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Trotz Corona eröffnet Ehepaar zweite Filiale

Der Hahnemannsplatz in Meißen erhält wieder eine Textilreinigung. Warum sich das in Zeiten von Lockdown und Homeoffice noch lohnt.

Rita und Thomas Jendroßek sind stolz auf ihren neuen Standort. Denn das ist der zweite und mitten in der Altstadt.
Rita und Thomas Jendroßek sind stolz auf ihren neuen Standort. Denn das ist der zweite und mitten in der Altstadt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Während der Deutsche Textilreinigungsverband über Umsatzeinbrüche wegen Corona klagt, eröffnet die Familie Jendroßek eine zweite Filiale in der Meißner Altstadt. Trotz Corona war die Neueröffnung auf dem Hahnemannsplatz notwendig, erklärt Thomas Jendroßek, der sich vorrangig um das Kaufmännische des Familienbetriebs kümmert. Rita Jendroßek ist verantwortlich für die Reinigung. Daher auch der Firmenname: Ritas Textilpflege.

Der Laden in der Altstadt bietet dabei eine Nassreinigung ohne chemische Lösungsmittel, die schneller und ökologischer sein soll. Möglich macht das eine moderne Electrolux-Reinigungsmaschine, die die Dresdner Firma Wäschereitechnik Engelmann vertreibt. Das Unternehmen verkauft seine Waschmaschinen auch an den Fußballverein Dynamo Dresden. Inhaber Sven Engelmann war bei der Eröffnung dabei. Er erklärt, dass die neue Nassreinigung die klassische chemische Reinigung ersetze. Das Verfahren verwendet Wasser als Lösungsmittel mit biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln. Selbst Kleidung, die nur chemisch gereinigt werden sollte, bekomme die Maschine schonend sauber.

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Menschen tragen weniger Business-Kleidung

Mitten im Corona-Lockdown gibt es allerdings kaum Hemden oder Anzüge, die gewaschen werden müssten. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice. Aber nicht nur wegen Corona hat sich das Kleidungsverhalten geändert. "Die Menschen kleiden sich insgesamt bequemer", so Thomas Jendroßek. Lag in den 1990er-Jahren der Anteil der Business-Kleidung bei 70 Prozent, ist er mittlerweile auf 20 Prozent gesunken, schätzt er. Die restlichen 80 Prozent würden dabei hauptsächlich aus Haushaltswäsche bestehen, die in einer heimischen Waschmaschine kaputtgehen würde oder zu groß wäre, so Thomas Jendroßek. Wie Wollkeidung oder Bettwäsche. Früher wurden täglich vier Trockenreinigungen durchgeführt, jetzt sind es etwa zwei pro Woche in der rechtselbischen Filiale.

Trotzdem lohne sich eine neue Reinigungsfiliale. "Für viele Menschen bedeutet unsere Dienstleistung mehr Freizeit", erklärte Rita Jendroßek. Allein die Anzahl an Waschgängen zeigt, dass dieser Hintergedanke noch immer erfolgreich ist. Durchschnittlich laufen 40 Wäschetrommeln pro Woche bei Ritas Textilservice in Cölln.

Die Familie Jendroßek betreibt seit 1996 eine Filiale auf der Kurt-Hein-Straße in Meißen. Der neue Standort auf dem Hahnemannsplatz knüpft an ein Erbe an, jedoch nicht der Jendroßeks. Früher befand sich die Färberei und chemische Reinigung Bernhard Kayser auf dem Hahnemannsplatz 16. Neben der Geschichte sei natürlich auch die Lage ein Pluspunkt für das Geschäft. Denn der S-Bahn-Haltepunkt ist gleich nebenan. Man hoffe so, auch die Berufspendler verstärkt zu erreichen. Oder Geschäftsleute aus der Innenstadt. Zumindest einen prominenten Kunden hat das Ehepaar schon: Oberbürgermeister Olaf Raschke lasse regelmäßig seinen Anzug bei Ritas Textilpflege reinigen.

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) ist nicht nur in seiner Funktion als Oberbürgermeister vor Ort, um der Familie Jendroßek zur Ladeneröffnung zu gratulieren. Er ist auch regelmäßiger Kunde.
Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) ist nicht nur in seiner Funktion als Oberbürgermeister vor Ort, um der Familie Jendroßek zur Ladeneröffnung zu gratulieren. Er ist auch regelmäßiger Kunde. © Claudia Hübschmann

Kleine Reinigungsfilialen schließen deutschlandweit

Die neue, kleine Filiale in Meißen steht ganz im Gegensatz zu einem Trend der Textilreinigung in Deutschland. Denn seit Jahren nimmt die Zahl der Unternehmen in dieser Branche ab, laut Angaben des Deutschen Textilreinigungsverband (LINK). Allein zwischen 2010 bis 2017 um knapp 20 Prozent. 2017 zählte das Statistische Bundesamt erstmal weniger als 5.000 Betriebe. 2002 waren es fast 8.000. Der Verband nennt unterschiedliche Gründe. Mittelständische Betriebe fusionieren, schließen sich zusammen oder werden aufgekauft. Kleinstbetriebe wie Ritas Textilpflege werden in der Regel geschlossen, ohne das neue Geschäfte entstehen.

Dass das Ehepaar Jendroßek trotzdem erfolgreich eine zweite Filiale in Meißen gründen kann, liegt sicherlich an den lokalen Bedingungen. Denn im vergangenen Jahr reifte beim Ehepaar Jendroßek der Entschluss, eine zweite Filiale zu gründen. Die wäre auch ohne den Corona-Lockdown gekommen, sagte Thomas Jendroßek. "Seit 2014 gibt es keine Reinigung mehr in der Altstadt. Diese Lücke möchten wir schließen." Ein weiterer Grund sei zudem gewesen, die Reinigung nachhaltiger zu gestalten. Nach seinen Aussagen sei ihnen das mit der neuen Technik in der zweiten Filiale gelungen.

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