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Meißen verbaut sich die Zukunft

Mit ihrer Ablehnung des Baus eines Gästehauses für das Weingut Proschwitz senden die Stadträte ein klares Signal aus: Investoren nicht erwünscht.

Stadträte aus den Fraktionen der AfD, Linkspartei und Bürger für Meißen/SPD haben erfolgreich gemeinsam gegen den Bau eines Gästehauses für das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe gestimmt.
Stadträte aus den Fraktionen der AfD, Linkspartei und Bürger für Meißen/SPD haben erfolgreich gemeinsam gegen den Bau eines Gästehauses für das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe gestimmt. © SZ/Jörg Schubert

Meißen. Putzig, dass noch kein Rauschen durch den deutschen Blätterwald geht. So wie 2018. Damals wurde von überregionalen Medien ein Schulterschluss von CDU und AfD bei der Meißner Oberbürgermeisterwahl konstruiert.

Jetzt haben zum zweiten Mal Stadträte aus den Fraktionen der AfD, Linkspartei und Bürger für Meißen/SPD erfolgreich gemeinsam gegen den Bau eines Gästehauses für das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe gestimmt. Die Fraktion aus Unabhängiger Liste Meißen, FDP, Freien Bürgern und CDU konnte sich mit ihren Sachargumenten nicht durchsetzen.

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SED-Propaganda recycelt

AfD-Fraktionschef Thomas Kirste spielte die beleidigte Leberwurst, da er sich von Georg Prinz zur Lippe nicht ausreichend gewürdigt sah. Im Vorfeld war der Landtagsabgeordnete mit einer irreführenden und vor falschen Angaben nur so strotzenden Umfrage auf Dummenfang gegangen.

Linkspartei-Stadtrat Andreas Graff machte noch am Tag vor der entscheidenden Stadtratssitzung gegen das Vorhaben Stimmung mit einem Schreiben von Heimatforscher Günter Naumann. Dieser behauptet darin wörtlich: "Alle diese Fakten erwecken den Eindruck, dass hier kein Gästezentrum, sondern letztendlich der künftige Wohnsitz des Antragstellers entstehen soll."

Mit Antragsteller ist Georg Prinz zur Lippe gemeint. Eine solche Unterstellung dürfte fast schon den Tatbestand übler Nachrede erfüllen. Man kann sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass Heimatforscher Naumann beim Verfassen seines Pamphlets vom alten SED-Spruch "Junkerland in Bauernhand" beeinflusst war.

Eine objektive und mit viel Mühe von Alt-Superintendent Andreas Stempel (CDU) recherchierte Zusammenfassung der objektiven Fakten zu dem Vorhaben wurde von einer Mehrheit der Stadträte offenbar ignoriert. Dabei war sie eine der wenigen Äußerungen zu dem Thema, die neben dem gehaltvollen Inhalt in einem versöhnlichen und brückenbauenden Ton gehalten war.

Investoren nicht erwünscht

Was haben die Stadträte, welche gegen das Vorhaben stimmten, nun erreicht? Konkret haben sie Sachsens größtem Privatwinzer, einem Pionier des Nachwende-Weinbaus und des weingetriebenen Tourismus, ein Stück weit die Zukunft verbaut.

Machen wir uns nichts vor: Dem Unternehmer ist in den letzten zwölf Monaten das gesamte Veranstaltungsgeschäft weggebrochen. Die Umsätze beim Weinverkauf gingen rapide zurück. Spätfröste sorgten für Verluste beim Aufreben. Aus der Vergangenheit belastet die schiefgegangene Expansion in Thüringen.

Entscheidend ist jedoch: Ein Schloss wie Proschwitz lässt sich nicht allein aus den Einnahmen eines Weinguts finanzieren. Nicht umsonst hat der Freistaat das Staatsweingut Wackerbarth von der Last des Schlossunterhaltes befreit. Erst ein Gästehaus erschließt das Schloss als Tagungs- und Kongresszentrum.

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Der Meißner Stadtrat hat allerdings mit seinem Mehrheitsbeschluss nicht nur der gesamten sächsischen Weinwirtschaft einen schweren Schaden zugefügt. Gleichzeitig sendet er ein fatales Signal aus: Investoren sind in Meißen nicht erwünscht, verrückte Ideen nicht gefragt.

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