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Scharfe Zunft seit 50 Jahren

Uwe Köhler ist einer der Letzten, die Messer schleifen können. Denn das Handwerk stirbt aus.

Messerschmied Uwe Köhler hat eine Leidenschaft, und das sind scharfe Messer.
Messerschmied Uwe Köhler hat eine Leidenschaft, und das sind scharfe Messer. © Claudia Hübschmann

Meißen. Uwe Köhler ist Messerschmied. War das Handwerk im Mittelalter weit verbreitet, gilt es mittlerweile als aussterbend. Den Betrieb auf der Gerbergasse hat er 2004 von seinem Vater Hans Köhler übernommen. Der hat ihn wiederum vor 50 Jahren gegründet. Das nahm Torsten Herbst (FDP), Bundestagsabgeordneter zum Anlass, seinen Meißner Kollegen Uwe Köhler, FDP-Stadtrat, zu besuchen. Bei einem Rundgang durch die Werkstatt erklärt der Messerschmied, warum er nach der Flut 2013 weitergemacht hat.

Nach 2013, nach dem zweiten Hochwasser, war für Uwe Köhler nicht klar, was mit seinem Betrieb nahe der Triebisch passiert. Doch in dieser Zeit haben ihn viele Kunden ermutigt und meinten: Die Gerbergasse wäre seine Straße. "Das hat mich motiviert, mein Geschäft weiterzuführen", erzählt er und öffnete damals pünktlich zur Weihnachtszeit. Trotzdem musste eine Veränderung her. Die Werkstatt sollte nach oben gelegt werden, damit sie nicht wie 2002 nahezu komplett zerstört wird.

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So kam es, dass er 2014 ein geeignetes Haus gekauft hat. 2017 hat er dort seine Werkstatt im ersten Obergeschoss errichtet – mit viel schwerem Gerät. Deswegen wurde auch eine Schwerlastdecke eingebaut, mit handgeflochtenen Eisenträgern, die Uwe Köhler mit einem befreundeten Kollegen selbst errichtet hat.

Torsten Herbst besucht ausgewählte Orte in Meißen:

Immer weniger üben den Beruf leidenschaftlich aus

In der Werkstatt angekommen, fällt sofort auf, wie hell sie ist. Das liegt vor allem an einer Fensterfront, die sich entlang der Triebisch erstreckt. "Hier ist mein Lichtpalast mit Werkbank", sagt der Messerschmied fröhlich. Wenn er eigene Messer schmiedet und schleift, geschieht das in der Regel hier. Neben der Werkbank ist ein bodentiefes Fenster. Dadurch sind 2017 alle Maschinen für die gesamte Werkstatt geliefert worden.

In Zukunft möchte er noch mehr seine Eigenmarke aufbauen. Dafür bezieht er Material aus Solingen wie auch für andere Messer. Jedes Stück des Messerschmieds erhält dann das Köhler-Siegel. Ein geschwungenes "K" mit einem Säbel, wie es auf seiner Internetseite zu sehen ist. Damit seine Messer hart bleiben, hat er ein geheimes Kühlsystem. Denn beim Verbinden mit dem Griff darf die Klinge nicht zu heiß werden. Sonst wird sie weich. Er habe trotzdem kaum Zeit, viele Messer davon herzustellen. "Zeit ist mein größter Gegner." Um eins zu produzieren, brauche er einen halben Tag.

Um die ganzen Aufträge noch schneller zu erledigen, hofft er in Zukunft auf einen weiteren Mitarbeiter. Aber: "Es ist heutzutage schwer, jemanden zu finden, der den Beruf leidenschaftlich ausführt." Erschwerend kommt hinzu, dass es kaum qualifizierte Bewerber gibt. Uwe Köhler möchte diesen keine Grundkenntnisse beibringen, dafür fehle ihm einfach die Zeit.

"Man muss sich von anderen abheben"

Generell hat er seine Werkstatt so voll mit Maschinen gestellt, dass nur schmale Gänge durch den 85 Quadratmeter großen Raum möglich sind. Noch ist nichts hundertprozentig an Ort und Stelle. Denn Uwe Köhler optimiert gern seine Arbeitsprozesse, ehe er sich festlegt. Wie zum Beispiel mit dem neuen Bandschleifer, den er seit drei Jahren im Einsatz hat. Der arbeitet effizienter als andere Schleifgeräte und wird von Stefan Stange, Obermeister der Präzisionswerkzeugmechaniker-Messerschmiedeinnung Dresden, verwendet. Uwe Köhler muss jedoch das Gerät für seine Zwecke anpassen und optimieren. Denn ihm ist besonders wichtig, dass seine Messer lange scharf bleiben.

Das wissen auch Köche aus der Region immer wieder zu schätzen. Da merkt er aber eine Trendumkehr. "Ich habe den Corona-Lockdown auch in meiner Werkstatt bemerkt. Zwar durfte ich öffnen, aber ich habe spürbar weniger Küchenmesser aus Restaurants zum Schleifen bekommen." Dafür kommen mehr Anfragen von Privatpersonen. "Hier findet eine Umverteilung statt, die ich aufmerksam beobachte."

Eigentlich nehme er jeden Auftrag an, auch wenn es da Ausnahmen gebe, erklärt er. Denn er hat eigene Kriterien, welches Material sich eignet. Er wolle kein Messer schleifen, das nach kurzer Zeit wieder stumpf wird. "Der Kunde würde sich dann fragen, warum ich ihm Geld dafür berechnet habe." Außerdem widerspreche es seinen Qualitätsansprüchen. Deswegen lehnt er manchmal auch Aufträge ab. Trotzdem nimmt er sich bei jedem Stück die Zeit, um es eingehend zu prüfen.

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"Schließlich muss man sich von anderen abheben, sonst besteht man nicht", erklärt Uwe Köhler. Das heißt für ihn vor allem: Vertrauen und Qualität. Mittlerweile wickelt er den Betrieb einer seiner Altmeister ab. Dieser ist schon um die 80 Jahre alt. "Ich übernehme dafür seine Aufträge an. Die kommen aus ganz Deutschland." In Zukunft könne er sich auch vorstellen, sich mit anderen Meistern zusammenzuschließen – je nachdem, wie sich das Handwerk entwickele.

  • In der Filmreihe "Der Letzte seines Standes" des Bayerischen Rundfunks werden alte Handwerksberufe vorgestellt. So auch der Messerschmied.

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