Jeder fünfte Wertpapier-Kauf wird mobil getätigt. Gerade im Lockdown haben sich die Menschen vermehrt um ihre Geldanlagen gekümmert, so Anja Vogler. „Viele haben den Kurssturz im Frühjahr 2020 genutzt und Wertpapiere gekauft. Davon einige zum ersten Mal.“ Beliebt sind sogenannte Wertpapiersparpläne, also regelmäßige Investitionen in verschiedene Aktien. Die Zahl stieg um 14 Prozent. Das Depotvolumen ist gleichzeitig um 3,1 Prozent auf 96 Millionen Euro angewachsen.

Laut der Marktbereichsleiterin läge das daran, dass mehr Menschen unkomplizierter Aktien kaufen können, zum Beispiel über die Commerzbank-App. Dort gebe es auch Tipps für jede mögliche Anlage: mit hohem oder niedrigem Risiko. Besonders junge Menschen nutzen das, sagte die Marktbereichsleiterin. Sicherlich sei mittlerweile ein Verständnis dafür da, dass Tagesgeldkonten oder Sparbücher keine Zinsen abwerfen. Für die Commerzbank ist ein gesteigerter Wertpapierhandel eine günstige Entwicklung. Denn für Einlagen muss sie einen Strafzins der EZB von 0,5 Prozent bezahlen. Trotzdem ist das Einlagenvolumen auch 2020 um 14,5 Prozent auf 234 Millionen gestiegen. 2019 war die Entwicklung ähnlich. Das Geschäftsvolumen beträgt aktuell 455,3 Millionen Euro und ist damit zu 2019 um etwa sieben Prozent gestiegen.

Mehr Baufinanzierungen im vergangenen Jahr

Genauso schließen mehr Menschen private Immobilienfinanzierungen ab. Das entspricht einer Kreditsumme von zwölf Millionen Euro, zwei Millionen mehr als 2019. Das Gesamtvolumen für Meißen und Radebeul beträgt 105 Millionen Euro. „Die Corona-Krise hat den Wunsch nach Wohneigentum noch einmal verstärkt. Besonders Immobilien mit Gärten und Balkonen waren 2020 gefragt“, erklärt Anja Vogler. Dabei könne die Commerzbank ihren Kunden eine Laufzeit mit festen Zinsen garantieren. Wenn jedoch ein Kunde keinen passenden Kredit bei der Commerzbank erhält, vermittelt das Meißner Haus an andere Banken. „Uns ist wichtig, dass die Kunden zufrieden sind.“

Daneben bietet die Commerzbank für energieeffizientes Bauen einen Zinsrabatt. Jede fünfte bundesweite Baufinanzierung sei deshalb grün. Ökologische Aspekte spielen auch bei Privatanlage eine Rolle. Der seit November 2020 entwickelte Klimavest-Fonds ermöglicht es Kunden, in nachhaltige Energieprojekte wie Windparks zu investieren. Ein CO2-Rechner auf der Internetseite ermittelt, wie viele Treibhausgase eine Investition einsparen könnte. In Sachsen legten Kunden darin insgesamt 1,8 Millionen Euro an. Deutschlandweit sind es etwa 300 Millionen Euro.

Die Zahlen weisen auf einen Wachstumstrend hin, sagte die Marktbereichsleiterin. Damit die Commerzbank noch profitabler werde, setzt sie in Zukunft verstärkt auf digitale Möglichkeiten. Im Zuge dessen werden fast die Hälfte aller deutschen Filialen geschlossen: von knapp 800 auf 450. Auch der Großraum Dresden ist betroffen. Ob die Filialen in Meißen, Radebeul oder Riesa schließen müssen, sei derzeit noch nicht sicher. Anja Vogler bleibt jedoch zuversichtlich.

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